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Aktualisiert am 11.03.2010
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Das Matra-Museum: Ein Blick in das Geschichtsbuch der "Grande Nation"

22.07.2005

Matra
Le Mans und Matra-Historie zugleich: Der Matra-BRM M620 aus dem Jahr 1966, dahinter der Matra M630 und der M650 aus den Jahren 1967 und 1968

Romorantin Lanthenay, etwa 90 Kilometer östlich von Tours gelegen, ist ein kleines Städtchen mitten in Frankreich. Die Sauldre fließt durch die malerische Ortsmitte, vorbei an einer kleinen Mühle und dem Platz Ferdinand Buisson, auf dem neben dem Kriegerdenkmal die Trikolore im Wind flattert.

So idyllisch war es hier nicht immer. Hinter den Mauern an der Rue des Capucins 17 wurden früher hochgezüchtete Rennwagen gefertigt, zerriss der infernalische Lärm eines 12-Zylinder-Rennmotors beim Probelauf schon einmal die Stille im Ort.

Heute ist der Espace Automobiles Matra ein Museum, aber zwischen 1964 und 1974 schlug hier das Herz der französischen Rennwagenschmiede Matra. Wie der vollständige Name "Mechanique Aviation et Traction" schon vermuten lässt, verbirgt sich dahinter ein staatlicher Raumfahrtkonzern mit Sitz in Paris.

Das Matra-Engagement auf dem Automobilsektor begann 1964 mit der Übernahme des Betriebes von René Bonnet, dessen Konstruktionen oft in Le Mans am Start waren.

Unter der Leitung des jungen Ingenieurs Jean-Luc Lagardere, mit dessen Namen die Geschichte Matras eng verbunden ist, stand die Zielsetzung des neuen Geschäftszweiges schnell fest: die Entwicklung von Straßensportwagen und die Einrichtung einer professionellen Rennabteilung.

Matra
Matra-Formel-1: Vorn der MS120C aus dem Jahr 1972, dahinter der MS120 von 1970 sowie das Weltmeisterfahrzeug von 1969, der MS 80

Aus dem noch von Bonnet konzipierten Mittelmotorfahrzeug mit Namen D'Jet wurde so der erste Matra, der mit dem Matra M530 1967 seinen Nachfolger fand. In den siebziger Jahren entstanden in Kooperation mit Chrysler und Simca der Matra-Simca Bagheera, ein Sportwagen mit drei Frontsitzen, und der Matra-Simca Rancho, ein Großraumfahrzeug im Look eines Geländewagens, allerdings ohne Allrad-Antrieb.

Die Formel-Fahrzeuge und Sportwagen von Matra sorgten rasch für Furore. Der Siegeszug begann in der Formel 3 und führte bereits 1967 zum Gewinn der Formel-2-Europameisterschaft durch Jacky Ickx. Beim Großen Preis von Deutschland 1967, ausgeschrieben für Rennwagen der Formel 1 und 2, vollbrachte der Belgier auf dem Nürburgring das Husarenstück, mit dem Formel-2-Matra bis auf Rang vier der Gesamtwertung in die Formel-1-Phalanx vorzudringen, bis ein technischer Defekt seine beeindruckende Fahrt stoppte. Auch in den zwei folgenden Jahren stellte Matra mit Jean-Pierre Beltoise und Johnny Servoz-Gavin jeweils den Formel-2-Champion, vollzog sich doch in der Grande Nation parallel mit dem Aufstieg Matras eine gezielte Förderung von Nachwuchspiloten. Vor allen Dingen Jean-Pierre Beltoise und Henri Pescarolo eilten in der Formel 2 von Sieg zu Sieg.

1968 folgte der Einstieg in die Formel 1. Während das Team Matra-International unter der Regie von Ken Tyrrell einen Matra MS 10 mit Ford-Motor an den Start brachte, setzte das rein französische Team Matra Sports den MS 11 mit selbst entwickeltem 12-Zylinder-Motor ein. Ken Tyrrell war es gelungen, Jackie Stewart zu verpflichten, im Nationalteam Matra Sports startete mit Jean-Pierre Beltoise natürlich ein Franzose.

Matra
Der M680 gewann 1974 die Markenweltmeisterschaft, unter anderem durch Siege beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans und beim 1000-Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring

Stewart hatte eine bemerkenswerte Saison. Drei Grand-Prix-Siege, darunter der legendäre beim Regen-Grand-Prix auf dem Nürburgring und die Vizeweltmeisterschaft waren eine eindrucksvolle Bilanz für das Premierenjahr in der höchsten Motorsportklasse.

1969 holte sich das Team Matra International mit Jackie Stewart den WM-Titel. Der Schotte gewann auf seinem Matra-Ford sechs von elf Rennen und stand bereits in Monza, drei Rennen vor Ende der Saison, als neuer Weltmeister fest.

Ab 1970 setzte Matra statt des Ford-Motors nur noch eigene 12-Zylinder-Aggregate ein, denen in der Formel 1 aber kein durchschlagender Erfolg mehr beschieden war. Nach drei sieglosen Jahren folgte 1972 der Ausstieg aus der Formel 1.

Fortan konzentrierte sich Matra auf Sportwagen und Prototypen. 1972, 1973 und 1974 konnte das Team aus Romorantin das 24-Stunden-Rennen von Le Mans für sich entscheiden und Graham Hill damit zu einem bis heute bestehenden Rekord verhelfen. Er ist der einzige Automobilrennfahrer, der sowohl die Formel-1-Weltmeisterschaft, das 500-Meilen-Rennen von Indianapolis und das 24-Stunden-Rennen von Le Mans für sich entscheiden konnte. Im harten Zweikampf mit den Ferrari 312 P sicherte sich Matra 1973 auch die Markenweltmeisterschaft. Diesen Triumph konnte man 1974, nach dem Rückzug von Ferrari, mühelos wiederholen.

Matra
Bekannt für seinen infernalischen Sound: der Matra V12-Motor

Am Ende der Saison 1974 wurde die Motorsport-Abteilung geschlossen. Lediglich die Motoren wurden weiterentwickelt und an Teams wie Ligier verkauft. Den letzten Grand-Prix-Sieg mit einem Matra-Motor als Antriebsquelle errang Jaques Laffite 1981 in Österreich.

Für Furore sorgte Matra noch einmal mit dem Projekt P23. Hinter dieser Bezeichnung verbarg sich ein Großraum-Van, der von Renault unter dem Namen Espace auf den Markt gebracht wurde. Mehr als 1.000.000 Fahrzeuge dieses Typs wurden in Romorantin gebaut, bis Renault beschloss, den Espace selbst zu fertigen. Diese weitreichende Entscheidung, vor allen Dingen aber das überraschende Ableben von Jean-Luc Lagadere führte zum Ende von Matra-Automobile im April 2003.

Übrig blieb lediglich das Design-Büro von Matra, das von Pininfarina übernommen wurde.

Ein Rundgang durch das Matra-Museum lässt diese Geschichte wieder aufleben. Der Besucher erhält einen Überblick über die gesamte Palette an Renn- und Straßenfahrzeugen, die hier entstanden sind.

Das Museum ist, außer dienstags, täglich von 09:00 bis 12:00 Uhr und von 14:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Am Wochenende sowie an Feiertagen werden die früheren Werkstore erst um 10:00 Uhr aufgeschlossen.

(Text: Michael Behrndt )
(Fotos: Michael Behrndt )

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