|
|
|
|
Buick Y-Job: Traumzeit
20.05.2005
Eine Automobilausstellung ohne Studien? Das ist heute undenkbar. Noch Ende der 30er Jahre hingegen war die Idee eines solchen Technologieträgers und Designvorreiters höchst ungewöhnlich. Die auf den Motorshows ausgestellten Modelle sollten vielmehr unmittelbar verkauft werden und nicht vage Ausblicke in die automobile Zukunft geben. Harley Earl (1893 - 1969), erster Designchef von General Motors (GM) und Erfinder der Heckflosse, erkannte den unternehmensinternen Nutzen sowie den PR-Effekt solcher Showcars jedoch frühzeitig und ließ 1938 den Buick Y-Job bauen. Als erstes Konzeptfahrzeug von GM und mutmaßlich erstes Showcar der Automobilindustrie überhaupt hat dieses sportlich-elegante Cabrio Geschichte geschrieben. Weil im Flugzeugbau die meisten Prototypen ein "X" in ihrer Bezeichnung trugen, wählte Earl den nächstfolgenden Buchstaben "Y" für den Namen des offenen Zweisitzers. Das Fahrzeug diente nicht nur zu Showzwecken und als Prototyp für Tests neuer Komponenten, Earl setzte den Y-Job auch fast zehn Jahre lang als persönliches Auto im Alltag ein und fuhr damit durch die Straßen von Detroit im US-Bundesstaat Michigan.
Mit dem Fahrwerk des Buick Century sowie dessen 5,2 Liter großen Reihenachtzylinder mit hängenden Ventilen und einer untenliegenden Nockenwelle endeten bereits die Parallelen zu zeitgenössischen Serienmodellen. Das elektrisch betätigte Cabriodach, das elegant unter einer Verdeckklappe verschwindet, ist noch heute ein Hingucker und war vor 65 Jahren überaus futuristisch. Weitere technische Innovationen sind die verborgenen Frontscheinwerfer, die auf Knopfdruck ausfahren, die hydraulischen Fensterheber sowie die mit Kühlrippen versehenen Trommelbremsen. Avantgardistisch war das Stromlinien-Design des 5,29 Meter langen, aber nur 1,48 Meter flachen Modells: In einer Epoche, in der die meisten Autos ihre Form noch vom Kutschenbau ableiteten, war die Linienführung ihrer Zeit weit voraus. Stilistische Details wie der horizontale Kühlergrill, die integrierten Stoßfänger, die vorn und hinten breit ausgestellten Kotflügel mit Chromschmuck nach Art des Jugendstils und die verborgenen Trittbretter waren außergewöhnlich. In Buick- sowie Cadillac-Modellen fanden Einzelheiten Jahre später den Weg in die Serie.
(Text: pt/rr )
Verwandte Themen:
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||