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MG ZT / ZT-T 260: Cool Britannia
18.07.2004
Das kombinieren englischer Karossen mit amerikanischer V8-Technik hat Tradition. Hersteller wie Bristol, Jensen, Gordon-Keeble oder Invicta haben sich in dieser Nische betätigt. Die Kombination verspricht einen besonderen Kick: Ein großvolumiger amerikanischer Dampfhammer, der sein Drehmoment aus einem großen Hubraum schöpft, kombiniert mit europäischer Fahrwerkstechnik, erzeugt einen ganz besonderen Reiz. Auch die Produktentwickler der englischen MG Rover Group ließen sich von dieser Mischung faszinieren, fehlte doch an der Spitze der Modellskala ein exklusives Produkt. Der Anspruch der Engländer lautet ja, "ganz besondere" Nischenprodukte zu bauen. Also legte man das "Projekt X 12" auf Kiel. Echtes Understatement Man entschied sich, den besonders sportlichen MG ZT 190 mit einem V8-Motor aufzurüsten. Schnell war klar, dass der serienmäßige Frontantrieb den Kräften einer leistungsstarken Maschine nicht gewachsen sein würde. Also baute man radikal die komplette Bodengruppe der großen MG-Baureihe auf Heckantrieb um. Zahlreiche Baugruppen des Fahrzeugs mußten massiv geändert werden, um den veränderten technischen Bedingungen Rechnung zu tragen. So halfen etwa hochentwickelte Modell-Animationen bei der Entwicklung einer völlig neuen Mehrlenker-Hinterachse und garantierten, dass der MG trotz der massiven technischen Veränderungen sämtlichen Sicherheitsstandards aller Märkte entspricht. Unter dem Blech gab es zahlreiche Modifikationen: da der große V8-Motor längs eingebaut wird, sind Modifikationen an der Spritzwand, den Innenraumbodengruppen sowie ein vergrößerter Getriebetunnel erforderlich. Zudem wandert die Batterie nach hinten in den Kofferraum. Um die modifizierte Karosserie mit den gleichen Qualitätsstandards wie jene der anderen Modelle fertigen zu können, installierte MG in Longbridge eigens eine weitere Fertigungsstraße neben der bereits existierenden. Vormontierte Limousinen und Kombis werden vom Band genommen und in aufwendiger Handarbeit mit den neuen Baugruppen versehen. Der großvolumige Motor und der Antriebsstrang für den Heckantrieb finden hier ihren neuen Platz, ohne dass die Karosserie äußerlich sichtbar verändert wird.
Kraft und Sound Als Triebwerk des MG ZT 260 dient der aus dem aktuellen Ford Mustang bekannte 4,6 Liter V8. Dieser Treibsatz wird beim amerikanischen Motorspezialisten Roush so modifiziert, dass er bestens zum gewünschten Charakter des ZT 260 passt. Ein neues Motormanagement, ein neuer Einlasstrakt, eine neue Auspuffanlage und ein neues Abgasreinigungssystem wurden entwickelt, um den europäischen Emissions-Anforderungen gerecht zu werden. Das Ergebnis ist ein Motor mit gutem Ansprechverhalten und ausgewogener Motorcharakteristik, der 260 PS sowie ein maximales Drehmoment von 410 Nm bei 3500 U/min bereitstellt. Besonders bemerkenswert ist die flache Drehmomentkurve: ab 1000 U/min stehen schon 320 Nm zur Verfügung. Trotz der eher einfachen Konstruktion des Zweiventilers liefert das Triebwerk Leistung im Überfluss. Die Antriebseinheit ist mit zwei konventionellen Lagern sowie zwei schwingungsdämpfenden Hydrolagern aufgehängt. Wie der Motor hat auch das Getriebe des neuen ZT 260 seine Wurzeln im Mustang. Es handelt sich um ein manuelles Fünfganggetriebe von Tremec, das umfangreichen Modifikationen unterzogen wurde, um den europäisch geprägten Anforderungen von MG gerecht zu werden. Sowohl der Schaltmechanismus als auch die hydraulische Kupplungsbetätigung wurden von MG entwickelt, um ein gute Präzision beim Schalten sicherzustellen. An der Hinterachse kommt ein Dana-Hydratrak-Differenzialgetriebe mit Schlupfbegrenzung zum Einsatz: sobald sich ein relevanter Unterschied zwischen den Raddrehzahlen der Antriebsräder ergibt, regelt es automatisch die kontinuierliche Abgabe des Drehmoments an beide Hinterräder. Die Auspuffanlage verläuft zweigeteilt nahezu über die gesamte Länge des Fahrzeugs und mündet in vier Endrohren. Außerhalb des Fahrzeugs läßt der MG ZT 260 klassisches V8-Grollen hören. Solange man nicht das volle Leistungspotential abruft, herrscht im Innenraum dezente Stille. Aber ab 4000 U/min entsteht eine angenehm-aggressive Symphonie mechanischer Geräusche, die süchtig machen kann. Handlichkeit und Traktion Die Lenkung und das Fahrwerk wurden ebenfalls der höheren Leistung angepaßt. Vor allem der Optimierung des Heckantriebs-Handlings wurde intensive Arbeit gewidmet, um bei allen Fahrbedingungen eine sportliche und zugleich kontrollierbare Leistungsabgabe sicherzustellen.
Neben einer modifizierten Zahnstange erhielt die Servolenkung eine größeren Pumpe, um eine hohe Lenkpräzision sowie eine exakte Rückmeldung ans Lederlenkrad zu erreichen. Auch die McPherson-Aufhängungen an der Vorderachse wurden der höheren Leistung angepaßt. Lineare Eibach-Federn sorgen im Zusammenspiel mit einem großen Stabilisator sowie Federbeinen mit Bilstein Einrohr-Stoßdämpfern für ein exaktes Ein- und Ausfedern der Räder. Der großvolumige Kolbenbereich der Bilsteins gewährleistet ein sensibles Ansprechverhalten und einen präzisen Radsturz. Ein neu entwickelter Fahrschemel verleiht dem Chassis mehr Fahrstabilität und dient gleichzeitig als eines der Kernelemente zur Energieabsorbierung im Falle eines Aufpralls. Die Mehrlenkerhinterachse ist eine Neukonstruktion. Ein sechsfach aufgehängter Hilfsrahmen nimmt das Differenzial auf. Jedes Rad ist an drei Querlenkern zwei aus Stahl und einem aus Leichtmetall sowie einem Längslenker aus einer Leichtmetall-Legierung aufgehängt. Zusammen mit den progressiv gewickelten Eibach-Federn sorgen Bilstein Einrohr-Stoßdämpfer für die Führung der Hinterräder. Ein neuer Stabilisator dient zur Reduktion der Wankneigung. Alle V 8-MG ZT stehen auf 18 Zoll Leichtmetallräder und Contisport Reifen in der Dimension 225/45 ZR18. Das Zweikreisbrems-System weist sowohl an den Vorder- und Hinterräder innenbelüftete Bremsscheiben auf. Vorn verzögern 325 Millimeter große Scheiben mit Schwimmsätteln, hinten kommen 332 Millimeter große AP-Racing-Scheiben mit Leichtmetall-Festsattel-Bremszangen zum Einsatz. Blaues Licht und stilvolle Ausstattung Das Interieur des ZT 260 ähnelt dem der anderen ZT Typen, ein diskretes V8 Logo an der Armaturentafel weist jedoch auf die Motorisierung hin. Mit gutem Gespür für Material-Qualität und -Gestaltung ist der Innenraum des Rover ausgestattet. Bequeme Ledersitze, dicke Teppiche und ein gut komponierter Materialmix für die Innenverkleidungen sorgen für Wohnlichkeit und eine gediegene Atmosphäre. Die Instrumente und Schalter sind griffgünstig und logisch platziert, ein Lederlenkrad und der mit Aluminium-Applikationen versehene Schalthebel sorgen für eine angenehme Schnittstelle. Blau beleuchtete, ovale Instrumente erhellen nachts das Cockpit. Neben einem neuen Klimatisiserungssystem zählen schwarzes Leder, ein Satellitennavigationssystem, ein Teletext-TV-Tuner und eine elektronische Einparkhilfe zu den Features, die im MG-Spitzenmodell angeboten werden. Die wichtigsten Bedienfunktionen Lenkung, Kupplung und Schaltung wurden modifiziert, um der enormen Kraftentfaltung gerecht zu werden. In einer Mulde im Gepäckraum befinden sich neben der Batterie auch der zum Serienumfang gehörende CD-Wechsler.
Spaß und Leidenschaft Rob Oldaker, Leiter der MG Rover Produktentwicklung, hat recht, wenn er sagt: Der MG ZT 260 V8 unterstreicht unseren Anspruch, rassige und charaktervolle Automobile anzubieten. Er ist eine echte Fahrmaschine. Unsere Entscheidung für ein großvolumiges, druckvolles Triebwerk zahlte sich aus, denn dieser Motor macht den ZT 260 zu einem überaus starken und schnellen Automobil für Überlandfahrten. Je länger Sie ihn fahren, umso mehr werden Sie seinen einzigartigen Muscle-Car-Charakter schätzen. Denn genau da liegt das Geheimnis des ZT 260: Kaum länger als ein Dreier-BMW und mit nur 190 kg Mehrgewicht, die fast vollständig auf den großvolumigen Antrieb gehen, bietet der MG ultimativen Fahrspaß. Man erhält ein überaus individuelles Auto, dass mittels einer Vielzahl von Farbtönen und Ausstattungen dem persönlichen Geschmack angepaßt werden kann. Zwei Karosserievarianten stehen zur Verfügung: die Limousine ZT 260 und das Kombi ZT-T 260. Ob man mit dem etwas deplatziert wirkenden Heckspoiler der Limousine leben kann ist Geschmackssache. Der dezente Kombi hat jedenfalls das Zeug zum Klassiker. Soviel Persönlichkeit ist mit Preisen ab 45.700 Euro nicht überbezahlt, zumal ein relativ großes Händlernetz und die Kompetenz eines Herstellers mit nennenswerten Produktionszahlen den Kauf zu einem kalkulierbaren Experiment werden lassen.
(Fotos: MG Rover / Rainer Roßbach )
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