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Aktualisiert am 31.12.2011
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BMW Einser: eins plus

01.07.2004

pfeil  Technische Daten  

BMW Einser
Schlitzaugen, eine asymetrisch geformte Niere und ein großer Lufteinlaß sorgen für Überholprestige

Der neue kompakte BMW Einser ist weniger ein Mitglied der "Golf-Klasse" sondern ein später Nachfahr des ersten Touring auf Basis der populären 02er-Serie aus den frühen Siebziger Jahren. Dieser hatte alle Merkmale, die den neuen kompakten BMW auszeichnen: Einzeln umlegbare Rücksitze und eine ebene Ladefläche, die über eine Heckklappe zu erreichen war, machten das von 1971 bis 1974 gebaute "Kombi-Coupé" zu einem vielseitigen und gleichzeitig sportlichen Fahrzeug. Damit tritt der Einser ein schweres Erbe an, denn er wird sich wohl am alten 02 messen lassen müssen. Die Platzverhältnisse, die Außenmasse und die Leistungsdaten sind zu nahe an dieser BMW-Ikone. Schon der Vierzylindermotor des 2002tii lieferte 130 PS aus 2l Hubraum, allerdings hatte er nur knapp 1000kg zu bewegen.

Da der Dreier gewachsen ist und mittlerweile die Dimension eines 5er der ersten Baureihe aufweist, entstand eine Lücke im Programm, die nun gefüllt wird. Wenn man sich das Ergebnis anschaut, wird einem klar, das den Münchenern bislang etwas gefehlt hat. Ein BMW mit einer Außenlänge von 4,20 Metern, mit vier Türen, vier Sitzen und einem variablen Gepäckabteil ist die logische Abrundung des Modell-Programms nach unten.

Zumal die kleine Baureihe typische BMW-Gene in sich trägt. Eine lange Haube, kurze Karosserie-Überhänge vorn und hinten, die hohe Schulterlinie, ein langer Radstand von 2,66 Metern sowie ein spannungsvolles Design heben sich deutlich vom Wettbewerb ab. Von vorne wirkt der Wagen kraftvoll und dynamisch, sein Überholprestige steht außer Zweifel. Das Heckdesign reiht sich allerdings in die von Dreier- und Füner-Touring vorgegebene Linie der Langeweile ein, etwas mehr von dem Mut, der der Fünfer-Limousine zu ihrem provokant-frischen Auftritt verhalf, wäre schöner gewesen.

Die coupéhafte Form und die sportliche Silhouette entsteht, weil die Bayern – was sonst – auf einen längs eingebauten Motor und Heckantrieb setzten. Die daraus resultierende Gewichtsverteilung von 50:50 zwischen Vorder- und Hinterachse sorgt für gute Balance und Traktion. Damit erhält der Einser ein wundervollen sportliches Fahrverhalten, aber es werden auch Kompromisse beim nutzbaren Innenraum erzwungen. Das Fahrgefühl ist vollkommen neu. In dieser Klasse ist man auf Frontantrieb fixiert und nimmt überrascht und anfangs auch etwas irrtiert zur Kenntnis, dass er nicht das gewohnte Fahrverhalten zeigt. Es dauert eine Weile, bis man den Einser begreift. Dann läßt sich das Auto bei abgeschaltetem ESP mit dem Gaspedal um die Kurve treiben, daß es eine Freude ist. Dabei zeigt sich, daß das Fahrwerk bemerkenswerte Reserven hat. Man kann es auch anders formulieren: gut 100PS mehr sind sicher zu verkraften, der Ruf nach mehr Leistung wird wohl nicht auf sich warten lassen.

Der Einser ist kein Raumwunder geworden. Der kleine BMW verteilt den verfübaren Platz nach klaren Prioritäten. Das fahrerorientierte Konzept räumt den vorne Sitzenden den Vorrang ein. Wenn diese die komplexen Verstellmöglichkeiten ihrer Sitze voll ausnutzen, bleibt in der zweiten Reihe nicht mehr viel Spielraum für die Beine. Ehrlicherweise muß man sagen, dass der Platz im Font vor allem für Kinder gegeignet ist, zumal auch der Zustieg durch die kleinen hinteren Türausschnitte Gelenkigkeit erfordert. Durch die ansteigende Schulterlinie und die breite C-Säule ist die Sicht nach hinten bescheiden. In den variablen Kofferraum passen 330 bis maximal 1150 Liter. Ein schönes Detail ist der Griff zum Öffnen der Heckklappe: Ein Druck auf das Logo gibt den Weg zum Gepäckabteil frei. Die Sicht nach hinten ist konzeptbedingt eingeschränkt, auf die optionale Einparkhilfe sollte man nicht verzichten, nach vorne hat man alle Ecken des Wagens gut im Blick.
BMW Einser
Das schlichte Heck betont die Funktionalität

Die Sitzposition des Piloten ist sportlich, die Mittelkonsole ist wieder nach BMW-Tradition dem Fahrer zugeneigt. Die Innenraumgestaltung und die verwendeten Materialien überzeugen durch Qualität und Verarbeitung. Schalter, Hebel und die Instrumente sind übersichtlich angeordnet und gut ablesbar. Das zweifach verstellbare Ledervolant ist grazil und griffig. Das neu strukturierte I-Drive befindet sich auf der Mittelkonsole und ist leicht und verständlich zu bedienen. Der Startknopf in der Mitte des Armaturenbretts ist ein modisches Element, das man schon aus einigen Sportwagen und Luxuslimousinen der Oberklasse kennt. Er bringt allerdings keinen erkennbaren Vorteil in der Bedienung. Der elektronische Schlüssel braucht immerhin keine Batterien, sondern läd seinen Akku automatisch, sobald er in das Armaturenbrett eingeführt wird und integriert auch die Funkfernbedienung für die Zentralverriegelung. So wohnlich und hochwertig die Innenaustattung auch ist, sie wirkt, besonders im Vergleich zum klassischen Vorbild leider auch ein wenig beliebig. Ein wirklicher Mangel ist, daß der Wagen keine Temperaturanzeige mehr hat, behutsames Warmfahren ist nun reine Gefühlssache.

Zu den ersten Testfahrten standen zwei der vier Motorvarianten bereit: der 120 i mit 150 PS/110 kW und der 120 d mit 163 PS/120 kW. Beide Triebwerke haben ihre spezifischen Qualitäten. Der drehfreudige Vierzylinder des 120 i ist mit einer Valvetronic-Ventilsteuerung ausgestattet und verlangt für sportliches Fortkommen den fleißigen Griff zum exakt schaltbaren Sechsganggetriebe, dann hat er leichtes Spiel mit den 1200kg Leergwicht. Wie bei BMW üblich, sind die Schaltwege für ein sportliches Auto etwas zu lang. Die zurückhaltende Akustik läßt den Benziner träger wirken, als er tatsächlich ist.

Der 13 PS stärkere Diesel entwickelt aus dem Drehzahlkeller nachdrücklichen Schub und bietet mit 340 Newtonmeter Leistung in in allen Lebenslagen. In weniger als acht Sekunden sind 100 km/h erreicht, die Spitze wird liegt bei 220 km/h. Überzeugend ist der stoische Geradeauslauf und die Ruhe, mit der der Einser diese Geschwindigkeit bewältigt. Beide Motoren laufen bemerkenswert leise und schwingungsarm, trotzdem wird der Ruf nach Sechszylindervarianten laut werden, alleine schon, um den Leistungshunger der BMW-Kunden befriedigen zu können. Wenn man die Motorhaube öffnet, fallen zwei Dinge auf. Erstens ist der Motor sehr weit nach hinten plaziert. Wartungsarbeiten wie Zündkerzenwechsel erfordern den Ausbau einiger Teile, um an den Motor herauzukommen. Zweitens ist nach vorne noch ausreichend Platz für zwei weitere Zylindereinheiten, es bleibt also Raum für weitere Motorvarianten.

Gefühlvoll dosierbare Bremsen und eine von Antriebseinflüssen freie Servolenkung mit einer guten Rückmeldung von der Straße machen die ausgeprägte Leistungsbereitschaft des kleinen BMW beherrschbar.

Der Sicherheits-Ausstattung des Einsers ist komplett – Reifen mit Notlaufeigenschaften und Pannenanzeige setzen einen neuen Maßstab in der Fahrzeugklasse.

BMW Einser
Eine coupéhafte Silhouette und Zitate aus den Z4-Design unterstreichen den sportlichen Charakter des Einsers

Darüberhinaus ist von Xenonlicht bis zur Einparkhilfe fast alles lieferbar, was üblicherweise nur in höheren Fahrzeugklassen zu haben ist. Eine Sechsgang-Automatik kostet 2000 Euro, ist aber nur für 120 i und 120 d zu haben. Die Klimaanlage kostet 1500 Euro extra. Überhaupt ist gegen Aufpreis fast alles lieferbar, was gewöhnlich nur in höheren Fahrzeugklassen zu haben ist.

Vorerst sind je zwei Benziner und zwei Diesel, modifizierte Triebwerke aus der Dreier-Reihe, im Angebot. Alle sind schadstoffarm nach EU-4 und erreichen mindestens 200 km/h Spitze. Ab Dezember soll ein fünfter Motor hinzukommen. Der 118 i wird 130 PS leisten.

Der Einstiegspreis beträt 19 800 Euro für den 116i mit 115 PS. Zuzüglich der üblichen Extras wird ein Einser so zwischen 20 000 und 25 000 Euro kosten – nicht gerade ein Sonderangebot. Dafür wird aber auch nicht auf Vorrat produziert. Mit dem "Build to order"-Prozess erfasst der Händler, wie schon bei den großen Modellen, zusammen mit dem Kunden die Bestellung online. Danach kann der Käufer dann bis sechs Tage vor dem Produktionsbeginn noch die Farbe, Interieur, Ausstattung oder Motorisierung seines BMW ändern.

Ab dem 18. September 2004 kann gekauft werden

(Text: Dieter Roßbach / Rainer Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach / Rainer Roßbach )

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