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Bentley Flying Spur: Braver Bruder
02.03.2005
Besonders Hersteller mit kleinen Stückzahlen stehen unter dem Druck, ihre Produktpalette zu diversifizieren, um auf wirtschaftliche Stückzahlen zu kommen. Auch Bentley braucht den kommerziellen Erfolg. Nachdem der sehr harmonisch und überzeugend geratene Continental GT auf ein positives Echo gestoßen ist, legt die Firma aus Crewe jetzt die Limousine "Flying Spur" auf Kiel. Nicht zuletzt, weil viertürige Saloons bei der traditionellen Käuferschaft immer großen Anklang gefunden haben, dürfte der "Spur" ein deutlich höheres Marktpotential haben als das Coupé. Die Limousine soll, zwecks Familienähnlichkeit, das Design des Coupés widerspiegeln und zudem den Raum und Komfort bieten, den man von einem Bentley erwartet. Auch soll der Viertürer, angesichts der sportlichen Bentley-Tradition, dynamisches Talent ausstrahlen.
Sportlichkeit war jedoch nicht die einzige Vorgabe. So sorgt ein langer Radstand für Beinfreiheit und gibt den Gestaltungsideen der Bentley Interieur Designer Raum. Die Kunden können beim "Flying Spur" zwischen einem viersitzigen Innenraum mit einer Mittelkonsole zwischen den zwei elektrisch einstellbaren Rücksitzen oder einer Ausführung mit fünf Sitzen und einer durchgehenden Rückbank wählen. Selbstverständlich ist der Wagen mit modernster Technik ausgestattet - vom intelligenten Infotainment-System bis zur Vier-Zonen-Klimaautomatik. Der Bentley "Flying Spur" ist als Fahrerauto gedacht. 560 PS und ein Allradantrieb versprechen eine sehr gute Performance. Der Twinturbo-12 Zylinder-Motor wird mit den Wippen eines ZF-Sechsganggetriebes geschaltet und erreicht ein maximales Drehmoment bereits bei 1500 U/min. Wie beim Continental GT erlaubt das steife Chassis in Kombination mit der Luftfederung ein sicheres Handling: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei rund 305 km/h, von 0-100 km/h braucht das Fahrzeug rund 5 Sekunden. Jedoch ist es nicht nur die Leistung, die den Continental Flying Spur zum Langstreckenfahrzeug prädestiniert, sondern auch der Komfort.
Die Form der Limousine sucht die Familienähnlichkeit und das spiegelt das Design des Coupés wider. Darüber hinaus bietet sie das Level an Raum und Komfort, das von einem Bentley Saloon erwartet wird. Rein funktional passt sich der "Spur" in die Modellfamilie ein, aber in der Übernahme wesentlicher Gestaltungen des GT liegt die Crux des Viertürers. In der Geschichte von Bentley sind Coupés eher rar: Wo der Continental GT mit seiner geschmeidigen Gestalt den Continental R der unmittelbaren Nachkriegszeit überzeugend interpretiert, leidet die Limousine gerade an der Übernahme wesentlicher Formen des GT. Zu rund und zu glatt geraten, hat er nichts mit den traditionell eher kantig wirkenden Limousinen aus der Bentley-Tradition gemeinsam. Der "Flying Spur" bleibt merkwürdig gesichtslos: Das Heck ist schlicht belanglos (ein Vergleich mit Hyundais verflossenem "Sonata" ist interessant) und Größe kann eine eigenständige Prsönlichkeit nicht ersetzen. Etwas mehr Differenzierung und Sorgfalt bei der Ausarbeitung der Fahrzeuggrafik hätte der Limousine spürbar gut getan. Das wird dem Erfolg des Bentley keinen Abbruch tun, da allein der Preis schon für das nötige Image sorgen wird. Dieser steht noch nicht fest, wird sich jedoch im Bereich des Continental GT Coupé bewegen.
(Text: Rainer Roßbach )
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