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Aktualisiert am 31.12.2011
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Fiat 850: Kleine Strolche

07.09.2004

Fiat 850 Special
Der 850 Special wurde zwischen 1968 und 1971 gebaut - die kleine Limousine war in ganz Europa ein großer Erfolg

Kleine, pfiffige und preiswerte Autos waren schon immer eine Stärke von Fiat. So kann der aktuelle Panda auf eine lange Reihe populärer Vorgänger zurückblicken. Der unvergessene "Topolino" aus den 30er Jahren, offiziell 500 genannt, zählt ebenso zu ihnen wie Cinquecento und Seicento, die italienischen Pendants zum VW Käfer. Ein weiterer erfolgreicher Kompaktwagen aus Turin feiert dieses Jahr 40. Geburtstag: Im Mai 1964 erschien die Baureihe 850, zunächst als Limousine, ein Jahr später erschienen ein Coupé und der Spider.

Der Zeitgeist verlangt Heckmotoren

In den 60er Jahre waren, nicht zuletzt durch den Erfolg des Volkswagens, auch in Italien Heckmotoren populär. So trugen der Cinquecento und der Seicento den Motor im Rücken und auch bei der Konzeption des 850 hielt Fiats Chefkonstrukteur Dr. Dante Giacosa an dieser Bauweise fest. Denn obwohl der 850 deutlich größer war als seine Vorgänger stammte er technisch jedoch direkt von ihnen ab.

Auf 2.027 Millimeter Radstand kam die nüchtern gezeichnete Limousine auf 3.575 mm Länge. Im Innenraum bot sie Platz für zwei Erwachsene und drei Kinder; unter der vorderen Haube lag ein ansehnlicher Gepäckraum, der auch das Ersatzrad beherbergte. Damais wurde als Fortschritt empfunden. dass die hinten angeschlagenen "Selbsmördertüren" durch vorne befestigte ersetzt wurden.

Im Heck arbeitete ein alter Bekannter: der längs montierte 843 cm3 -Vierzylinder leistete 25 kW (34 PS) bei 5.000 U/min und aktivierte bei 2.800 Touren Drehmoment von 51 Nm. Eine seitlich liegende Nockenwelle steuerte die Ventile über Kipphebel, ein Solex-Fallstromvergaser bereitete das Gemisch auf. Mit einem Gewicht von 670 Kilogramm erreichte der Fiat 850 rund 120 km/h Spitze, die 27 kW (37 PS) starke "850 Super"-Version konnte alles noch etwas besser.

Fiat 850 Coupe
Dieses 1965er Coupé trägt im Gesicht ein rundes Fiat-Logo, das auf einer horizontalen Chromleiste sitzt

1966 wurde die Halbautomatik "Idroconvert" eingeführt, 1968 folgte der "Special", der mit einem strafferen Fahrwerk und mit dem Motor des Coupés ausgestattet war. Doppelvergaser von Weber, eine "scharfe" Nockenwelle, eine Verdichtung von 9,3:1 und ein Sport-Auspuffkrümmer sorgten für agile Leistungen. Der kleine Vierzylinder entwickelte nun 35 kW (47 PS), die bei beachtlichen 6.200 U/min anlagen. Bei 4.000 Umdrehungen standen 59 Nm Drehmoment parat: die spezifische Leistung von 55,7 PS war recht hoch für die 60er Jahre. Der 850 "Special" hatte 13-Zoll-Felgen als Bereifung und vorne Scheibenbremsen.

Aber es ging noch besser. Carlo Abarth, der italienische Tuningkönig mit Wiener Herkunft, implantierte der Berlina einen 1,6-Liter-Motor - 155 PS bedeuteten 211 km/h Höchstgeschwindigkeit. Das Fahrwerk tat was es konnte: Vorn waren Querlenker und eine Querblattfeder am Werk, im Heck führten Schräglenker die Räder einzeln. Teleskopstoßdämpfer hielten die Schwingungen an allen vier Rädern in Grenzen.

Fiat 850 Coupé: Demokratisierung des Sportwagens

Da die Berlina überaus erfolgreich war, schob Giacosa weitere Modelle nach. 1965 erschien das 850 Coupé, ein Zwei-plus-Zwei-Sitzer, der 33 mm länger geriet als die Limousine. Die Designlinie war überaus attraktiv. Im Cockpit gab es statt eines Bandtachos zwei Rundinstrumente sowie ein Sportlenkrad mit zwei Metallspeichen. Fahrer und Beifahrer nahmen auf Sportsitzen Platz. Mit dem 47-PS-Motor schwang sich der kleine Sportwagen zu 134,6 km/h Höchstgeschwindigkeit auf. Lob erfuhren vor allem die leichte Bedienbarkeit sowie das Temperament auf kurvenreichen Landstraßen. Mit der hecklastigen Gewichtsverteilung hatte man damals, dank reichlicher Erfahrung mit dem VW-Käfer, weniger Probleme.

Schön für die Ewigkeit: der Fiat 850 Spider

Fiat 850 Sport Spider
Auch die zweite Serie des Sport Spider, zu erkennen an den senkrecht stehenden Frontlampen, ist immer noch ein echter Hingucker

Auf dem Genfer Salon im Frühjahr 1965 feierte das dritte Mitglied der Modellfamilie Premiere. Bei Bertone war ein Design entstanden, das heute schon als klassisch gilt. Giorgetto Giugiaro schuf für das traditionsreiche Designbüro eine Linie von sparsamster Leichtigkeit.

Die gestreckte Silhouette mit dem eleganten Hüftschwung und der scharfen Abrisskante am Heck, das einfach bedienbare, unter einer Blechklappe versenkbare Stoffverdeck, die tief montierten Sportsitze und das liebevoll eingerichtete Cockpit mit den Kippschaltern und seiner ganzen Batterie an Anzeigen machten den Fiat 850 Spider zu einem Ferrari des kleinen Manns.

Mit einem Verkaufspreis von 7.150 Mark in Deutschland war der Traum erschwinglich, was sich denn auch in guten Verkaufzahlen ausdrückte. Mit der Berlina hatte der Spider nur noch den Antrieb, die Achsen und den Radstand gemeinsam - als reiner Zweisitzer konzipiert maß er mit seinen üppigen Überhängen 3.782 mm in der Länge, aber nur 1.220 mm in der Höhe.

Vor allem die Fahrleistungen waren attraktiv: Dank seiner aniedrigen Stirnfläche und einem Gewicht von nur 725 kg lief der Spider bis zu 152 km/h schell. Dafür reichten 49 PS; gegenüber dem Coupé hatten die Techniker mit einer Nockenwelle mit schärferen Steuerzeiten noch einmal zwei PS gefunden. Die Charakteristik war drehfreudig: Die maximal 57 Nm Drehmoment lagen erst bei 4.400 U/min an, die Höchstdrehzahl lag bei 7.000 Touren. Im Schnitt konsumierte der Spider 8,9 Litern Super auf 100 Kilometer und für den Winterbetrieb war ein 10 Kilogramm schweres Hardtop lieferbar.

Fiat 850 Familiale
Diese Version des 850er Transporters mit Doppelscheinwerfern war sogar in Italien selten anzutreffen – in Deutschland war selbst das Basismodell ein absoluter Exot

1968 erhielten der Spider und das Coupé ein Facelift sowie einen neuen, 52 PS starken Motor. Der Vierzylinder war durch Verlängerung des Hubraums auf 903 cm3 gewachsen und hatte dadurch etwas an Drehmoment zugelegt. Abarth legte noch eine Schaufel nach: er montierte einen Zweiliter-Motor mit 185 PS in das Coupé, dem 240 km/h Höchstgeschwindigkeit nachsagt wurden.

Als 1971 die neue 127-Baureihe erschien, lief die 850-Familie allmählich aus - zuerst war Schluss für das Coupé, dann für die Limousine und zuletzt für den Spider. Nicht vergessen sollte man die kleinen bis zu achtsitzigen Busse, die als Lastesel in allen Bereichen der italienischen Wirtschaft schufteten. Von diesen gab es sogar noblere Brüder, die mit dem Namen "Panorama" und einer komfortableren Innenausstattung so etwas wie die Vorläufer der heutigen Minivans sind. Eine Weile rollte die Limousine als Seat 133 noch in Spanien vom Band. 2,3 Millionen Exemplare wurden insgesamt gebaut und die sportlichen Varianten hatten sogar in den USA großen Erfolg. Die kleinen Fiats waren eben echte Erfolgsmodelle.

(Text: Rainer Roßbach )
(Fotos: Fiat )

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