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Saab 9-2X: Japan-Klon
10.11.2004
Die europäischen Marken von General Motors sind traditionell mit starken Persönlichkeiten ausgestattet. Seltsamerweise kann der amerikanische Mutterkonzern wenig damit anfangen: Opel wird in Zukunft vielleicht nur noch eine deutsche Markenhülle mit polnischen Produktionsstätten sein und Saab wird möglicherweise nur noch mit Derivaten anderer GM-Marken auf dem Markt erscheinen. Wohin dieses Badge-Engineering führen kann, läßt sich am Saab 9-2X, der vorerst nur auf dem nordamerikanischen Markt zu haben sein wird, betrachten. Entfernt man den Kühlergrill dieses "neuen" Modells, findet man einen reinrassigen Subaru Impreza. Die Seitenlinie und die betonte C-Säule sind dem japanischen Allrad-Kompaktwagen nahezu 1:1 entlehnt. Das ist kein Zufall, denn der 9-2X basiert auf der technischen Basis des Impreza und läuft bei Fuji-Industries in Fernost vom Band. Um Missverständnisse auszuräumen: Die japanischen Ingenieure machen sicherlich einen guten Job schwedische Autos zu bauen dürfte aber nicht zu ihren Stärken gehören. Die kompakte Baureihe ist von ihrem Wesen her ein reines Marketingprodukt: Die Saab-Vertriebsorganisation in den USA wollte ein sportliches Basisfahrzeug zu einem Einstiegspreis von unter 25.000,- US-Dollar. Zudem hatten Umfragen ergeben, dass bis zu 40 Prozent aller Amerikaner als nächstes Auto ein Fahrzeug mit Allradantrieb wollen. Deshalb mixt man verschiedene Zutaten aus dem Konzernbaukasten, läßt die Saab-Designer ein bißchen daran rumspielen und bekommt den ersten Saab mit permanentem Allradantrieb und einem Vierzylinder-Boxermotor.
Die Technik ist auf dem aktuellen Stand: Einzel-Radaufhängung und Bremsen mit Vierkanal-ABS und vier Sensoren sorgen für eine gute Kontrolle über das Fahrzeug. Ein 2,0-Liter-Motor mit zwei oben liegenden Nockenwellen, Turbolader und Ladeluftkühlung bringt bei 6.000 Umdrehungen pro Minute 227 PS auf die Straße und erntwickelt ein maximales Drehmoment von 294 Newtonmetern (Nm) bei 4.000 Umdrehungen pro Minute. Als Option gibt es einen 2,5 Liter-Saugmotor mit 165 PS Leistung bei 5.600 Umdrehungen und einem maximalen Drehmoment von 225 Nm bei 4.000 Umdrehungen pro Minute. Beide Varianten sind serienmäßig mit einem Fünfgang-Schaltgetriebe ausgerüstet; ein Viergang-Automatikgetriebe ist auf Wunsch erhältlich. Mit dem typischen Saab-Kühlergrill mit drei Öffnungen und den tief liegenden, horizontal betonten Scheinwerfern sowie einem Heckfenster, das dem Saab 9-5 Kombi entlehnt scheint, wird die japanische Basis kaschiert. Das muss ausreichen und möglicherweise ist es wirklich genug: Die angepeilte Zielgruppe ist laut Saab vor allem an Fahrspaß und Flexibilität interessiert. Und da bietet der 9-2X einiges. Ob Surfboard, Ski, Inline-Skates, Camping-Ausrüstung oder anderes Gerät - alles findet mühelos Platz. Das Transport-Volumen beläuft sich auf 790 Liter bei nicht umgeklappter Rückenlehne der hinteren Sitzbank beziehungsweise 1.744 Liter bei umgeklappter Rücksitzlehne. Eine im Verhältnis 60:40 teilbare umklappbare Rücksitzlehne ist bei allen 9-2X Modellen Serienausstattung; eine große Heckklappen-Öffnung sorgt ür eine gute Zugänglichkeit des Stauraums. Was auf der Strecke bleibt, ist die Persönlichkeit. Bestimmt wird der 9-2X mit dem Zündschlüssel auf der Mittelkonsole gestartet: Das macht ihn aber nur zum Adoptivkind. Ein vollwertiges Mitglied einer Familie von starken Charakteren wie dem 96 oder dem 900 Turbo wird er damit sicher nicht.
(Text: Rainer Roßbach )
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