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Oldtimer-Festival Nürburgring: Traditionspflege auf der Nord- und Südschleife
03.07.2005
Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt. Zwar richteten sich die Blicke vieler Freunde des historischen Rennsports am selben Wochenende in Richtung Goodwood, aber das Internationale Oldtimer-Festival um den Jan-Wellem-Pokal bot ebenfalls ein attraktives Programm. Zum 23. Mal lud der Düsseldorfer Automobil- und Motorsportclub 05 e.V. (DAMC 05) zu einer Vielzahl von Einzelrennen und Demonstrationsfahrten an den Nürburgring und viele Aktive und Zuschauer kamen. Die Erinnerung an glorreiche Epochen des Motorsports wurden wieder wach, etwa als die Rennwagen der Gruppe C aus den 80er und 90er Jahren an den Start gingen. Die früheren Can-Am- und Interserie-Rennwagen mit ihren 8-Liter-Chevrolet-Motoren brachten die Luft zum Dröhnen und beim Rennen der Formel-2-Rennwagen keimte die Erinnerung an die Duelle der BMW-Junioren oder an den damaligen Formel-2-König Jochen Rindt wieder auf. Den oftmals liebevoll restaurierten Rennwagen wurde dabei nichts geschenkt. Der Kampf um die Plätze wurde ebenso engagiert geführt, wie zu der Zeit, aus der die Gefährte stammten. Neben den Touren-, Formel- und Rennsportwagen waren auch Motorräder am Start. Klangvolle Namen wie BMW, Laverda, Honda, MV Agusta und Yamaha begeisteren die Zuschauer ebenso wie die Akrobaten auf drei Rädern, die Fahrer und Beifahrer auf den Motorradgespannen. Im früheren Fahrerlager des Nürburgrings reihten sich vor und in den zumeist offenen Boxen historische Fahrzeuge der Extraklasse. Mit einem Mercedes S Rennsport, einem Bugatti 35 B, einem Bugatti 37, zwei Amilcar und einem Hanomag waren sogar sechs Fahrzeuge im Starterfeld, die bereits das Eröffnungsrennen auf dem Nürburgring bestritten hatten. Zu den Attraktionen zählten mehrere Veritas-Rennwagen, jene legendäre Marke, deren zwischen 1947 und 1953 gefertigte Fahrzeuge heute zu den besonders gesuchten Sammlerobjekten zählen.
Sowohl Samstag als auch Sonntag gingen auch diese Fahrzeuge an den Start. Zunächst wurde die Nordschleife in Angriff genommen und die Oldtimer mussten zeigen, was in ihnen steckt. Mit teilweise verwegenen Drifts zeigten die heutigen Fahrer, dass auch sie diese Boliden ohne Servo-Lenkung und Bremskraftverstärker mehr als sportlich bewegen konnten. Wurde dieser Lauf noch durch wolkenbruchartige Regenfälle beeinträchtigt, blieb es beim historischen Event am Sonntag trocken. Dabei wurde die dem Bau des Grand-Prix-Kurses zum Opfer gefallene Südschleife des Nürburgring wiederbelebt. Die neben der damaligen Strecke verlaufende Straße nach Müllenbach wurde ebenso in den Parcours eingebunden, wie die verbliebenen Teile des Südschleifen-Asphalts. Zum ersten Mal seit langer Zeit wurde damit an die Tradition dieses Nürburgring-Teils erinnert. Mit Helmut Kelleners, der 1970 mit seinem March den bis heute nicht übertroffenen Rekord auf der Südschleife hält, war auch einer der damaligen Helden Gast des Veranstalters. 2:38,6 Minuten bedeuteten einen Durchschnitt von 175,8 km/h auf einer Südschleife, die Kelleners heute so beschreibt: "Sie war eng und schwierig und ohne Leitplanken." Fazit: Der DAMC 05 bot Aktiven und Zuschauern ein attraktives, abwechslungsreiches Programm. Ein gut organisierter, reibungsloser Ablauf sorgte auf den Tribünen für durchgehende Unterhaltung. Es herrschte wieder einmal eine familiäre Atmosphäre am Ring, und dies nicht nur wegen der familienfreundlichen Eintrittspreise. Dies macht seit Jahren den Charme des Oldtimer-Festivals aus, das immer noch ein Geheimtip zu sein scheint. Also: nicht weitersagen!
(Text: Michael Behrndt ) |
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