|
|
|
|
Maserati Birdcage 75th: Extremist
19.03.2005
Mit dem Maserati Birdcage 75th macht sich Pininfarina selbst ein Geschenk zum 75. Geburtstag. Die Italiener verstehen ihre Studie als Reminiszenz an die kreativste Phase des Automobil-Designs, den Sechziger und Siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts. Elegante und radikale Kreationen wie der Lancia Stratos von Bertone oder der PF 512S "Modulo" von Pininfarina beeinflussen die Formgebung von Sportwagen bis heute. Bei Ferrari gab es in den Sechziger Jahren das stilistische Motiv des "Squalo", des Hais, das auf den Formel 1 Typ 156 zurückgeführt werden kann und das sich auch in späteren Serienfahrzeugen findet. Der Hai, Inbegriff des eleganten und schnellen Unterwasserräubers, ist auch der Archetyp, der die Erscheinung des Birdcage 75th prägt. Dessen Form besteht aus wenigen, einfachen Elementen: einer simplen Tropfenform, die stark ausgeprägte und rund geformte Radhäuser integriert. Der Maserati ist der Versuch über ein extremes Straßenfahrzeug, dass die Weiterentwicklung der Marke Maserati zum Thema hat. Der Birdcage 75th ist ein Traumauto in durchaus traditionellem Sinn. Auf der Basis des MC12 erfüllt er das reine und auch naive Verlangen nach Geschwindigkeit und Sinnlichkeit
Ziel des Projekts war, weg zu kommen von traditionellen Designauffassungen und eine ganz neue visuelle Erfahrung anzubieten. Dieser Wunsch beeinflußt den ganzen Entwicklungsablauf: Anstatt wie üblich zunächst das Äußere zu gestalten, um sich dann dem Innenraum zu zuzuwenden, entstand der Birdcage 75th als innovativer Prozeß, der das Design von Innen- und Außenausstattung von Anfang an integriert. Die Entscheidung für den leistungsstärksten Maserati mit einem über 700 PS starken 12-Zylinder V-Motor setzte zudem voraus, dass auch die Prinzipien des Rennsports eine Rolle spielen. Die Karosserie mit ihrer einfachen, effizienten Grundform und den betonten Kotflügeln ist eine Hymne an die Maserati-Renngeschichte: Der Tipo 63 "Birdcage" von 1962 war der letzte wirklich erfolgreiche Rennsportprototyp der italienischen Traditionsmarke. Die Bezeichnung "birdcage" geht auf die filigrane Struktur des Rohrahmens zurück, der auch unter der Windschutzscheibe sichtbar war. Ursprünglich hatte dieses Modell einen 4-Zylinder-Mittelmotor mit 260 PS Leistung, der später durch einen V12- 3 Liter ersetzt wurde, der bei 8.200 U/min 320 PS auf die Kurbelwelle stemmte. Die größten Erfolge des Tipo 63 waren ein vierter Platz in Le Mans sowie Siege in Bridgehampton und in Elkhart Lake. Der Purismus des Wettbewerbs fordert, die Mechanik möglichst effizient zu umkleiden. Aus der Summe der Erfahrungen haben sich die Tropfenform und der Flügel als Basiselelemente herausgebildet, und dies sind auch die konzeptionellen Grundformen des Birdcage 75th.
Der Rahmen der Maserati-Studie ist Delta-förmig angelegt. Im Profil hat die Karosserie die Form eines Flügels. Eine kleine Fahrgastzelle verjüngt sich zum Heck hin, wo Motor und Getriebe untergebracht sind. Die Front hat ein außergewöhnlich niedriges Profil und einen besonders geringen Querschnitt, der den über und unter dem Fahrzeug fließenden Luftstrom für eine Verbesserung des Abtriebs nutzt. Der Passagier- und Motorraum ist oben durchsichtig und gibt den Blick auf die Mechanik frei, während der untere Teil die Aufgabe einer die Aerodynamik unterstützenden "Schürze" übernimmt. Der vordere Lufteinlass hat eine Trapezform und wird von schmalen, waagerechten Leuchten flankiert. Die Rahmen für die Scheinwerfer sind aus Aluminium gefräst und haben die Aufgabe, die LEDs zu kühlen. Durch die breite, mit einem verchromten Dreizack verzierte Öffnung fließt die Luft zum Kühler und zu den Bremsleitungen. Im Heck des Fahrzeugs befinden sich Flügelprofile, die für Abtrieb und Stabilität bei jeder Geschwindigkeit sorgen. Wenn sie ausgefahren sind, lassen sie die Auslässe für die Motorkühlung frei. Die LED-Heckleuchten umfassen Öffnungen, aus denen die warme Luft aus dem Motorraum entweichen kann. Unter den markanten Kotflügeln befinden sich Leichtmetallfelgen mit einem Durchmesser von 20'' vorn und 22'' hinten. Das Design der Räder thematisiert den "Tridente", das Markenzeichen von Maserati. Wie bei Rennwagen üblich werden sie von einer zentralen Schraube gehalten. Die Innengestaltung knüpft an Maserati-Traditionen an und wirft den Blick in eine mögliche Zukunft. Der Verweis auf die Vergangenheit ist die dreieckige Rohrrahmen-Stützstruktur des transparenten Armaturenbretts, das mit der Lenkeinheit und einer Uhr in klassischer Maserati-Form bestückt ist. Durch die Windschutzscheibe kann man die Konstruktion des Vorderwagens aus Carbonfasern sehen. Der Fahrer sitzt auf einem teilweise mit Alcantara bezogenen Schlitten, auf ein transparentes Display oberhalb des Armaturenbretts werden Daten, wie die Geschwindigkeit, die Drehzahl und weitere Betriebszustände projiziert.
Die Mensch/Auto-Schnittstelle des Birdcage 75th spielt eine zentrale Rolle in der täglichen Kommunikation: Ein in der Mitte angeordnete Modul macht es möglich, in maßgeschneidertenMenüs zu surfen, zahlreiche im Fahrzeug installierte Kameras übertragen Bilder an interessierte Zuschauer und Infrarot-Kameras, die Bilder auf das Display übertragen, erleichtern Fahrten bei Dunkelheit. Neuste Technologien sind integriert, wie ein digitales Mobiltelefon der neuesten Generation, Internet, Text Pager und ein two-way Radio, das es gestattet, mit mehreren Personen gleichzeitig zu kommunizieren. Mit dem Birdcage 75th kehrt Pininfarina zum Thema des Traumautos zurück, das dem italienischen Automobil-Design in den Fünfziger, Sechziger und Beginn der Siebziger zur Weltgeltung verholfen hat. Im Jahr, in dem Pininfarina den 75. Geburtstag feiert, markiert der Birdcage 75th die Rückkehr zu den traditionellen Wurzeln des Unternehmens und zu einer Zeit, in der kreative Autoentwürfe für Erstaunen sorgten.
(Text: Rainer Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||