|
|
|
|
24 h von Spa-Francorchamps: Wanderer, kommst du nach Spa ...
07.08.2005
Mit Heinrich Böll und seiner gleichnamigen Erzählung hatte das Großereignis am vergangenen Wochenende in Spa-Francorchamps glücklicherweise nichts zu tun. Gleichwohl bietet die Rennstrecke in den Ardennen, ähnlich wie die Nordschleife des Nürburgrings, dem Besucher noch die Möglichkeit, während eines Rennens den gesamten Kurs zu umwandern und somit viel mehr Eindrücke zu sammeln, als dies von einem festen Tribünenplatz aus möglich ist. An der knapp sieben Kilometer langen Strecke führen innen wie außen Wege entlang und ermöglichen einen phantastischen Blick auf das Renngeschehen, nur gelegentlich durch hohe Zäune beeinträchtigt. Eau Rouge, Stavelot und Blanchimont sind Namen, bei denen die Herzen passionierter Motorsportfreunde höher schlagen. Diese Streckenabschnitte haben eine lange Tradition im Motorsport und bieten auch heute einen hohen Unterhaltungswert. So ist eine Runde um den Ardennenkurs, die im Rahmen der 24 Stunden oder eines 1000-Kilometer-Rennens auch mehrfach zu schaffen ist, nur zu empfehlen. Zum sportlichen Geschehen: Das 24-Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps ist nach dem Klassiker von Le Mans das Langstreckenrennen mit der längsten Tradition in Europa. Ausgetragen als sechster Lauf der FIA-GT-Meisterschaft konnten die Veranstalter ein Starterfeld von 37 Fahrzeugen präsentieren, darunter 15 GT1-Boliden. Als Favoriten galten vier Maserati MC 12 GT1, die allerdings eine solche Distanz noch nie erfolgreich überstanden hatten. Ernst zu nehmende Gegner waren mit zwei Aston Martin DBR9, einem Lister-Jaguar und fünf Ferrari 575M reichlich vorhanden.
Mit zwei Läufen der Tourenwagen-Weltmeisterschaft gab es in Spa ein mehr als attraktives Rahmenprogramm. Der erste Lauf wurde bei trockenem Wetter ausgetragen, der zweite hingegen gleich als Wet-Race eingestuft. Nach heftigem Kampf der BMW- und Alfa-Romeo-Piloten setzten sich die Fahrzeuge aus Bayern am Ende des ersten Laufes durch und belegten mit Dirk Müller, Andy Priaulx und Jörg Müller die drei ersten Plätze. Aufgrund des Reglements gingen die acht erstplatzierten Piloten in umgekehrter Reihenfolge in das zweite Rennen. Fabrizio Giovanardi im Alfa Romeo 156, im ersten Lauf nur Siebter, startete so aus der ersten Reihe und nutze diesen Vorteil zum Laufsieg vor Stefano d'Aste auf BMW 320i und Tom Coronel auf Seat Toledo. Zwar überquerte der BMW-Pilot als Erster die Ziellinie, er wurde aber mit Strafsekunden belegt, weil er in der letzten Runde beim Passieren der Bus-Stop-Schikane eine Abkürzung genommen hatte.
Als pünktlich um 16:00 Uhr das Hauptrennen gestartet wurde, hatten sich die Himmelsschleusen richtig geöffnet und setzten die Fahrbahn regelrecht unter Wasser. Die auf Regenreifen gestarteten Aston Martin DBR9 von Pedro Lamy, Peter Kox und Marc Goossens sowie Stephane Sarrazin, Darren Turner und David Brabham übernahmen rasch die Führung, mussten diese aber bei abtrocknender Strecke abgeben. Spannung bezog das Rennen an der Spitze letztlich nur durch die Frage, ob der Maserati des Vitaphone-Teams die Distanz über durchhält oder nicht. Schon in der ersten Stunde in Führung gegangen, gab die Mannschaft Timo Scheider, Michael Bartels und Eric Van de Poele die Führung nicht mehr ab und sicherte dem italienischen Hersteller den ersten Sieg des Typs MC12 bei einem 24-Stunden-Rennen.
Auch der zweite Rang ging an einen Maserati. Die Mannschaft Philipp Peter, Karl Wendlinger und Andrea Bertolini kam mit 2 Runden Rückstand ins Ziel. Wendlinger und Bertolini übernahmen dadurch die Führung in der Fahrerwertung. Rang drei ging an das Ferrari-Team Gabriele Gardel, Christophe Bouchut, Kurt Mollekens und Vincent Vosse auf einem 550 Maranello. In der GT2-Klasse siegte das Team Lucas Luhr, Mike Rockenfeller und Marc Lieb auf einem Porsche 996 GT3 RSR am Ende souverän mit sechs Runden Vorsprung und fuhr auf Rang sieben der Gesamtwertung. Achtbar schlug sich der ehemalige Radprofi Richard Virenque aus Frankreich. Zusammen mit Francois Labhardt, Philippe Prette und Didier de Radigues belegte Virenque Rang 13 in der Gesamtwertung und Platz 2 in seiner Klasse. Der mehrfache Gewinner in der Bergwertung der Tour de France wusste somit auch in den Ardennen zu überzeugen.
(Text: Michael Behrndt ) |
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||