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Peugeot 20Cup: Zirkuslöwe
30.08.2005
Auch wenn er als Ausdruck eines innovativen, dynamischen Spaßkonzepts angekündigt wird sieht der Peugeot 20Cup eher wie ein rasendes Ersatzteil aus: Eine überproportional große Fronthaube, gekoppelt mit einem riesigen Lufteinlass, steht in einem tragischen Verhältnis zu den zwei kleinen Überollbügeln, die die Schulterlinie des Gefährts überragen. Die Seitenansicht ist nicht besser: Vorne wirkt der 20Cup mit seiner riesigen Frontpartie wie eine flachgelegte Version eines Serien-206, während hinten lediglich die Schwinge des Hinterrads zu sehen ist. Auch bei dieser Studie hat sich wieder die Spaßfraktion des Peugeot-Designteams durchgesetzt, die in den letzten Jahren mit Studien à la 907 oder H2O die Szene bestimmt hat. Obwohl ein Konzept wie der 20Cup nicht den Hauch der Chance auf eine noch so kleine Serienfertigung hat, besteht Peugeot diesmal darauf, dass hier ein Trend für zukünftige Entwicklungen abzulesen ist. So will man sich bei der Entwicklung des angekündigten Prototypen für die Le Mans Endurance Series (LMES) auf dieses Konzept stützen: Naheliegend ist, dass man bei den neuen Langstrecken-Prototypen, genau wie bei den 1992er und 1993er Le Mans-Siegern, wieder auf eine Fronthauben-Gestaltung setzt, die das aktuelle Serienthema variiert. Die grundsätzliche Idee, die im 20Cup steckt stammt aus fremden Quellen. Vom Morgan Threewheeler bis zum Mercedes-Benz F 300 Life Jet hat es immer wieder Dreiräder gegeben, die sportlich waren oder als "visionär" galten. Vor allem an die Tradition der Briten knüpft der 20Cup mit seinem ein auf Leistung ausgelegten Layout an.
Ein Monocoque aus Carbon nimmt das tief liegende Fahrwerk und die mechanischen Komponenten auf. In dem zweisitzigen, getrennten Cockpit sitzt man direkt über der Straße. Durch die geringe Bauhöhe und den quer eingebauten Frontmotor wird der Schwerpunkt abgesenkt und Gewicht auf die angetriebene Vorderachse gebracht. Die Einarm-Hinterachsschwinge dient lediglich der Führung des Fahrzeugs. Der untere Bereich der Karosserie ist als Diffusor ausgestaltet, um den Abtrieb an der Vorderachse zu verbessern. Das Fahrwerk besteht an der Vorderachse aus doppelten Dreiecksquerlenkern mit entkoppeltem Achsschenkel und regelbarem Kurvenstabilisator. Das Hinterrad ist in einer Einarmschwinge mit einer Feder-/Dämpfereinheit aufgehängt, deren Kennung sich über eine Schaltwippe variieren lässt. Der Motor stammt aus der Kooperation zwischen PSA Peugeot Citroën und der BMW Group und kommt erstmals bei Peugeot zum Einsatz. Bei dem noch im Prototypenstadium befindlichen Motor handelt es sich um einen Vierzylinder-Vierventiler mit Benzin-Direkteinspritzung, Turboaufladung und zwei obenliegenden Nockenwellen. Im 20Cup leistet er 170 PS und ein maximales Drehmoment von 240 Nm. Ein sequenzielles, klauengeschaltete Sechsgang-Schaltgetriebe wird über Paddles am Lenkrad betätigt.
Das Fahrzeug wird über eine Zahnstangenlenkung gesteuert, am Lenkrad sind die Schaltwippen angebracht; in seiner Mitte zeigt ein Touch-Screen ein unabhängig von der Lenkradstellung horizontales Bild an, das je nach Einschlagwinkel neu berechnet wird. Über dieses Display können beispielsweise zur Unterstützung des Fahrers die Quer- und Längsbeschleunigungswerte eingeblendet werden. Daneben sind sämtliche Kontrollleuchten des Fahrzeugs in das Display integriert. Die Karosserie ist in Metallic Schwarz oder Opak Weiß lackiert und weist auch unverkleidete Carbonflächen auf; die Wölbung der vorderen Kotflügel ziert ein Löwenkopf. In Längsrichtung verläuft ein roter Streifen über die Karosserie. Das Cockpit ist mit schwarzem Leder bezogen. Gurtkraftbegrenzer an allen Sitzplätzen. Der 20Cup steht auf 18-Zoll-Leichtmetallrädern. Das Hinterrad ist ein so genanntes Käfig-Rad mit zwei abnehmbaren Speichenkränzen. Vorne sind Reifen der Größe 210/65 R18 aufgezogen, hinten ein Reifen der Dimension 377/71 R18. Der dreirädrige Peugeot ist wie eine "Daily Soap" Hier wird ordentlich auf die Pauke gehauen, ohne auf Stimmigkeit, Ästhetik oder einen bleibenden Eindruck zu setzen. Morgan-Dreiräder sind perfekt, weil Technik und Form auf den Punkt gebracht wurden. Der 20Cup ist dagegen nur grotesk, weil formal nichts wirklich passt und der Show der Vorrang gegeben wurde.
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