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Ferrari F 430: Mehr Evolution statt Revolution
02.10.2004
Mit dem F430 präsentiert Ferrari den Nachfolger des 360 Modena. Hausschneider Pininfarina zeigt einen Mix aus weiterentwickelten Elementen des 360 sowie stilistischen Anleihen an den "Enzo". Die prägenden Design-Elemente orchestrieren Formen, die sich auf technische Prozesse beziehen: die Luftöffnungen zur Kühlung und Versorgung des Motors, die Aerodynamik, die strömungsoptimierte und Abtrieb erzeugende Form des Karosseriebodens. Im Gesamtklang sollen die entstandenen Formen die sportliche Aggressivität und Leistungskraft des Fahrzeugs unterstreichen. Die Frontpartie wird von zwei ellipsenförmigen Lufteinlässen beherrscht, über die die großen Kühler Luft aufnehmen. Ihre Form soll an den Ferrari 156 aus dem Jahr 1961 erinnern, mit dem "Taffy" von Trips seine letzten Siege einfuhr und der einer der grazilsten und elegantesten Formel 1-Rennwagen war. Angesichts der Dimensionen, die der "kleine" Ferrari mittlerweile angenommen hat und seiner unruhigen Eleganz ist die Verwandschaft eher weitläufig.
Die länglich gestalteten Leuchtengruppen sind dank "Bi-Xenon"-Technologie so kompakt, dass sich alle Funktionen in einer Einheit bündeln lassen. Bei eingeschalteten Scheinwerfern zeichnet das Standlicht die Form der Lampeneinheit nach und macht damit den F 430 auch nachts klar identifizierbar. Die vorderen ovalen Kühlöffnungen sind über einen kleinen Spoiler verbunden, der den Luftstrom zum flachen Unterboden leitet. Vor dem Vorderradlauf leitet eine große Lüftungsöffnung den Luftstrom vom Kühler an der Fahrzeugflanke entlang. Auf dem hinteren Kotflügel befinden sich die großen Einlässe für die Luftversorgung der beiden Zylinderbänke, an der Fahrzeugbasis, vor den Hinterrädern, gibt es weitere Öffnungen, die die Bremsen und den Ölkühler versorgen. Das Heck des F430 zitiert den Enzo: Die kleinen Rücklichter erheben sich dreidimensional aus der Karosserie. Der opulente Diffusor macht die Aerodynamik zum Blickfang und wird von zwei Doppelauspuffrohren flankiert. Neue 19"-Räder mit fünf Doppelspeichen und die von einer Doppelarmstütze gehaltenen Rückspiegel, von denen der an der Fahrerseite die Modellbezeichnung trägt, komplettieren das Design.
Bei der Innenausstattung dominieren Funktionalität und Schlichtheit. Das Cockpit, das aus Gründen der Funktionalität als einziges Interieur-Element in dunkler Farbe ausgeführt ist, soll wie ein schwebender Körper wirken. Die Bedienelemente wie Düsen, Heizungsschalter und Radio sind auf Karbonfaserapplikationen angebracht. Zentrales Element der Instrumentierung ist der Drehzahlmesser, der durch einen gelben Hintergrund und einen umlaufenden Metallring zusätzlich hervorgehoben ist. Das Lenkrad führt die wichtigsten Funktionen zur Fahrzeugsteuerung zusammen: Auf der Lenkradnabe ist der "Manettino" angebracht, der die wichtigsten Funktionen und Fahrprogramme integriert. Der Anlasserknopf befindet sich an der linken Seite des Lenkrads. Türpanels und Mitteltunnel sind schlicht und funktionell, die Sportsitze in Schalenausführung verbinden ein leichtes sportliches Design mit Fahrkomfort.
Herzstück des F430 ist natürlich die Mechanik, die ausgesprochen opulent wirkt. Unter einer großen Heckscheibe präsentiert sich ein Antriebsaggregat, das mit rotem Schrumpflack, Aluminiumkomponenten und schwarz lackiertem Metall wie ein Kunstwerk dargeboten wird. Der neu konstruierte 4,3 Liter-V8-Motor, dessen Zylinderreihen einen 90 Grad-Winkel aufweisen, entwickelt 490 PS, was einer Literleistung von 114 PS/Liter entspricht. Das maximale Drehmoment von 465 Nm liegt bei 5250 U/min an. Damit verfügt der 1450 kg wiegende Ferrari über ein sehr gutes Leistungsgewicht von 2,8 kg/PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt so in vier Sekunden und erst bei eindrucksvollen 315 km/h endet der Vortrieb. Geschaltet wird mit einem aus der F1 abgeleiteten Getriebe, bei dem die Gänge in bis zu 150 Tausendstelsekunden gewechselt werden und das mit einem elektronisch gesteuerten Differential zusammenarbeitet. Der F 460 präsentiert sich neu und vertraut. Die Sportwagen aus Maranello sind auch heute faszinierend, aber manchmal sehnt man die formale Vielfalt der Fünfziger und Sechziger Jahre herbei. Nach dem Paukenschlag des "Enzo" kehrt man hier beim Design wieder auf gewohntes Terrain zurück. Die Kombination einer weiterentwickelten 360 Modena-Front mit Enzo-Versatzstücken ist ein "Deja Vu", das echte Spannung vermissen läßt dem F 430 bleibt nur die Ausstrahlung eines Facelifts.
(Text: Rainer Roßbach )
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