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Grand Prix de l'Age d'Or: Jubiläum und Abschied
27.06.2004
Der Grand Prix de l'Age d'Or ist eine Traditionsveranstaltung, dieses Jahr fand sie nun schon zum vierzigsten Mal statt, und das an historischer Stätte: Das Autodrome de Linas-Montlhéry wurde 1924 von Alexandre Lamblin finanziert und gebaut, als eine der ersten permanenten Rennstrecken in Europa, mit richtungsweisenden bautechnischen Ideen, die Steilkurven des Ovals zum Beispiel wurden aus Fertigelementen zusammengesetzt. Heute ist das Autodrome der letzte historische Rennkurs, der fast unverändert sein Ursprungslayout erhalten hat und der einzige mit noch befahrbaren Steilkurven. Brookslands existiert nur noch in Teilen, die Avus wurde abgerissen und Monzas Oval ist verfallen und daher unbrauchbar. Die Atmosphäre auf dieser Anlage, die in diesem Jahr ihren achtzigsten Geburtstag feiert, ist in Europa einzigartig. Um so bedauerlicher ist es, daß der Eigentümer in Zukunft keine Fremden mehr auf seinem Gelände haben möchte und das Autodrome für die Öffentlichkeit sperrt. Linas-Montlhéry hat eine herausragende Bedeutung im Motorsport. Schon zwei Monate nach der Fertigstellung waren mehr als 100 Rekorde aufgestellt. Von den 1415 internationalen und Weltrekorden, die bis 1955 registriert wurden, sind 1045 auf dem Autodrome bei Paris erzielt worden. Renaults Turbinen-Recordfahrzeug Etoile Filante erreicht hier über 300 km/h. Renaults 40CV 1926, Citroens Rosalie 1933, Jaguars XK 120 1952 schaffen hier ihre Langstreckenrekorde, bis zu 300.000km werden in Rekordzeit gefahren. Hier findet auch 1971 das letzte Langstreckenrennen statt, bei dem 5-Liter-Rennwagen an den Start gehen dürfen.
Trotz der eher traurigen Umstände wurde auch in diesem Jahr wieder einiges geboten und Teilnehmer und Zuschauer ließen sich die Stimmung nicht verderben. Der Grand Prix de l'Age d'Or ist besonders für Besucher aus Deutschland außergewöhnlich, da man Autos sieht, die bei uns eher selten sind. Hotchkiss, Facel oder CG treten gleich zu Dutzenden auf, Matra Djet, Renault Alpine oder Amilcar finden sich überall auf dem Gelände. Wer sich Zeit nimmt, und auch in der zweiten Reihe sucht, findet dann die unscheinbaren Pretiosen wie den unrestaurierten Citroen M35 mit Wankelmotor, der auf eigener Achse nach Paris gekommen ist, den Opel GT mit Stahlrädern und originalen Chrom-Radkappen, mit dem zwei ältere Damen am Treffen teilnahmen, den Humber Super Snipe Estate oder alleine zwei der extrem seltenen Alpine GT4. Autobianchis Primula ist mit drei Coupés und vier Limousinen vertreten, ein wunderschöner Alpine A310 der ersten Serie, dazu sind die Werke mit eigenen Exponaten vertreten, die einen Bezug zur Rennstrecke haben. Citroen zeigt Messfahrzeuge aus allen Epochen, Renault hat drei Rekordfahrzeuge mitgebracht, die hier in Linas-Montlhéry ihre Erfolge erzielten. 131 Clubs trafen sich dieses Jahr im Innenraum des Ovals und es war schön zu sehen, daß man in Frankreich weniger Berührungsängste und Dünkel zu haben scheint als bei uns. Da steht ein mattschwarzer böser Opel Admiral B neben einem überperfekten Schlüsselloch-Käpitän, der allerdings zu breite Chromräder trägt und einem originalen Kadett B und man freut sich, daß man ein gemeinsames Hobby hat. Niemand verwehrt den Blick auf sein Fahrzeug, ein Delage steht genauso in der Wiese wie ein Renault R10 oder ein Peugeot 404.
Der Motorsport, der geboten wurde, kann sich nicht mit dem Angebot eines Oldtimer-Grand-Prix am Nürburgring messen, keine historische Formel 1, keine Felder mit Dutzenden von Bentleys und SSK, aber dafür ist der Auftritt um so spektakulärer. Wann sieht man schon eine Horde Amilcars und Morgan Dreiräder nebeneinander in der Steilkurve, Formel-Ford-Rennwagen im Pulk aus der Höhe auf die Schikane zuschießen oder einen Mini, der eine große US-Limousine durchs Oval jagt? Das Erinnerungsrennen an die 1000km von Paris allerdings ist eher ein Etikettenschwindel, kein Porsche 917, kein Ferrari 512, kein 908/3, kein Alfa 33, und vor allem kein Matra nimmt daran teil, immerhin finden sich ein Ford GT40, ein Shelby 350 GT sowie zwei Lola T70, davon einer in der seltenen Spider-Variante im Starterfeld. Schade, daß das alles nun Geschichte ist, aber das Autodrome wird ja nicht abgerissen und so bleibt immer noch etwas Hoffnung, daß der Eigentümer irgendwann doch ein Einsehen hat. Im nächsten Jahr findet der Grand Prix de l'Age d'Or erst einmal in Dijon statt.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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