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Villa d'Este 2005: Eine Ausstellung von besonderer Klasse
28.04.2005
Automobile sind Skulpturen, die in den sozialen Raum hineinwirken. Diese banale Wahrheit beschreibt die visuelle, räumliche, physikalische oder akustische Inbesitznahme der Außenwelt durch die mechanischen Kinder des Karl Benz. Veranstaltungen wie der 76. Concorso d'Eleganza in der Villa d'Este sind ein Ort der Hygiene: Durch den hohen Anspruch, der an die teilnehmenden Fahrzeuge gestellt wird, entsteht eine neue Klarheit über die Qualität und Eleganz, die sich in einem Automobil ausdrücken kann und über die Art, wie es seine Umgebung durch seine Präsenz verändert. Die Fahrzeuge, die für die historischen Wettbewerbe am 23. und 24 April eingeladen wurden, haben den Vorzug, dass ihre Einzigartigkeit und Schönheit eine gesicherte Erkenntnis ist. Ballot, Bentley, Voisin, Maybach, Ferrari oder auch Pegaso haben einen festen Stellenwert in der automobilen Historie. So kann die Jury des Concorso, natürlich mit deutlich subjektiver Färbung, über einen gesicherten Fundus befinden. Hier geht es um die gereifte Persönlichkeit der Exponate: Wie steht es um die Originalität, wie ist die Patina zu bewerten, wie gut ist die Restauration? Auch in diesem Jahr ging, wie nicht anders zu erwarten, der Hauptpreis an ein italienisches Fahrzeug. Die Coppa d'Oro di Villa d'Este wurde einem wunderschönen Ferrari 212 Export Spider Vignale von 1951 zugesprochen. Dieser kleine, etwas überrestaurierte schwarz-grüne Roadster wurde ursprünglich an Umberto Marzotto verkauft, der damit einige Rennen bestritt. Heute befindet sich das Fahrzeug im Besitz einer Sammlung in Florida. Preiswürdig gewesen wären darüber hinaus der sensationelle Ferrari 375 Mille Miglia Sport von 1955, ein Maserati A6G/54 Zagato von 1956 oder der legendäre Aston-Martin DB4GT Zagato von 1961. Insgesamt aber bot die Verteilung der Preise Überraschungen. Wo sonst italienische Begeisterung über das eigene Können dominiert, sind 2005 die meisten Pokale an ausländische Fabrikate verteilt worden. Wie offen die Köpfe dieses Jahr waren, kann man daran sehen, dass der Preis für die eleganteste Karosserie an einen Pegaso Z 102 BT von 1955 ging. Ein verdienter Sieg für die Exzentrik! Auch der BMW 507 hatte gute Chancen, zu seinem Fünfzigsten einen Preis zu gewinnen, und das tat er dann auch. Der Preis für das am besten erhaltene Auto ging an den Münchener Klassiker. Als Rolls Royce mit dem elegantesten Aufbau wurde ein Phantom I Picadilly Roadster von 1927 ausgezeichnet. Erfreulicherweise ging der Preis für die sensibelste Restaurierung an einen Kleinwagen. Der Erstling des Jaguar-Gründers Sir William Lyons, ein Austin Swallow Sports Saloon MK II Coupé von 1931, wurde mit diesem Preis bedacht. Problematisch war der Wettbewerb der modernen Konzeptfahrzeuge. Die Auswahl war dürftig: Neben dem originellen Renault Zoé waren unter anderem der wuchtige, aber stimmige Bertone Villa, Nissans Quashquai, Giugaros Alfa Romeo Visconti und Peugeots Ferrari-Kopie 907 angetreten. Der Rest der Teilnehmer war nicht wettbewerbstauglich, abgesehen vielleicht von Rinspeeds Senso, der mit einem originellen Konzept aufwarten konnte. Dass ausgerechnet Peugeots Ferrari-Plagiat den Design-Award zugesprochen bekam, läßt Zweifel an der Kompetenz der Jury aufkommen. Die Herren hätten nur eine Runde ums Hotel gehen müssen, um zwei bestens gepflegte Ferrari 275 GTB "Long Nose" von 1964 zu sehen. Dessen erstaunliche Verwandtschaft mit dem Peugeot wäre ihnen möglicherweise nicht verborgen geblieben "Zitieren" in diesem Umfang sollte eigentlich nicht belohnt werden. Bedauerlicherweise fiel der Sonntag ins Wasser. Pininfarina wollte den eigenen 75. Geburtstag mit einer Reihe hochkarätiger Studien feiern. Das Wetter war jedoch so schlecht, dass die Prototypen entweder ganz oder teilweise unter den Folien bleiben mussten.
(Text: Rainer Roßbach )
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