|
|
|
|
Fiat Chroma 8tto Vu: Die Kunst des Ungefähren
04.06.2005
Fiat bringt einen neuen Croma auf den Markt und keiner hat es gemerkt. Das liegt sicher an der zurückhaltenden Form, die so gar nichts Aufregendes bietet. Der große Turiner versucht eher mit seiner Funktionalität und reichlich Platz zu punkten. Das Studio von Giorgetto Giugiaro war wesentlich an der Entwicklung beteiligt: Um die Möglichkeiten des Konzepts ins rechte Licht zu setzten entwickelten die Italienischen Designer eine "Premium"-Variante, die mit edelsten Ausstattungsdetails glänzt. Zusätzlich griffen sie ins Motorregal des Konzerns und bauten den 3,2-Liter-Maserati V8 mit sequentiellem Sechsgangetriebe ein. Besondere Aufmerksamkeit galt natürlich dem Innenraum. In Zusammenarbeit mit dem italienischen Lederspezialisten "Poltrona Frau" wurden sowohl die vier Einzelsitze wie auch die Türverkleidungen mit besonderer Sorgfalt und handwerklichem Geschick in edle Häute gekleidet. Als Ergänzung kombinierte Giugiaro dessen hellbraunen Ton mit Wurzelholzeinsätzen und -zierleisten. Die hinteren Sitze befinden sich auf einer ergonomisch genau ermittelten Höhe, um einen besonders komfortabelen Zustieg zu bieten. Dazu wurde auch der Schweller in Richtung Fahrzeugboden verlegt, um keine unnötigen Verrenkungen zu provozieren.
Nachdem man auf den komfortablen und dick aufgepolsterten Sitzen Platz genommen hat, findet man in der Mittelkonsole, die sich durch das ganze Fahrzeuginnere zieht, eine Multifunktionseinheit, die unter anderem auch eine Minibar aufweist. Die mittlere Armlehne liegt über einem kleinen Arbeitstischchen, einem Ablagefach und Gläsern, während, genau wie im Flugzeug, durch zwei Hebel die justierbaren Monitore ausgefahren werden können. Die Rücksitze sind, selbstverständlich für ein Auto dieser Komfortklasse, nicht umklappbar, was den Vorteil bietet, das sich der hintere Sitzraum um 50 mm vergrößert. Um den privaten Charakter des Abteils zu sichern sind getönte Scheiben rundum vorgesehen. Um die Insassen beim Öffnen der Kofferraumhaube vor Zugluft und störenden Geräuschen zu schützen, wurde zu Isolationszwecken eine feste Glasscheibe hinter der Ablage montiert. Im Gepäckabteil befinden sich neben den Radhäusern kleine Stauräume mit Klappe, die als abnehmbare Taschen gestaltet sind und als Unterbringung für wichtige Utensilien und Dokumente dienen können. Bündig zur Unterkante der Heckklappe gibt es einen ebenen Ladeboden, unter der sich die Wanne mit Ersatzrad und Werkzeug befindet.
Auch außen wurde die Optik des Serien-Chroma verändert. Chromeinlagen in den Stoßfängern, gleichfarbene Schweller und ein chromumrandeter Frontgrill mit betonten horizontalen Streben werten die Karosserie auf. Rückleuchten mit Rauchglasabdeckung und LED-Einheiten versuchen, die Wertigkeit des Wagen auch in der Rückansicht zu erhöhen. Dazu passt auch, das die beiden Auspuffrohre durch Metallblenden betont werden und dezent auf den Achtzylinder verweisen. Das Resumé ist zwiespältig: Einerseits bietet der Chroma 8tto Vu Luxus und Qualität andererseits bleibt der Charakter dieses Crossover zwischen Van und Combi diffus. Mehr Understatement geht wirklich nicht, aber Fahrzeuge dieser Ausbaustufe beziehen ihren Markterfolg aus Ihrem Charakter und ihrer Persönlichkeit. Wie es um die Fahraktivität eines 3,2-Liter-Frontantriebs bestellt ist, könnte nur ein Fahrbericht klären. Die Persönlichkeit des Chroma allerdings wird bei der gewählten Namensgebung am Fiat 8 V-Sportwagen aus den frühen Fünfzigern gemessen und in diesem Vergleich landet Giugaros Konzept im Nirvana der Belanglosigkeiten.
(Text: Rainer Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||