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Aktualisiert am 31.12.2011
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LMK917: Wiedergeburt einer Legende

12.04.2005

Porsche 917K, das Original
Porsche 917K: das Original war letztes Jahr in Goodwood zu sehen ...
Doppelpfeil

Von Porsches Rennwagenlegende 917 wurden nur 43 Exemplare gebaut, und die sind, bis auf die wenigen, die verschrottet wurden, in festen Händen. Die Nachfrage nach diesen Rennwagen ist größer als das Angebot und der gezahlte Preis ist entsprechend hoch. Nun ist es üblich, von Ikonen der Rennsportwagen-Welt Replikas zu fertigen – am liebsten mit Strassenzulassung. Nachbauten von Jaguar C-Type, Porsche 550RS, Shelby Cobra-Roadster und -Coupé sowie Ford-GT40 sind in großer Stückzahl auf dem Markt. Der Porsche 917 war nicht im Angebot – bis jetzt. Ein Höhepunkt der diesjährigen Techno Classica war die besonders gelungene Replika LMK917, die hier ihr Deutschland-Debut gab und von SLIDE in Münster vertrieben wird. Entwickelt und gebaut wird der Sportwagen von Kraftwerkz in Melbourne, Australien.

Der LMK917 ist das Werk von Enthusiasten: Statt irgendein brauchbares Chassis mit einer 917-Karosserie zu versehen und eine starke Antriebsquelle zu installieren hat man sich sehr nahe ans Original gehalten.

Die Entwicklung des ersten Prototypen hat rund acht Jahre gedauert und das Ergebnis ist beeindruckend. Bis in kleinste Details ist man dem Original gefolgt. Zwar ist der Rohrrahmen statt aus Leichtmetall nun aus Stahl gefertigt, aber selbst die Haubenverschlüsse, die Stange mit den Heckleuchten, das Raddesign oder der hintere Getriebeträger, der die Ausspuffrohre hält, sind auf den ersten Blick vom echten Porsche nicht zu unterscheiden.

Natürlich versucht der Wagen auch die technischen Vorgabe richtig zu interpretieren. Selbst bei geöffneter Heckhaube zeigt der Wagen ein klares 917-Layout. Natürlich sind luftgekühlte 12-Zylindermotoren selten und teuer. Daher sind die Abdeckungen der Ansaugstutzen mit dem in der Mitte angeordneten Lüfterrad nur Zierrat – zumindest so lange, wie ein leicht verbesserter 6-Zylindermotor aus der alten 911-Baureihe zum Einsatz kommt. Der stellt eine Motorleistung von mindestens 340PS zur Verfügung und die sollten mit den gut 800 kg Leergwicht des Autos schon recht gut klarkommt.

Wem das zu viel Verrat am Original ist, der kann auch einen 12-Zylindermotor aus neuer Fertigung bekommen. Dazu koppeln die Australier zwei Sechser aus dem 911 und erhalten so ein dem originalen Motor sehr ähnliches Aggregat – sogar mit Mittelabtrieb und flach liegendem Lüfterrad. Selbst die Leistung von rund 600PS entspricht den besten der alten Saugmotoren.

LMK917
... und der LMK917 dieses Jahr in Essen
Doppelpfeil

Der Produktions- und Entwicklungsort Australien hat das Projekt nicht gerade begünstigt. Während man in Europa und in den USA regelmäßig Originalfahrzeuge in Museen und bei historischen Veranstaltungen begutachten kann, ist der LMK917 alleine durch Vermessung von Bildern und allgemein zugänglichen Zeichnungen entstanden.

"Down Under" scheint man mit derartigen Fahrzeugen gelassener umzugehen: in Australien hat das Auto die Strassenzulassung schon, während in Europa noch darum gekämpft wird und der Ausgang ungewiss ist. Insgesamt sollen 25 Exemplare des LMK917 gebaut werden: Eine Reminiszenz an die legendäre Homologationsserie, mit der Porsche die FIA-Delegierten im April 1969 überraschte. Mehr als 18 der australischen 917 sind schon bestellt und größtenteils bereits ausgeliefert.

Vorbild des in Essen ausgestellten Fahrzeugs ist der Porsche, den das John-Wyer-Team ab Mitte der Saison für die Fahrerpaarung Siffert/Redman einsetzte. Natürlich sind aber auch andere Lackierungen (Porsche Salzburg, Martini) lieferbar.

Wer die Diskussion um die Markenrechte der letzten Jahre verfolgt hat, ist allerdings überrascht, dass das Ausstellungsfahrzeug unwidersprochen Porsche-Schriftzüge und -Logos sowei Gulf-Aufkleber tragen durfte. Das verwundert in einer Zeit, in denen nicht-kommerzielle Fan-Seiten im Netz von den Herstellern abgemahnt und zur Änderung von Layout und Namen gezwungen werden.

LMK917, Motorraum
Die Replika orientiert sich sowohl innen wie aussen mit viel Liebe zum Detail am Original
Doppelpfeil

Der deutsche Vertreiber Slide bietet den LMK917 nur im Komplettpaket an. Es beinhaltet einen speziellen Transportanhänger, der das über zwei Meter breite Fahrzeug aufnehmen kann. Dazu gibt es eine vier Meter lange Rampe, mit der sich der sehr tief auf der Strasse liegende Rennwagen ohne Probleme aufladen lässt. Ein Rennanzug mit einem Helm in individuellem Design sowie sechs Tage freies Training am Nürburgring (allerdings nur der GP-Kurs), in Spa, in Dijon, in Magny-Cours, in Zandfoort und auf dem Hockenheimring sind ebenfalls inbegriffen. Bei diesen Terminen stehen zudem Mechaniker bereit.

Am meisten überrascht der Preis: Das ganz Paket inklusive Fahrzeug soll rund 250.000 Euro kosten. Viel Geld zwar, aber bei weitem weniger als der Listenpreis vieler Supersportwagen, die in deutlich höherer Auflage gefertig werden. Beibt die Frage, wann weitere Versionen kommen. Für die zwei Langheck-Typen, die Berta-Sau oder die verschiedenen Interserie- und CamAm-Spider gibt es sicher auch einen Markt.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach, Rainer Roßbach)

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