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Festival of Speed: Jubiläensammlung
17.07.2004
Goodwood hat sich inzwischen zur größten Veranstaltung im historischen Motorsport entwickelt. Nachdem man im letzten Jahr, zum zehnjährigen Jubiläum der Veranstaltung, alle Höhepunkt der Dekade zusammengebracht hatte, wurde dieses Jahr wieder "Business as usual" praktiziert. Das Ergebnis war allerdings kaum weniger interessant. Der Schwerpunkt dieses Jahres lag auf "100 Jahre Rolls-Royce" und der Nachbar, der nur wenige Kilometer vom Schlosspark seine aktuellen Phantom-Limousinen baut, zeigte alles, was in seiner Geschichte zum besonderen Ruhm der Marke beigetragen hat. Zentraler Blickfang war eine Skulptur von Gerry Judah, die drei der berühmtesten, mit Rolls-Royce-Motoren ausgestatteten Weltrekordfahrzeuge eindrucksvoll präsentierte: Sir Malcolm Campbells Bluebird von 1935 aus der Daytona International Speedway Sammlung, 'Batchy' Atcherleys Supermarine S6/6A 'N248' Wasserflugzeug, mit dem die legendäre "Schneider Trophy" endgültig nach England geholt wurde, und eine perfekte Reproduktion von Cambells Bluebird K4 Boot. Aus der Zusammenstellung wichtiger und schöner Modelle der Rolls-Royce-Autogeschichte stach natürlich der einzig wahre "Silver Ghost" hervor. Perfekt bis ins kleinste Detail zeigte der Wagen, warum RR zu dieser Zeit als das beste Auto der Welt galt.
Wie in jedem Jahr gliederten sich die verschiedenen Fahrzeuggruppen nach Themen, für den das eine oder andere Jubiläum die Grundlage bildete. So wurden 100 Jahre Vanderbuilt-Cup, 60 Jahre SCCA und 40 Jahre Ford Mustang in der Klasse "American Road Racing" gefeiert, 25 Jahre Paris-Dakkar brachte die Wüste in den Park und 75 Jahre Monaco GP vereinte John Surtees wieder mit den Ferrari 158, mit dem er 1964 den Weltmeistertitel errang. Eine Sonderaustellung zeigte wieder ganz besondere Schätze, einer davon, eine Mischung aus Jensen, E-Type und Ferrari, war der Intermeccanica Apollo GT, der italienische und englische Stilelemente mit amerikanischer Antriebstechik mischt. Von diesem Fahrzeug mit Buick-Komponenten wurden zwischen 1961 und 1965 90 Coupés und 11 Cabriolets von International Motor Cars in San Francisco gebaut. Intermeccanica hatte das Fahrzeug in deren Auftrag entwickelt, der Entwurf stammt von Franco Scaglione nach Zeichnungen von Ron Plescia. Damit Cunningham mit seinen Rennwagen für internationale Großveranstaltungen wie Le Mans zugelassen werden konnte, musste er sich als Automobilhersteller beweisen. Das tat er 1953 mit dem Cunningham C3 Continental, zu seiner Zeit das teuerste amerikanischen Serienauto. Entsprechend klein war auch die Serie, nur 27 dieser Autos mit Vignale-Karrossiere und Chrysler-Technik wurden gebaut. Eines davon war einer der Höhepunkte der Ausstellung. Ein weiterer Vertreter der US-Exoten war die Straßenversion des Dodge Chargers, jenes Coupés, das mit einem aerodynamischen Vorbau an der Front und einem riesigen Flügel auf dem Kofferraumdeckel zur Basis eines Seriensieger in der NASCAR-Serie gemacht wurde.
Mercedes-Benz ist traditionell stark vertreten. In diesem Jahr brachte man zwei W196, davon einen mit Stromlinien-Karrosserie und einen W154, den der auch sonst an diesem Wochenende viel beschäftigte John Surtees mit offensichtlichem Spaß den Hügel hinauf trieb. In einer eigenen Ausstellung präsentierte man die Pläne für die Gestaltung des historischen Brooklands-Geländes, auf dem ein Fahrsicherheitszentrum und ein Museum entstehen sollen. Um die englischen Gemüter zu beruhigen, wurde sehr stark auf die Verbundenheit von Mercedes-Benz mit der historischen Rennstrecke verwiesen. Schon am Tage ihrer Eröffnung konnte ein Benz-Rennwagen dort den ersten Sieg einfahren. Porsche hatte neben dem Siegerwagen der Targa Florio 1969 , einem 908/2, und einem 908/3 die ganze Palette der Paris-Dakar-911 und -959 nach Goodwood gebracht. Ergänzt wurde diese Sammlung durch einen wunderschönen 917K in der Spezifikation von 1970 und Gulf-Lackierung und den berühmten 1970er 917LH mit psychedelischer Bemalung. BMW brachte natürlich das 328 Mille Miglia Coupé und einen perfekt restaurieren 2002 in Rallye-Spezifikation. Der Wagen, ursprünglich von Rauno Altonen gefahren, ist das Schwesterfahrzeug des Autos, mit denen Achim Warmbold und Jean Todt die kurze Rallye-Geschichte von BMW 1972 mit einem Sieg in einem Weltmeisterschaftslauf krönten, und dem BMW 3.0 CSL von Dieter Quester. Bei den Motorrädern stand Paris-Dakar im Mittelpunkt. Überhaupt bildete das Wüstenrennen, das dieses Jahr sein 25-jähriges Jubiläum feierte, einen Schwerpunkt dieser Veranstaltung. Auch Peugeot hatte eines seiner Siegerfahrzeuge dabei und einige LKWs mit Wüstenerfahrung versuchten sich an der Bergrennstrecke.
Japan war vertreten durch Hondas ersten Formel 1, durch den Shelby Toyota 2000GT, der 1968 in der SCCA-Serie den 2. und 3. Platz im Gesamtklassement belegte und durch den Kojima K007, mit dem Masahiro Hasemi bei seinem einzigen Ensatz im Japan-Grand-Prix von 1976 die schnellste Runde des Rennens drehte. Goodwood ist das Spielfeld für Exoten. Es gibt kaum einen anderen Platz im historischen Motorsport, wo so viele außergewöhnliche und exzentrische Fahrzeuge zu sehen sind. Typische Vertreter dieser Kategorie waren der Maybach I aus Australien und der "Old Yellar" aus den USA. Der Maybach entstand aus einem alten Flugzeugtank und einem Maybach-Panzermotor. In dieser Kombination ergab das ein Rennfahrzeug, daß in Australien und Neuseeland 1950 Erfolge gegen professionelle Produkte der europäischen Autoindustrie herausfahren konnte. Bilder von "Old Yellar" findet man in fast jedem Buch über Sportwagenrennen in den USA. Max Balchowsky hatte den Wagen im Patchworkdesign aus vielen verschiedenen Einzelkomponenten zusammengebraten und mit nur $1482,76 ein wettbewerbsfähiges Fahrzeug gebaut, daß in den Händen von Dan Gurney. Caroll Shelby oder Bob Bondurant immer für vordere Plätze gut war. "Old Yellar" ist ein Musterbeispiel für die Maxime "Form follows Function". Optisch nicht sehr beeindruckend, hatte sein Konstrukteur in einer Zeit, wo die Autos noch nicht als Werbeträger herhalten und daher mit perfektem Finish antreten mussten, keine besondere Mühe auf die Blech- und Lackqualität gelegt. Das dieses Fahrzeug in den USA nicht überrestauriert wurde, sondern genauso antrat, wie es in den Fünfzigern gebaut wurde, ist ungewöhnlich.
(Text: Dieter Roßbach )
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