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Hamburger Stadtpark Revival: Stil, Spaß und Silberpfeile
12.09.2005
Am 3. und 4. September fand in Hamburg das Stadtpark-Revival statt. Mehr als 15.000 Besucher sahen rund 250 historische Renner in Aktion. Im vierten Jahr hat sich das Rennen als in Norddeutschland einzigartige feste Institution etabliert. "Der bläst einem die Ohren frei!", staunt ein begeisterter Zuschauer, als der Auto Union Typ C die Start- und Zielgerade entlangdonnert. Schalldämmung spielte noch keine Rolle, als Mercedes-Benz und der Audi-Vorgänger ihre Silberpfeile gegeneinander ins Rennen schickten. Und man wusste noch nicht, dass eine ausgeklügelte Auspuffanlange die Leistung des Motors weiter erhöhen würde. So bringt der 6-Liter-16-Zylinder-Bolide schon 520 PS auf die Straße: Bei einem im Baujahr 1936 nahezu unvorstellbaren Drehmoment von 850 Newtonmetern. Diese Kraft sicher in Vortrieb zu verwandeln, war schwierig mit dem damals noch geringen Wissen über Aerodynamik: "Das ist der wichtigste Unterschied zu modernen Rennautos", weiß Frank Stippler, Audi-DTM-Pilot, der den Typ 2 an diesem Wochenende über den Hamburger Stadtparkkurs steuert. "Bremsen und Reifen fühlen sich ganz anders an, es fehlt an der Traktion." Ob es eine Ehre ist, solch ein Einzelstück fahren zu dürfen?: "Ach, je nachdem, wie die Fahrer sich mit den Oldies anstellen, darf mal der eine oder der andere ran. Ich habe halt ein Faible für klassische Rennautos." Das haben auch die Fahrer der Youngtimer, Baujahre 1971 bis 1980, die in diesem Jahr zum ersten Mal beim Stadtpark-Rennen an den Start gehen. Und ihre Begeisterung bleibt, auch wenn sie schon mal zu hören bekommen: "Das sind ja nur Gebrauchtwagen." Tatsächlich sind nämlich einige Unikate darunter, ein original VW-Golf-Werksrennwagen etwa oder wo bekommt man schon einen Lada/Shiguli 2101 zu sehen? Und wenn die Youngtimerfahrer das vielleicht etwas unscheinbare Aussehen ihrer Fahrzeuge durch Engagement im Rennen auszugleichen versuchen, kommt das Publikum doch auf seine Kosten. Anders als bei den Demoläufen und Gleichmäßigkeitsprüfungen der anderen Wagenklassen geht's hier schon zur Sache. Es gibt tatsächlich Überholmanöver auf dem engen, nur 1,7 Kilometer langen Stadtparkkurs. Siegeswille, bis es knirscht: Besagter Golf blieb am Sonntag mit einem Getriebeschaden liegen.
Etwas abseits der Rennstrecke sind die vier- und zweirädrigen Schönheiten aller Baujahre in den Fahrerlagern zu besichtigen. Jeder Besucher hat freien Zutritt hierhin und der besondere Zugang zu den Fahrern und Mechanikern findet sich in einem beiderseits willkommenen Schraubergespräch schnell. Man ist zu Recht stolz auf seine Schätzchen und will darüber reden. Hier und da werden noch Radmuttern nachgezogen oder an Zündung und Vergaser nachgebessert, liebevoll ist jedes Fahrzeug für diese Veranstaltung herausgeputzt. So ausstaffiert hatten sich die Veranstalter auch die Teilnehmer gewünscht: Um dem Revival das nostalgische Flair zu geben, sollten die Fahrer und Besucher in möglichst originalen Monturen erscheinen. Kaum jemand ist dem Aufruf gefolgt. Die Fahrer der Rennautos tragen mehr oder weniger moderne Overalls, die der Alltagsoldies stecken in Alltagskleidung. Anders Johann Edert aus Bornhöved. Klischeehaft französisch mit Baskenmütze und Weste steht er neben seinem Citroën 11CV von 1954. "Hierfür habe ich die Kleiderspende geplündert und jetzt soll ich zum Fahren einen Helm aufsetzen", wundert sich der Vollblut-Oldtimer-Enthusiast. Sein Auto hat er selbst restauriert, 30 Jahre lang, und sich damit einen Lebenstraum erfüllt. Schade, dass er anscheinend fast der einzige mit einem ganzheitlichen Stilverständnis auf dem Gelände ist.
Stilverständnis anderer Art zeigt Horst Weber, der sich bei Audi Motorsport um "die Babys", wie er die klassischen Rennfahrzeuge nennt, kümmert. Der Typ C, den er hier vorführt, stammt nämlich tatsächlich aus dem Jahr 1998. Das einzige nach dem Krieg in Deutschland verbliebene Original wurde 1980 bei Audi restauriert, durfte einmal um den Nürburgring fahren und wurde dann ins Deutsche Museum nach München verschafft. "Aus heutiger Sicht wohl ein Fehler", räumt er ein. Der Nachbau ist allerdings originalgetreu bis hin zur kleinsten Schraube. Original ist auch die Startprozedur: Eine Dreiviertelstunde dauert der Vorlauf. In der Zeit werden Wasser und Öl auf 60 Grad erwärmt, das geschieht in einem teilweise externen Kreislauf. Der Vergleich mit einer Herz-Lungen-Maschine auf der Intensivstation drängt sich auf. "Dann springt er sofort an, wenn er einverstanden ist - zu 99 Prozent ist er einverstanden", schwärmt Weber. Ist die Temperatur erreicht, wird der Wagen zum Vorstart geschoben, wo sich sogleich eine große Schar Schaulustiger einfindet. Ein Mechaniker setzt den mobilen Anlasser hinten auf die Welle und startet. Er braucht zwei Anläufe, um die 16 Zylinder in Schwung zu bringen. Dann brodelt das Triebwerk in einem himmlischen Donnergrollen los. Frank Stippler gibt Gas und fliegt das Geschoss an einer begeisterten Menge vorbei durch den Hamburger Stadtpark.
(Text: www.oldtimer-info.de/Frank Tiedemann ) |
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