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Citroen C4 Coupé VTS: Neues Gesicht, alte Werte
09.12.2004
Ein CW-Wert von 0,32, 170 PS, Spitze 220km/h klingen gut? Sicher, aber das hat man bei Citroën vor 20 Jahren schon gekonnt. Der SM, Spitzenprodukt des Hauses lieferte diese Leistungsdaten, bot vier Personen bequemen Platz, leuchtete bei Nacht die Kurven aus, verbrauchte rund 15 Liter auf 100 km, verwöhnte mit einem hochkomfortablen und sicheren Hydropneumatik-Fahrwerk und kostete so viel wie ein Porsche oder ein großes Mercedes Coupé. Das neue C4 Coupé leistet 177PS, erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 227 km/h, bei einem CW-Wert von 0,29, leuchtet bei Nacht die Kurven aus, bietet vier Personen üppigen Platz und ist leise und laufruhig. Wo bleibt da der Fortschritt, ist man geneigt zu fragen. Die Antwort liefern die weiteren Vergleichswerte: Heute bekommt man diese Leistungsdaten in einem Wagen der unteren Mittelklasse, dazu noch ein Navigationssystem, eine JBL-Stereoanlage mit CD-Wechsler, einen Spurassistenten, Schlupfregelung, eine umfassende Sicherheitsausstattung und eine Klimaanlage. Der Verbrauch liegt deutlich unter 10 Liter, die Dieselvariante braucht sogar kaum mehr als die Hälfte des SM. Während man vor 20 Jahren alle 5000 Kilometer in die Werkstatt musste, sind es heute 30.000km, die man ohne Inspektion hinter sich bringen kann und das ganze kostet umgerechnet ein Drittel dessen, was man 1975 für einen SM aufbringen musste. Dazu sind Laufleistungen von 300.000 Kilometer, früher nur mit behäbigen Dieselmodellen denkbar, heute selbstverständlich.
Mit dem neuen C4 ist es endlich soweit, der Xsara, eines der gesichtslosesten Citroën-Modelle der letzten zehn Jahre wird abgelöst. Der C3 und besonders die Pluriel-Variante zeigten schon, daß Citroën wieder mehr Mut zu einem eigenständigen Profil hat und offensichtlich wussten die Designer in Frankreich, daß sie bei den Freunden der Marke immer noch etwas gut zu machen hatten, denn das neue C4 Coupé ist ein Entwurf, der der Tradition des Hauses wieder voll gerecht wird. Das neue Markengesicht mit dem in die Kühleröffnung integrierten Doppelwinkel ist prägnant und unverwechselbar. Das hohe Kamm-Heck bietet nicht nur aerodynamisch Vorteile, es macht den Wagen unverwechselbar. Trotz der hohen Fronthaube, die den aktuellen Anforderungen des Fußgängerschutzes Rechnung trägt, ist die Sicht nach vorne eher schlecht, das vordere Ende des Fahrzeugs läßt sich nur erahnen, da sind die elektronischen Einparkhilfen, die der VTS vorne und hinten serienmäßig hat, mehr als nur ein nettes Spielzeug. Der Blick nach hinten ist für ein Fahrzeug dieser Klasse optimal. Das Heck läßt sich gut einschätzen, und die Querstrebe, die das Blickfeld nach hinten teilt, stört nach einer kurzen Gewöhnungsphase nicht mehr. Die Dachhöhe, die bis zum Heckabschluss kaum sinkt, bringt natürlich auch den Insassen klare Vorteile. Es stellt sich ein Raumgefühl wie im VAN ein, die Kopffreiheit ist auch für groß gewachsene Personen auf den Rücksitzen tadellos und es bleibt bei zurückgeschobenen Sitzen reichlich Fußraum. Vorne sitzt man ohnehin bequem. Die im Testwagen installierten Ledersitze bieten guten Seitenhalt. Sie sind straff, aber nicht unbequem und orientieren sich damit an deutschen Vorlieben. Das verarbeitete Leder fühlt sich gut an, ohnehin ist die Materialanmutung im Innenraum hochwertig. Freunde des französischen Sitzgefühls werden durch Ausstattungsvarianten mit weicheren Polstern zufrieden gestellt. Eine JBL-Stereoanlage und ein Handschuhfach, in dem deutlich mehr als ein paar Handschuhe untergebracht werden können, Edelstahlleisten auf den Türschwellern runden das positive Bild ab. Das Kofferraumvolumen ist mit 414 bis 1083 Litern den Alltagsanforderungen einer Familie gewachsen, allerdings ist die erlaubte Zuladung von 356 kg etwas knapp geraten.
Eine Besonderheit des C4 ist das Lenkrad mit feststehender Nabe. Was auf den ersten Blick wie ein Citroën-typischer Rückfall in die experimentierfreudigen Zeiten eines CX oder SM wirkt, hat handfeste Vorteile. Das Lenkrad kommt nun ohne Schleifring aus, da alle elektrischen Elemente in der feststehenden Nabe untergebracht sind, das reduziert die Fehlermöglichkeiten in einer immer komplexer werdenden Elektrik. Schwere Teile wie der Airbag müssen nicht mehr mitbewegt werden, das dadurch reduzierte Trägheitsmoment des Lenkrads verbessert den Lenkkomfort. Die Airbagform muss nicht mehr rotationssymmetrisch sein, eine deutlich vergrößerte und konturierte Fläche ist nun möglich. Durch die neue Lenkradkonstruktion hätte man nun auch wieder auf das traditionelle Einspeichenlenkrad zurückgreifen können, die Chance hat man leider nicht genutzt. Die Konzentration aller wichtigen Bedienelemente rund um das Lenkrad ist gewöhnungsbedürftig, aber schnell erlernt. Es werden unwillkürlich Erinnerungen wach an die Satelliten und Lupentachos des CX und GS, allerdings ist die Lösung im C4 bei weitem nicht so exzentrisch und insgesamt eine Verbesserung des Bedienkomforts. Direkt im Blickfeld des Fahrers befinden sich ein Drehzahlmesser, dessen roter Bereich dynamisch beim Erreichen der Drehzahlgrenze eingeblendet wird und einige Kontrollleuchten. Die Geschwindigkeit und andere wichtige Informationen werden auf einem freistehend montierten digitalen Zentralinstrument angezeigt. Die Durchleuchtung der Anzeige stellt sicher, dass die Ablesbarkeit auch bei tief stehender Sonne nicht leidet. Dicke Luft ist beim C4 kein Thema mehr. Für den in das Armaturenbrett integrierten Parfümspender bietet Citroën zwölf verschiedene Düfte an. Man muss es mögen, wie man auch den Duft des Wunderbaums mögen muss. Immerhin eröffnet der Parfümspender ganz neue Marketing-Aktionen, ein Sondermodell C4 Chanel No 5 wäre eine interessante Variante.
Der Fahreindruck unterstreicht das positive Gesamtbild: Der Benziner liefert reichlich Leistung, ist drehfreudig und lässt sich betont sportlich fahren. Da auch bei niedrigen Drehzahlen schon ausreichend Leistung bereit steht, erlaubt der VTS auch entspanntes ruhiges Fahren auf der Landstrasse, ohne dauernd die Gänge wechseln zu müssen. Die nackten Leistungsdaten zeigen, daß die im Prospekt genannten Gewichts- und Aerodynamikwerte realistisch sind. Die Höchstgeschwindigkeit von 227 km/h wird ohne Anstrengung erreicht. Von 0 bis 100km/h beschleunigt der stärkste C4 in 8,9 Sekunden. Der Normverbrauch beträgt 8,4 Liter/100km. Das Fahrwerk des Coupés ist straff, aber trotzdem angenehm komfortabel, das Abrollgeräusch ist durch die montierten Winterreifen präsent, auch, weil das Auto sonst sehr leise ist. Der lange Radstand liefert nicht nur Beinfreiheit auf den Rücksitzen, er kommt auch dem Komfort und dem Fahrverhalten bei hohen Geschwindigkeiten zugute. Daher ist der C4 trotz der fehlenden Hydropneumatik, die bei den Vorgängermodellen GS und BX noch Standard war, ein sicheres und gut liegendes Auto. Citroëns neueste Innovation in Sachen Fahrsicherheit, der Spurassistent, AFIL genannt, ist bei der VTS-Variante im Grundpaket enthalten. Sinn dieses elektronischen Helferleins ist es, gefährliche Situationen, wie den Sekundenschlaf, zu entschärfen. Überquert der Wagen bei Geschwindigkeiten über 80 km/h und ohne daß der Blinker eingeschaltet ist , die Mittel- oder Seitenlinie, beginnt der Fahrersitz auf der entsprechenden Seite zu vibrieren. Das System funktioniert prompt und zuverlässig und erzieht zu einer regelgerechten Fahrweise, denn Kurvenschneiden oder Ausscheren ohne Signal zu geben werden sofort mit einem Rüttler am verlängerten Rücken quittiert. Immerhin kann das System auch ausgeschaltet werden. Serienmäßig sind beim VTS auch mitlenkende Xenon-Scheinwerfer, die es sonst nur in der Oberklasse und dort meist gegen Aufpreis gibt. Zur Entlastung des Fahrers und seines Geldbeutels dient der in allen C4 serienmäßige Geschwindigkeitsbegrenzer. Ist er aktiviert, begrenzt ein Druckpunkt im Gaspedal den weiteren Vorwärtsdrang des Fahrers und hilft ihm so, Geschwindigkeitsbeschränkungen einzuhalten. Das System funktioniert gut, gerade auf langen Autobahnstrecken im Ausland ist es eine echte Erleichterung. Beim VTS wird der Begrenzer durch einen Tempomaten ergänzt. Den Citroën C4 2.0 16V VTS gibt es ab 22.290.00 Euro. Das ist, gemessen an der umfangreichen Serienausstattung, und an den günstigen Versicherungseinstufungen, ein ausgesprochen attraktiver Preis.
(Text: Dieter Roßbach )
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