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Mini Concept "Traveller": Diversifikation
20.11.2005
1960 präsentierte Austin den viersitzigen Mini Estate mit erweitertem Stauraum unter den Typenbezeichnungen Austin Seven Countryman und Morris Mini Traveller. Der Name "Traveller" legt nahe, dass man bei diesem Modell nicht nur an die Transportbedürfnisse von Handwerkern dachte. Vor allem das Holzfachwerk, das ab der B-Säule montiert war, macht den Mini Kombi zur Ikone. Technisch basierte der Mini Estate auf dem zweisitzigen Mini Van, der bereits im Januar 1960 vorgestellt wurde. Gegenüber dem Ur-Mini wuchs die Außenlänge von 3.050 auf 3.300 mm und der Radstand um 110 mm auf 2 140 mm, die Dachlinie wurde um 10 mm angehoben. Mit verstärktem Fahrwerk und höherer Zuladung entsprach er den Anforderungen an einen Transporter. Das Konzept überzeugte, so dass erst 1969 mit dem Mini Clubman Estate einer verbesserte Version gebracht wurde. Insgesamt verkaufte sich der Mini Estate gut: Zwischen 1960 und 1982 wurden mehr als 400 000 Einheiten abgesetzt. Die Exemplare, die überlebt haben, sind in der klassischen Miniszene heiß begehrt. Grund genug also für BMW, sich über eine Studie zum Thema "Traveller" Gedanken zu machen. Natürlich kommt man heute mit dem intelligenten Purismus eines Alec Issigonis nicht mehr weit. Komfortmerkmale, Sicherheitsausstattungen sowie die gestiegenen Ansprüche des Publikums an Qualität und Design fordern ihren Tribut. Trotzdem haben sich die Designer der Studie bemüht, alle Funktionen mit genauen Nutzwerten zu belegen. Vor allem aber spielt das Design eine entscheidende Rolle, wie man an der präzisen Ausarbeitung der Details leicht feststellen kann. Der Gesamt-Auftritt dieses Konzeptfahrzeuges ist typisch Mini: Oktagon-Kühler, straffe und glatte Flächen sowei die ausgeprägte Schulter teilt die Studie mit ihren Serienbrüdern. Der Verzicht auf eine B-Säule, die symmetrisch geteilte Doppeltür am Heck und die geteilten hinteren Seitenscheiben geben ihr jedoch einen spezifischen "Estate"-Stil. Dass diese Stilmittel in einer coupéartigen Optik zusammen geführt werden ist jedoch neu.
Wichtigstes Ziel bei der Entwicklung war vor allem die gute Benutzbarkeit. Um Beladen und Einsteigen möglichst einfach zu machen kommen für alle vier Türen (Fahrer-/ Beifahrer-/Hecktüren) Aufhängungen mit Parallelogramm-Kinematik zum Einsatz. In einer einzigen Bewegung schwenken sie gleichzeitig zur Seite und nach vorne und bieten so den größtmöglichen Zugang nach innen. Die hinteren seitlichen Schiebefenster werden elektrisch geöffnet, dabei wird der vordere Teil parallel unter den hinteren Teil geschoben. Durch den langen Radstand lassen sich die beiden hinteren Sitze gut erreichen, während gleichzeitig die Karosse eine sportliche Anmutung erhält. Der Laderaum verfügt über eine flexible Cargobox, deren Deckel sich nach hinten ausziehen lässt und dem Benutzer als Einladehilfe entgegenfährt. Zudem lässt sich die durchsichtige Abdeckung der Cargobox auch nach oben schwenken und dient so als Trennwand zwischen Passagier- und Laderaum. Der hintere Teil des Daches lässt sich öffnen und zum Einladen nutzen. Beim Einsteigen offeriert das Mini-Konzept einen großzügigen Eindruck, der durch den komplett frei liegenden Fussboden erreicht wird. Nur die Mittelkonsole beansprucht Fußraum und hier sind auch die "schwebenden" Sitze aufgehängt. Das schwebende Armaturenbrett unterstützt ebenfalls diesen Eindruck. Vier Personen finden Platz. Die Lehnen der Rücksitze können einzeln umgeklappt werden und bilden dann eine ebene Fläche mit dem Stauraumboden. Die zwischen den beiden Sitzen liegende Mittelarmlehne ist in die ebene Fläche integriert und bietet ein zusätzliches Staufach. Die optisch bestimmenden Materialien sind Leder, Chrom und Aluminium. Warme, natürliche Oberflächen werden durch kühl wirkende, metallische Oberflächen ergänzt. So bestehen die Verkleidungen der Türinnenseiten aus einem aluminiumbeschichteten Glasfaser-Geflecht, das Teppichmaterial besteht aus einem Nylongeflecht und der Fußraum wird zusätzlich durch Teile in Carbonfaser-Optik akzentuiert. Für großzügige Lichtverhältnisse sorgt ein nahezu über die gesamte Dachlänge reichendes Sonnendach. Und ganz im Sinne der Funktionalität bietet die Studie einen Zugang zum Innenraum über das Dach. Denn der hintere Teil des Dachs lässt sich à la Renault Fourgonette öffnen. Lange Gegenstände ragen dann einfach oben aus dem Dach hinaus statt aus dem Heck.
Außen herrscht eine puristische Ästhetik mit einem Mix aus weißen und silbernen Oberflächen vor, die das Experiment mit neuen Materialien nicht scheut. Die Lackierung mit Chameleon-Effekt ändert ihre Farbe mit jedem neuen Blickwinkel des Betrachters. In einem Spannungsbogen zwischen Uni-Ton und Metalliclack erscheinen die Partien, die nicht im direkten Blickfeld liegen, in einem edlen Grauton. Auch Neopren findet im Außenbereich Verwendung. Dessen edle seidig-matte Oberfläche kontrastiert mit dem hochglänzenden Satellite Silver der Karosserie. Dazu gibt es eigenwillige Gegensätze zwischen der harten Oberfläche von Türen und Kotflügeln und der Weichschaum-Struktur der Neopren-Kontur. Mattes und poliertes Aluminium akzentuieren die C-Säulen, den Kühlergrill, vordere Lichteinfassungen und die Endrohre des Auspuffs. Der sportliche Auftritt wird noch durch die vorne angeschlagene Motorhaube verstärkt, wobei Kotflügel und Kühlergrill mit der Motorhaube ein homogenes, fugenloses Bauteil bilden. Wie bei einem klassischen Sportwagen schwenkt es beim Öffnen nach vorne und oben, nur die Scheinwerfer bleiben unverändert in ihrer Position.
(Text: Rainer Roßbach ) |
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