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Maybach Exelero: Dunkle Materie
12.05.2005
Ende der 30er Jahre beauftragte der Reifenhersteller Fulda den renommierten Hersteller für Spezialkarosserien "Dörr und Schreck" in Frankfurt, einen Wagen mit Stromlinien-Karosserie für Hochgeschwindigkeits-Reifenversuche zu konstruieren. Hintergrund dieses Vorhabens war die sich zu dieser Zeit beschleunigende Entwicklung in der Fahrzeugfertigung und im Ausbau des Straßennetzes. In den dreißiger Jahren revolutionierten die neuen Autobahnen den Automobilbau. Bisher ungekannte Dauerhöchstgeschwindigkeiten stellten neue, höhere Anforderungen an Mechanik, Bremsen und Reifen, und die Formgebung brachte den neuen Typus des "Autobahn-Wagens" hervor. Fulda greift mit der Studie "Exelero" diese Tradition auf: Um eine neu entwickelte Breitreifengeneration ins rechte Licht zu setzen, gab der Reifenhersteller eine Sonderanfertigung auf Maybach-Basis in Auftrag. Die DaimlerChrysler-Luxusmarke lieferte daraufhin eine formal und konzeptionell problematische Interpretation des historischen Stromlinienfahrzeugs aus den 1930er Jahren, das damals ebenfalls auf einem leistungsstarken Maybach (SW 38) aufbaute. Schon die reinen Leistungsdaten sind gewaltig: 700 PS aus einem 6 Liter-V12-Biturbo sorgen für ein extremes Drehmoment vom 1020 Nm bei 2500 U/min, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 351,45 km/h.
Das Design ergänzt die ungezügelte Kraft durch brachial-elegante Formen: Möglicherweise kann man die 30er Jahre dieses gewalttätige und auf Zeichen versessene Jahrzehnt nur in einem solchen Kanon aus aggressiven und fließenden Formen interpretieren. Wie in den Batman-Filmen der 90er Jahre verbinden sich Symbole der Düsternis mit den Insignien des unbegrenzten und oft auch morallosen Reichtums. Man kann sich jederzeit vorstellen, wie Bruce Wayne erschöpft und melancholisch sein Fledermaus-Köstüm ablegt und mit dem Maybach-Coupé zum Dinner mit der "Katze" nach Gotham-City fährt. Sowohl die Filme wie auch das Auto verzichten auf jede Ironie: Der aggressiv die Zähne zeigende Kühler, die geschlitzen Augen, die übertrieben flache Silhouette sowie die scharf aufragenden Rückleuchten strahlen eine dunkle Ernsthaftigkeit und Gewalt aus, die der maßlosen Hoffnungslosigkeit des Filmhelden entspricht.
Eine Serienfertigung ist nicht geplant und das ist gut so. Denn genau wie das "Rosemeyer"-Projekt von Audi bedient sich der "Exelero" einer Designsprache, die unreflektiert auf die Formen der Dreissiger Jahre zurückgreift und diese ins pathetische überhöht. Der Exelero soll die bislang höchste Ausprägung der Maybach Individualisierungsstrategie repräsentieren, die auf Kundenwunsch auch spezifische Einzellösungen anbieten soll. Angesichts der Zügellosigkeit des Ergebnisses kann man den Verantwortlichen nur zu einer sorgfältigen und genauen Projektbewertung raten. Dass man es im Konzern besser kann, haben die Mercedes-Designer mit dem CLS bewiesen. Das Einzelstück haben Entwickler der Maybach Manufaktur unter Einbeziehung von Studenten der Fachhochschule Pforzheim konstruiert. Gebaut wurde der Exelero bei Stola in Turin (Italien).
(Text: Rainer Roßbach )
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