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Peugeot 907: Fehlfarbe
11.01.2005
Den Peugeot 407 mit seinem Riesen-Ferrari-Kühler hatte man bis jetzt lächelnd als Zitat genommen und sich über das ironische, postmoderne Augenzwinkern gefreut. Spätestens seit der Sportwagen-Studie 907 auf dem Pariser Salon weiß man jedoch: Die meinen es ernst. Bisher dachte man bei sportlichen Peugeots an Fahrzeuge wie die Darl Mat aus den Dreissiger Jahren. Hier fügte französische Ingenieurskunst ansprechendes Design, geringes Gewicht und innovative Technik zu originellen und reizvollen Automobilen zusammen. Beim Peugeot 907 kann man jedoch ohne Übertreibung behaupten, dass der Frontmotor-Sportwagen in weiten Teilen eine Kopie des Ferrari 275 GTB "Long Nose" von 1964 ist. Das fällt vor allem in der Silhouette auf. Hier wiederholt sich die Grafik des Ferrari in nahezu jedem Lüftungsschlitz und jedem Karosserieschwung. Modernistische Elemente wie die betonte Sicke im Übergang vom vorderen Radhaus zum Seitenfenster kaschieren die Form des italienischen Vorbilds und suchen die Verbindung zum aktuellen Design von Peugeot.
Auch die vordere Kühlluftöffnung ist, wenngleich in Größe und Form etwas breiter angelegt, vom 64er Ferrari übernommen. Die Melange wird schließlich mit einer Formel 1-Nase á la Mercedes Benz SLR sowie den bekannten geschlitzten Peugeot-Scheinwerfern komplettiert. Technisch wird beim 907 aus dem Vollen geschöpft: Der 500 PS starke V12-Motor entwickelt seine Leistung aus sechs Liter Hubraum. Durch eine in die Fronthaube eingelassene Glasfläche wird der Blick auf die zwölf Ansaugtrichter freigegeben. Die als Frontmittelmotor eingebaute Maschine überträgt ihre Leistung über eine kurze Antriebswelle an ein längs vor der Hinterachse liegendes Sechsganggetriebe, das eine Einheit mit dem Achsantrieb bildet. Die Karosseriestruktur besteht im Wesentlichen aus einem Carbonmonocoque, das die mechanischen Baugruppen, wie z. B. die vier Achswellen mit Doppelquerlenkern, aufnimmt.
Der Radstand des 907 beträgt 2,50 m, er ist 4,37 m lang, 1,88 m breit und im höchsten Punkt 1,21 m hoch. Die Fahrgastzelle, in der zwei Personen Platz finden, ist weit nach hinten verschoben, um, wie beim Ferrari-Vorbild, Raum für eine lange Motorhaube zu schaffen. Das Gewicht des fahrbereiten Autos liegt bei 1 400 kg. Windschutzscheibe und Dach bilden eine durchgehende Glasfläche, die nahtlos in die Heckscheibe übergeht. Ein ausfahrbarer Heckflügel ist in die Kofferraumklappe integriert. Je zwei Auspuffendrohre befinden sich unten links und rechts in den Türschwellern des Fahrzeugs. Die 18-Zoll-Räder sind mit Reifen der Größe 275/40 vorn und 345/35 hinten bestückt. Der Peugeot 907 sitzt zwischen allen Stühlen: Er ist kein besserer Ferrari und seine Glaubwürdigkeit als Peugeot ist gering, da er weder technisch noch konzeptionell zur Marke passt. Sochaux hat 2002 mit den witzigen und inspirierten Studien RC "Pik" und "Karo" gezeigt, dass Sportlichkeit und Markenidendität auf glaubwürdige und ansprechende Weise zusammenpassen. So ein offensichtliches Plagiat wie der 907 ist jedoch ärgerlich. Die Peugeot-Designer haben mit der aktuellen Modellpalette bewiesen, dass sie mehr können als abkupfern. Ferraris bauen kann man in Maranello aber besser.
(Text: Rainer Roßbach )
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