Prova Logo
 
Inhalt
Magazin
Neues aus der Industrie
Neue Bücher
Nissan PIVO3
Audi R8 LMS ultra
Mercedes 190 E Evo II
Ford GT90
Renault 5
Alpine A 106
BMW i3 Concept
Land Rover DC100 Sport
Cadillac Ciel
e-Opel
Citroën Tubik
smart fortwo electric drive
Lister Monzanapolis
Chevrolet Miray Concept
Hispano Suiza Xenia
Fahrberichte
Lancia Thema
Mercedes Benz B 200
Fiat Freemont
Lexus CT200h
Ford Galaxy Titanium
Kultur : Unterwegs
Art und Cars bei Mercedes
Porsche Sonderausstellung
Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
Ol' Yaller: Heimarbeit

27.10.2004

Ol' Yaller
Gewöhnungsbedürftige Optik: Weißwandreifen sind nicht das, was man an einem potenten Rennewagen erwartet

Ende der fünfziger Jahre dominierten die Produkte europäischer Sportwagenmanufakturen den amerikanischen Rennsport. Als einer von einer Handvoll unabhängiger amerikanischer Konstrukteure, nahm Max Balchowsky aus Los Angeles die Herausforderung an. Seine "Ol' Yaller" genannten Rennwagen waren nach zwei völlig unterschiedlichen Quellen benannt. Auf der einen Seite nach dem 1957 erschienenen Disney-Film Old Yeller, der andere Namensgeber war Ted, Balchowskys Golden Retriever. Balchowskys Hinterhof-Renner sahen ziemlich zusammengeflickt aus. Aber mit ihrem Buick V8 unter der Haube lehrten sie Ferraris, Jaguar D-Types, Scarabs und Maserati Respekt. Vor allem die gute Straßenlage und ein brachiales Drehmoment machten die Ol' Yaller extrem konkurrenzfähig.

Max Balchowskys Rennfahrerschule waren die Straßen der südkalifornischen Metropole. Seine erste Konstruktion war ein Studebaker, der für Strassenrennen aufgebaut war, gefolgt von einem 1932er Ford Hot Rod.

Als er den ersten Ol' Yaller auf die Räder stellte, waren Balchowskys Mittel äußerst begrenzt: Er hatte seine Garage, seine Frau und die Hilfe von ein paar Freunden. Aber er wusste, wo er Material locker machen konnte. Er baute die Karosserie mit allem auf, was ihm in die Hände kam: Firmenschilder, Metallabfälle und Milchkannen. Diese wurden dann mit dem Hammer über einer Öltonne in Form gebracht. Er verwandte Weißwand-Reifen von Good Year, die von der Firma zurückgerufen wurden, weil sie als zu weich für den Einsatz auf den Highways angesehen wurden. Balchowsky fand sie genau richtig für den Renneinsatz.

Die feine Konkurrenz aus Europa wurde auf Anhängern zu den Rennen gebracht. Zu teuer für Max: Ol' Yaller war für den Straßenbetrieb zugelassen und kam per Achse. Die Zulassung hatte zudem den Vorteil, dass die südkalifornischen Schnellstraßen als Teststrecke dienen konnten.

Ol' Yaller
Das "Schnittmuster" für die Karosserieteile des Ol' Yaller zeichnete Max Balchowsky auf den Boden seiner Garage

Als er begann, sein Rennauto zu bauen, war das erste Werkzeug, das er in die Hand nahm, ein Besenstiel, mit dem er seine Garage sauber fegte. Auf dem Boden zeichnete er dann mit Kreide den Entwurf des Autos. Das war recht exzentrisch, funktionierte aber, weil Balchowsky den Plan seines Renners sehr genau im Kopf hatte.

Die 401-Cubic Inch "Naillhead"-Maschine basierte auf Buicks Serien-V8. Der Spitzname kam von der Auslegung des Ventiltriebs. Die Ventile waren stehend angebracht und mit horizontalen Einlässen versehen. Was den Motor so besonders machte waren seine flachen Brennräume und die gewölbten Kolben. Nachdem Max Balchowsky seine Modifikationen vorgenommen hatte, drehte der V8 bis 7200 U/min. Zur Gemischversorgung war die Maschine mit sechs Stromberg-Vergasern bestückt, die Kraftübertragung an die Studebaker-Hinterachse besorgte ein kurz übersetztes Jaguar-Sportgetriebe.

"Die Maschine fand ich interessant, weil niemand daran glaubte, dass sie wirklich gut sei", sagte Balchowsky. "Ich testete sie zuerst in einem 53er Mercedes und sie entwickelte so viel Kraft, dass der Vorderwagen vom Boden abhob".

Ol' Yaller
Der Buick V8 liefert ein gewaltiges Drehmoment

Das Chassis war der gleiche Mischmasch wie die Karosserie. Ol' Yaller II hatte eine Morris Minor-Lenkung und Pontiac-Aufhängungen. Da der Buick V8, der aus Günden der Gewichtsverteilung weit hinten montiert war, sehr heiß wurde, besorgte er sich Lincoln-Kühler der Baujahre 1949-51 vom Schrottplatz. Auch die Bremsen dieser Autos fanden Verwendung. Um die Aufbauten an den Boxen leicht entfernen zu können, waren sie mit Schnellverschlüssen befestigt.

"Das erste Rennen, das ich fuhr war Dezember 1959 in Palm Springs, und ich gewann es. Genau wie das zweite Rennen im darauffolgenden Februar in Ponoma", erzählte Balchowsky.

Carol Shelby, der in Elkhart Lake mit Ol' Yaller II einen Rundenrekord aufstellte, beschrieb das Fahrerlebnis so: "Wer jemals ein gutes Dampf-Auto gefahren hat, hat ungefähr eine Vorstellung davon, was passierte, wenn man das Gaspedal von Ol 'Yaller niedertrat. Ich habe viele unterschiedliche Autos gefahren, aber das Drehmoment der Balchowsky Specials war einzigartig".

Dan Gurney, Bob Bondurant, Billy Krause und Bobby Drake saßen alle hinter dem Steuer von Balchowskys Kreation: Gurney markierte den Rundenrekord 1960 in Riverside, Drake gewann das Santa Monica-Rennen im Herbst des gleichen Jahres.

Ol' Yaller
Innen herrscht der puristische Stil der Fünfziger Jahre

Zu dieser Zeit gab es in Kalifornien eine Reihe von Flugplatz-Kursen. Die langen Geraden hätten Ol' Yaller II einen Vorteil gegenüber den europäischen Sportwagen verschaffen sollen, das war aber nicht der Fall. Aufgrund der kleinen Ventile war die Buick-Maschine nicht wirklich vollgasfest. Dieses Manko wurde jedoch teilweise durch das kurz übersetzte Getriebe ausgeglichen.

Die Karriere von Max Balchowskys Konstruktion erstreckte sich über die frühen sechziger Jahre. Erst das Aufkommen der Mittelmotorsportwagen beendete die Erfolge. Pläne für einen Mittelmotor-Rennwagen existierten, wurden aber nie realisiert. 1966 beendete Balchowsky seine Rennsportaktivitäten und begann Filmfahrzeuge zu bauen.

Der heutige Besitzer, Ernest Nagamatsu, war als Kind ständiger Gast in Balchowskys Garage. Später fand er die Gelegenheit, Ol' Yaller II zu kaufen. "Ich versuche, den Rennwagen so original wie möglich zu erhalten", sagt Nagamatsu, der bei historischen Rennen sogar die original Weißwandreifen verwendet.

Die Jahre haben dem rauen Charme von Ol' Yaller nichts anhaben können. Davon konnte man sich zuletzt beim Festival of Speed 2004 in Goodwood überzeugen.

(Text: Rainer Roßbach)
(Fotos: Rainer Roßbach)

Verwandte Themen:

Pfeil  Festival of Speed II: Menu Surprise - 2004

Pfeil  Festival of Speed: Jubiläensammlung - 2004

Pfeil  Festival of Speed: Rückblick über 10 erfolgreiche Jahre - 2003

Pfeil  Festival of Speed: Mercedes zum Hundersten - 2001

Zurück zur Startseite

Prova Gesamtarchiv
Archivsuche
ausführen Hilfe
Termine
Impressum / Kontakt
 Anzeigen
Anzeige Porsche 804-Buch
Anzeige Porsche 908-Buch
Anzeige Porsche 917-Buch
Suchen nach:
In Partnerschaft mit Amazon.de