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Wimille-Sportwagen: Innovation sans fortune
03.04.2005
Jean-Pierre Wimille ist einer der Rennfahrerlegenden Frankreichs. Sein Name ist eng mit Bugatti verbunden, für die er 1937 zusammen mit Robert Benoist, seinem großen Vorbild und Mentor, und 1939 mit Pierre Veyron die 24h von Le Mans mit einem Type 57 gewann. Schon 1943, kurz vor dem Ende des 2. Weltkriegs in Frankreich widmet er sich, zusammen mit einigen befreundeten Ingenieuren, verstärkt der Entwicklung eines Sportwagens unter seinem Namen. Dabei geht er, inspiriert von den erfolgreichsten Rennwagen der Vorkriegszeit konsequent eigene Wege. Muster für den Entwurf waren der Mecedes Mittelmotor-Roadster von 1935 und natürlich die Auto-Union-Rennwagen. Noch vor dem ersten Porsche, der 1948 erschien, waren die Wimille-Fahrzeuge die ersten Sportwagen mit Mittelmotor. Der erste Prototyp entstand schon 1943. Das Gerüst des Fahrzeugs bildet einen Rohrrahmen, über den eine nicht besonders ansehnliche, aber aerodynamisch effiziente Karosserie gezogen wurde. Der Cw-Wert von 0,23 liegt weit unter dem, was irgendein anderes Fahrzeug dieser Zeit erreicht. Auch andere Merkmale werden erst später wieder aufgegriffen. So sitzen die drei Passagiere nebeneinander, wie später in den Matra Modellen Bagheera und Murena und gesteuert wird vom Mittelsitz aus. Das wird erst wieder in den Sechzigern beim Ferrari 365P Berlinette Speciale von 1966 zu sehen sein und der McLaren F1 wird diese Konfiguration 1998 in kleiner Serie auf die Straße bringen.
Angetrieben werden soll der erste Entwurf von einem eigenen 1,6l-V6-Motor und 70PS Leistung, aber das Projekt erweist sich als zu ehrgeizig und der Plan muss aufgegeben werden. Also wird der Vierzylinder des Citroën 11CV installiert. Seine 56PS sind, dank des außergewöhnlich geringen Luftwiderstands, für eine Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h gut. Der Wagen hat rundum Einzelradaufhängungen. Optisch erinnert der erste Prototyp an die Simca Gordini Rennwagen, mit denen Jean-Pierre Wimille gerade erfolgreich Motorsport betreibt. Zum ersten Male der Öffentlichkeit vorgestellt wird der Wagen anläßlich des GP de l’Autoroute de l’Ouest im Juni 1946, der zur Feier der Eröffnung der ersten Autobahn in Frankreich abgehalten wurde.
Da die Leistungsdaten,das Fahrverhalten und das Erscheinungsbild bei weitem nicht so waren, wie Wimille sich das vorgestellt hatte, folgte ein zweiter Prototyp. Bei diesem Auto wurde nun auch der Gestaltung des Innenraums und der Außenhaut mehr Beachtung geschenkt. Den Entwurf der Karosserie zeichnet Philippe Charbonneaux, gebaut wird sie bei Faget-Varnet, einem der renommiertesten Karosseriers in Frankreich. Insgesamt fällt der neue Wagen deutlich seriennäher aus. So hat er nun Schiebefenster, beim Vorgänger ließen sie sich nicht öffen, der Innenraum gerät wohnlicher und ein kleiner Kofferraum ist nun auch vorhanden. Citroën fällt als möglicher Motorlieferant aus, man hat dort kein Interesse, Wimille mit der Antriebstechnik zu beliefern. Also nimmt er Kontakt zu Ford France auf, ein Lieferabkommen wird 1947 geschlossen und auf dem Pariser Salon 1948 kann der zweite Prototyp gezeigt werden. Bei diesem Fahrzeug ist ein V8 mit 2,2l Hubraum aus der Vedette montiert, seine 60PS genügen, um eine Höchstgeschwindigkeit von 160km/h zu erreichen.
Wie bei vielen anderen französischen Luxusautos dieser Zeit kommt auch bei diesem Auto ein elektromagnetisches Getriebe von Cotal zum Einsatz. Ein größerer Radstand, nun beachtliche 2780mm, und eine breitere Spur verbessern das Fahrverhalten deutlich. Mit einer Gesamtlänge von 4500mm, einer Breite von 1700mm , einer Höhe von 1400mm und einem Leergewicht von 1150kg ist der Wimille ein stattliches Auto . Die dritte Version des Wagens baut auf Nummer 2 auf, wesentliche Änderung ist der Wegfall des Zyklopenscheinwerfers. Die öffentliche Vorstellung des Wimille Nr.3 erlebt der Rennfahrer allerdings nicht mehr. Am 28. Januar 1949 startet Wimille beim Grand Prix General Peron auf dem Palermo-Park-Kurs in Buenos Aires auf einem Simca Gordini. In der ersten schnellen Runde des Trainings kommt er aus ungeklärten Gründen von der Strecke ab und prallt gegen einen Baum. Nach seinem Tod läßt sich das Sportwagen-Projekt nicht fortzuführen. Ford kündigt den Kooperationsvertrag, und auch wenn seine Witwe und Freunde unbeirrt auf einen Produktionsstart hinarbeiten, werden letztlich nur acht Autos gebaut. Alle Prototypen sind im Automobilmuseum von Reims zu sehen.
(Text: Dieter Roßbach ) |
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