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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Marcos TSO: Understatement und Leistung

21.06.2004

Marcos TSO
Marcos TSO, viel Leistung, niedriges Gewicht, lange Nase
Doppelpfeil

Englische Kleinhersteller überraschen nicht nur mit einem zähen Überlebenswillen, von Zeit zu Zeit erweitern sie auch noch ihre Modellpalette. Dabei suchen sie aber nicht eine Nische, in der sie bequem überleben könnten, sondern konzentrieren sich alle auf das Segment der Hochpreis-Roadster. Bei Marcos ist es nun wieder so weit, der neue TSO feierte auf der Birmingham Motor Show seine Premiere. Ganz im Gegensatz zu Deutschland, wo weit hergeholte Anglismen Internationalität suggerieren sollen, leitet man bei Marcos das "O" im Fahrzeugnamen von italienischen "Omologato" ab und stellt so die Nähe zu den legendären Ferrari GTO her.

Die Papierform des neuen läßt vermuten, daß die Bezüge zu alten Rennsportwagen nicht nur Marketing sind. Die 400PS des 5,7 V8, den GM spendiert und der auch in Marcos- und Corvette-Rennwagen verwendet wird, sollten mit den 1050kg des TSO R/T keine große Mühe haben. Aus dem Stand werden 100km/h in weniger als 4 Sekunden erreicht, die Spitzengeschwindigkeit liegt bei knapp 300 km/h. Ein Sechsgang-Getriebe und ein Sportfahrwerk mit 18-Zoll-Rädern runden das Angebot ab, das in England für etwa 68.000 Euro zu haben ist. Für ruhigere Zeitgenossen gibt es noch das TSO-Basismodell für 60.000 Euro mit 350 PS und Fünfgang-Getriebe.

Der optische Auftritt des Zweisitzers ist sehr konventionell, kein Vergleich zur polarisierenden Extravaganz eines Morgan Areo 8. Die lange Motorhaube bildet ein gemeinsames Teil mit der Frontschürze. Einige scheinbar wahllos verteilte Hutzen sorgen für etwas optische Spannung. Die Türöffnungslinien ziehen sich in der Wagenflanke bis zu den Radläufen durch, die durch sie begrenzte Fläche ist farbig abgesetzt. Drei große Kiemen vor den Radkästen entlüften den Motorraum und geben der Seitenansicht etwas mehr Profil. Das schlichte Design der Räder verstärkt den Gesamteindruck. Ein Stoffdach sorgt für ausreichenden Wetterschutz, im geöffneten Zustand verschwindet es, ganz den englischen Traditionen folgend, unter einer Persenning.

Marcos TSO
ein klassisches Cockpit: Information statt Verpackung
Doppelpfeil

Den Innenraum dominiert eine zentrale Konsole, in der alle Instrumente und Schalter untergebracht sind. Ergonomie war dabei eher nicht der wichigste Punkt im Lastenheft, eher schon die kostengünstige Produktion von Rechts- und Linkslenkervarianten. Wurzelholz und handvernähtes Leder erzeugen einen Hauch von Luxus, aber der Eindruck des Kleinseriesportwagens läßt sich damit nicht überdecken. Das Momo-Lenkrad ist in Zeiten, wo die Qualität eines Autos auch an der Zahl der Airbags gemessen wird, ein fast schon liebenswerter Anachronismus, das Design mit scharfkantigen Metallspeichen sah man zuletzt in den Fiat- und Alfa-Spidern der frühen Achziger. Es ist aber zu erwarten, daß die Exportmodelle an dieser Stelle noch modifiziert werden, um den Zulassungskriterien und den Sicherheitsbedenken der Kontinentaleuropäer zu entsprechen.

Der TSO ist das erste Ergebnis der strategischen Allianz von Marcos und Prodrive, die sich im Motorsport einen Namen gemacht haben. Prodrive betreibt die Einsätze des Subaru-Werksteams in der Rallye-Weltmeisterschaft und das BAR-Team in der Formel 1. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit soll vor allem in der Fahrwerksauslegung und der Fahrdynamik zu finden sein.

Der neue Marcos ist eine Fahrmaschine ohne weiteren ästhetischen Anspruch. Die Verwendung von Standardkomponenten aus dem GM-Regal läßt erwarten, daß der Betrieb und die Ersatzteilversorgung für die Mechanik problemlos sein wird und der Preis macht den Roadster für alle, die unauffällig verpackte Leistung suchen, zu einem interessanten Angebot.

(Text: Dieter Roßbach )
(Bilder: Marcos Ltd )

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