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Aktualisiert am 31.12.2011
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Audi S8: Herz-Transplantation

05.11.2005

Audi S8
Mehr Luft für Motor und Bremse macht die Front aggressiver.
Doppelpfeil

Audis neuer S8 kommt einem seltsam bekannt vor, obwohl er sich von seinen Vorgängern deutlich unterscheidet. Das Konzept, einen leistungsstarken und hoch drehenden V10-Motor in die Nase einer Limousine der gehobenen Mittelklasse zu verpflanzen, hat der andere bayerische Hersteller schon vor gut einem Jahr erfolgreich umgesetzt. Von einem Plagiat zu sprechen, wäre aber trotzdem unangemessen. Denn einerseits bot sich diese Kombination für Audi durchaus an, hat man doch bei der angegliederten Sportwagenmanufaktur Lamborghini genau so einen Motor für den Gallardo konstruiert, andererseits unterscheiden sich die beiden Fahrzeugkonzepte, sieht man genauer hin, deutlich.

Die Transplantation des Gallardo-Triebwerks in den Sport-S8 ist eine typische Win-Win-Situation. Audi bekommt mit vergleichsweise geringem Aufwand einen Hochleistungsmotor, der dem S8 innerhalb der Achter-Reihe eine deutliche Exklusivität verleiht und gleich auch noch die aktuellen Trends in dieser Klasse aufnimmt und Lamborghini kann größere Stückzahlen fertigen, die die Motorenentwicklung schneller profitabel werden läßt.

Allerdings beläßt man es bei Audi nicht dabei, einfach nur das Aggregat zu übernehmen, es wurde deutlich weiterentwickelt und an die hauseigene Motorenlinie angepaßt. Der nun 450 PS starke V10 zählt zur neuen Generation der V-Motoren von Audi, die einheitlich auf 90 Grad Zylinderwinkel und 90 Millimeter Zylinder-Mittenabstand ausgelegt sind. In der Bohrung ist er von 82,5 auf 84,5 mm vergrößert, der Hub beträgt 92,8 mm, der Hubraum 5.204 cm3. Eine Bedplate-Konstruktion versteift das aus Aluminium gegossene, sehr kompakt bauende Kurbelgehäuse.Mit seinem Hubzapfenversatz von 18 Grad zündet der V10 im idealen Abstand von 72 Grad Kurbelwinkel. Eine im V gelegene Ausgleichswelle eliminiert die so genannten freien Massenmomente erster Ordnung. Alle vier Nockenwellen lassen sich je nach Last und Drehzahl kontinuierlich um 42 Grad Kurbelwinkel verstellen, um die Füllung der Brennräume zu optimieren und damit die Leistung zu verbessern. Sie werden von wartungsfreien Ketten angetrieben und öffnen die 40 Ventile über Rollenschlepphebel. Der V10 im neuen Audi S8 nutzt die Benzindirekteinspritzung FSI und schlägt so eine Brücke zum Motorenprogramm der Basisversionen. Die Common Rail-Einspritzanlage fördert den Kraftstoff mit bis zu 100 bar Druck direkt in die Brennräume, wo er mit einem Verhältnis von 12,5 : 1 verdichtet wird. Damit bringt es der V10 auf 450 PS bei 7.000 1/min. 90 Prozent des Drehmoments liegen bereits bei 2.300 1/min an, maximal werden 540 Nm bei 3.500 1/min erreicht. Mit rund 220kg ist der Motor eher ein Leichtgewicht in dieser Klasse.

Audi S8
Auch von hinten dezent: Selbst den Spoiler sieht man erst auf den zweiten BLick.
Doppelpfeil

Der restliche Antriebsstrang ist Audi-typisch. Ohne Quattroantrieb ist eine Leistungsvariante aus Ingolstand nicht vorstellbar, 25 Jahre Tradition verpflichten. Daher hat auch der neue S8 natürlich Allradantrieb. Ein zentrales Mittendifferenzial, längs im Antriebsstrang eingebaut, verteilt die Kräfte je nach Bedarf auf die Vorder- und die Hinterachse. Im Normalfall fließen 40 Prozent nach vorn und 60 Prozent nach hinten - diese leicht hecklastige Auslegung des Audi S8 ist sicherlich eine Reaktion auf den Erfolg heckgetriebener Autos in dieser Klasse. Der Regelbereich des rein mechanischen Differenzials ermöglicht , bis zu 85 Prozent der Kräfte auf die hintere und maximal 65 Prozent auf die vordere Achse zu leiten.

Während man bei der Konkurrenz auf automatisch geschaltete sequenzielle Getriebe setzt, hat der neue S8 eine sechsstufige tiptronic an Bord. Um dem Charakter einer Limousine gerecht zu werden, ist die Endübersetzung der Automatik kürzer als beim A8, der deutlich höhere Komfort einer Wandlerautomatik bleibt jedoch erhalten und setzt den S8 auch klar vom Mitbewerber ab.

Das macht auch das Fahrwerksdesign deutlich: Kompromisslose Sportlichkeit stand nicht im Lastenheft. Basis des S8 bildet das luftgefederte Fahrwerk des Audi. Die Lenker bestehen aus Aluminium; als Vorderradaufhängung dient eine Vierlenkerkonstruktion, und im Heck sitzt eine spurgesteuerte Trapezlenkerachse. Im S8 wurde diese Konstruktion in einigen Details überarbeitet. Beim S8 wurden die Kennlinien der Luftfedern und der in die Federbälge integrierten Stoßdämpfer noch etwas straffer ausgelegt. Reduzierte Wank- und Nickbewegungen sollen dadurch für ein sportliches Fahrgefühl sorgen. Auch die Elastokinematik der Gummilager in den Achsen wurde dem Charakter des S8 angepasst. Die Lenkung mit ihrer variablen Übersetzung wurde um etwa zehn Prozent direkter übersetzt, um das Handling spontaner zu machen. Die adaptive Dämpfung passt dabei die Federcharakteristik an die jeweilige Fahrsituation an. Gegenüber der Basis-A8-Limousine ist der S8 20mm tiefergelegt, die adaptive Dämpfung erlaubt aber eine variable Bodenfreiheit von 95 bis 125 mm. 18-Zoll-Räder und eine groß dimensionierte Bremsanlage mit vier innenbelüfteten Scheiben runden das Fahrwerk des S8 ab.

Audi S8
Der Motor ist ein Lamborghini-Herz mit Audi-Beigaben
Doppelpfeil

Außen präsentiert sich der S8 dezent-sportlich. Nur wenige Applikationen deuten auf das vergrößerte Leistungspotential hin. Der große Singleframe-Grill ist in Platinumgrau gehalten und trägt einen S8-Schriftzug. Seine vertikalen Streben sind verchromt. Unter dem Grill sind drei niedrige Lufteinlässe in die Frontschürze eingeschnitten. Die beiden großen Lufteinlässe unter den Scheinwerfern tragen Waben-Gitter.

Dazu kommen Embleme auf den Kotflügeln, Türgriffe mit Alu-Leiste und Außenspiegelgehäuse in Aluminium-Optik. Am Heck signalisieren der S8-Schriftzug, ein in den Kofferraumdeckel integrierter Spoiler, eine dezente Lichtkante in der Schürze und eine Auspuffanlage mit vier elliptischen Endrohren die Leistungsvariante.

Auch innen bleibt es bei der eleganten Linie. Die Bi-Color-Sitze mit zusätzlich farbig abgesetzten Nähten sind dem S8 vorbehalten. Die Türeinstiegsleisten tragen S8-Schriftzüge, die Dekorleisten bestehen aus gebürstetem Aluminium beziehungsweise aus Carbon. Das dreispeichige Multifunktions-Sportlederlenkrad mit dem S-Schriftzug trägt farbig abgesetzte Nähte und hat Schaltwippen in Aluminium-Optik. Beim Wählhebelknauf kommen Leder und Aluminium zum Einsatz. Die Nadeln der Instrumente sind in Weiß gehalten, ihre Skalen in Hellgrau und ihre Ziffern in S-typischer Kursivschrift.

Die Fahrleistungen sind gut, bleiben aber hinter denen kompromissloser Sportlimousinen zurück. 1940kg muss der Motor beschleunigen, bei einem Leistungsgewicht von 4,31kg pro PS spurtet der Audi S8 in 5,1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Bei 250 km/h wird der Vortrieb elektronisch abgeregelt. Zum Vergleich: Der M5 kommt auf 3,5kg/PS und bleibt damit unangefochtener Spitzenreiter. Aber die klare Komfortausrichtung mit hohem Leistungspotential des S8 positioniert die beiden Fahrzeuge trotz ähnlicher Motorparameter in vollkommen andere Segemente, die Ähnlichkeit ist rein zufällig.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach )

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