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Corvette C6: Schlankheitskur
20.11.2004
Die sechste Generation des amerikanischen Sportwagen-Klassikers ist ganz neu und bewahrt doch den traditionellen technischen Stil der amerikanischen Sportwagen-Ikone. Im Gegensatz zum Trend, jede neue Fahrzeuggeneration voluminöser ausfallen zu lassen, sind die Abmessungen der Corvette kleiner geworden. Mit einer Gesamtlänge von 4435 mm und einer Breite von 1844 mm ist die Neuauflage 130 mm kürzer und 28 mm schmaler als die Vorgängerin. Der Radstand streckte sich jedoch um 28 mm. Damit bleibt der Platz im Innenraum gleich und der Laderaum faßt, was sonst, bis zu zwei Golftaschen. Auch beim Leergewicht wurde abgespeckt: Das Coupé wiegt 1.461 kg und das Cabrio, bedingt durch die bauarttypischen Verstärkungen, 1.508 kg. Diese Werte sind nicht schlecht und schlagen sich auch in einer hohen Spitzengeschwindigkeit von 300 km/h sowie in der Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 4,1 Sekunden nieder. Die hohe Endgeschwindigkeit ist aber auch das Ergebnis eines guten Luftwiderstandskoeffizienten von 0,28. Optisch ist die neue Corvette auch mit ihren schärferen Kanten und der akzentuierten Form als typisches Familienmitglied zu erkennen. Ein Schlüsselmerkmal des C6-Design ist der klassische "Eierschachtel"-Kühlergrill, der den "Vetten" der 50er Jahre abgeguckt wurde. In Kombination mit feststehenden HID-Xenon-Abblendlichtern und Halogen-Fernlichtscheinwerfern soll so ein stärkerer "Gesichtsausdruck" entstehen. Die vorderen Kotflügel sind jetzt runder und schärfer definiert und liegen um 10 mm höher. Kombiniert mit einem verkürzten Frontüberhang, tragen die Kotflügel so ihrerseits zu einem strafferen Aussehen bei, während die gewohnt puristische Form des Hecks den verkürzten Hecküberhang betont. Die vier runden Rücklichter finden einen formalen Widerhall in vier runden Auspuffrohren, die in den Heckdiffusor integriert sind. 18 Zoll-Räder vorne und19 Zoll-Räder hinten in einem schlanken Fünfspeichen-Design unterstreichen das dynamische Potential der amerikanischen Sportwagen-Ikone. Denn Leistungsmangel gibt es nicht. Der neue 6.0-Liter Smallblock-V8 liefert 404 PS mit einem Drehmoment von 546 Nm an die Kurbelwelle. Das sind 50 PS mehr als als bisher. Die Bohrung des vollständig neuen Aluminiumblocks wurde auf 101,6 mm vergrößert, wodurch der Hubraum auf 6,0 Liter wuchs. Auch die Verdichtung wurde auf 10,9:1 erhöht und der "rote Bereich" des Drehzahlmessers beginnt jetzt erst bei 6.500 U/min.
Die Corvette C6 wird mit einem Sechsganggetriebe geschaltet, das beim Z51 Sportpaket mit neuer Getriebeabstufung angeboten wird. Dank zahlreicher Verbesserungen, unter anderem neuer Synchroneinrichtungen, die den Schaltweg um 10 Prozent verkürzen und einem neu gestalteten Schalthebel, wurde nun auch das Schaltverhalten des Tremec-Getriebes wesentlich verbessert. Als Überhitzungsschutz bei dauerndem Hochgeschwindigkeits-Betrieb wurde ein Vierplatten-Ölkühler eingebaut. Das Getriebe wird in zwei unterschiedlichen Konfigurationen eingebaut, wobei die sportlichere Version dem Z51-Paket vorbehalten bleibt. Optional kann man ein Automatikgetriebe bekommen, das für das nun höhere Drehmoment des Motors verstärkt wurde und automatisch den für jeden Fahrzustand optimalen Gang wählt. Getragen wird die Corvette von einer leichten, hydrogeformten Zentralträgerrahmenstruktur und Kernverbund-Böden. Mit der Vorgängerin teilt sich die C6 einen ummantelten Mitteltunnel, ein hinten liegendes Getriebe und die Cockpitstruktur aus Aluminium. Allerdings weist das neue Modell Verbesserungen auf. So konnte beispielsweise trotz höheren Gewichts bei Felgen und Reifen, den robusteren Bremsen und einer verbesserten Karosserieakustik das Gesamtgewicht des Fahrzeugs verringert werden. Zudem konnte der Fahrkomfort gesteigert werden. Die Aufhängung besteht wiederum aus unabhängigen Kurz-Lang-Arm- und Querblattfedern, die jedoch völlig neu konstruiert wurden. Drei dynamische Fahrwerkkontrollsysteme - Antiblockiersystem, Antriebsschlupfregelung und Active Handling - bieten das klassentypische Sicherheitsnetz. Die verbesserte Radaufhängung und Lenkungsgeometrie, neue Verbundstoffe für die Reifen, neue Laufrichtungs-Steuerarmbuchsen, ein vergrößerter Nachlaufwinkel und der verlängerte Achshub resultieren in einem leistungsfähigen Fahrzeug, das leichter zu fahren ist und besseres Beschleunigungsverhalten, bessere Karosseriestabilität, geringere Fahrgeräusche und bessere Traktion in den Kurven vorzuweisen hat.
Neben dem Standardfahrwerk bieten die Amerikaner optional die sogenannte "F55 Magnetic Selective Ride Control" die über Dämpfer verfügt, die die Beschaffenheit der Straßenoberfläche erkennen und die Dämpfungsrate sekundenschnell auf den entsprechenden Straßenbelag einstellen. Reifen des Typs Goodyear Extended Mobility Tires (EMT) bieten eine neuartige Seitenwandkonstruktion und damit verbesserte Notlaufeigenschaften. Verbesserte Technologien kamen auch beim Karosserie-Design zum Einsatz: Neben verbesserten Abtriebseigenschaften konnten deshalb auch die Silhouette und die Oberflächen so schlank und glatt wie möglich gehalten werden. Ein schlüsselloses Zugangssystem ersetzt beispielsweise die traditionellen Griffe an den Türen und der Heckklappe durch Magnetventile und einen elektronischen Stellantrieb. Das abnehmbare Dach, das in den Kofferraum abgesenkt werden kann, ist um 15 Prozent länger als bei den Vorgängermodellen, wiegt aber nur 450 g mehr. Serienmäßig wird es in Wagenfarbe geliefert, optional ist es aber auch in transparanter Ausführung erhältlich. Das fünflagige Stoff-Verdeck des Cabrios kann jetzt, zum erstenmal seit 1962, elektronisch geöffnet werden.
Bei der Innenausstattung wurde das gewohnte symmetrisch-duale Cockpitdesign mit verbesserten Werkstoffen, hochwertiger Verarbeitung und besserer Funktionalität neu angerichtet. Neue, zweischichtige Verbundsitzrahmen verbessern den Komfort glänzendere, weichere Lederoberflächen bieten ein angenehmeres Ambiente. Zu den technologischen Neuerungen zählen ein schlüsselloses Zugangssystem, das auf Knopfdruck die Türen öffnet und den Start des Fahrzeugs ermöglicht. Ein MP3-fähiges AM/FM-Radio mit CD-Player ist Serienausstattung, die Antenne ist in das Glas der Windschutzscheibe integriert und verbessert den Radioempfang. Auf Wunsch wird ein DVD-Navigationssystem eingebaut. Technisches Highlight ist ein menügesteuertes Projektionsdisplay, das im Blickwinkel des Fahrers auf die Windschutzscheibe projeziert wird. So kann sich der Pilot auf das Fahren konzentrieren, während er gleichzeitig die Geschwindigkeit und andere wichtige Fahrzeuginformationen überwacht. Ohne Spielereien kommt das System allerdings nicht aus: Zwei Einstellungen für Straße und Rennstrecke sind vorprogrammiert und zeigen die für die jeweilige Situation relevanten Informationen, inklusive G-Kräfte an. Das Corvette C6 Coupé wird seit Sommer 2004 gebaut; das Cabrio folgt jetzt im Herbst. Der Verkauf des Coupés in Europa startet im November 2004.
(Text: Rainer Roßbach )
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