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Aktualisiert am 31.12.2011
© 2011 virto GmbH
VW Golf 90 TDI: Nutzfahrzeug

30.04.2005

Golf V: Keine Experimente
Golf V: Keine Experimente
Lupe

Warum VW beim Start der fünften Auflage seines Erfolgsmodells Golf auf den 90PS-Diesel verzichtete, das eine der meistverkauften Varianten des Vorgängermodells war, ist nicht nachzuvollziehen. Immerhin, inzwischen gibt es sie wieder, sie schließt die recht große Lücke zwischen dem 75PS und dem 105PS-Motor. Der Golf V versucht einen schwierigen Spagat. Einerseits muss er nahtlos in die Reihe der Vorgänger passen und sofort als Golf wiedererkannt werden, andererseits muss er neu wirken, um so die Kunden zum Umstieg auf ein neues Auto zu veranlassen. Wenn man eine Formensprache in der fünften Generation baut, gehen einem wohl die Ideen aus. Mit dem Heckleuchten-Design des Touareg sieht der Golf eher aus wie eine gut gemachte Modellüberarbeitung. Das bestätigt sich auch im Straßenbild. Der neue Golf ist schon in großer Stückzahl produziert und ausgeliefert, aber er geht in der Masse seiner Vorgänger unter. Noch am auffälligsten sind die Seitenblinker in den Außenspiegeln, die man sich bei Mercedes abgeschaut hat. Insgesamt leidet der Golf an der Qualität seiner Vorgänger und am Anspruch seiner Käufer. Ein gutes Auto zu verbessern, ist schwer, es so zu verbessern, daß es am Ende nicht mehr kostet, noch schwerer, und wenn die Käufer keine Experimente honorieren, hat der Entwickler kaum Spielraum. Den Schritt, den Renault mit dem Megane gewagt hat, ist für Volkswagen wohl nicht zu gehen.

Auch der neue Golf hat genau die Eigenschaften, die man von einem Auto dieses Zuschnitts von VW erwartet. Auf einer kompakten Grundfläche bietet er reichlich Platz für alle Passagiere. Selbst bei voll zurückgeschobenen Vordersitzen bleibt den Passagieren im Heck noch ausreichend Beinraum, um sich wohl zu fühlen und auch eine längere Reise gut zu überstehen. Zwei Mitfahrer finden komfortabel Platz, ein dritter ist möglich, da sowohl ein Dreipunkt-Gurt als auch eine Kopfstütze für ihn vorhanden sind, er muss sich dann aber mit den anderen beiden Mitfahrern gut vertragen, für drei Kindersitze reicht es aber immer. Vorn ist der Platz üppig. Die Sitze sind straff, bieten guten Seitenhalt und bleiben auch auf längeren Strecken bequem. Für Langbeinige sind die vorderen Sitzflächen etwas kurz geraten. Der Fahrersitz ist höhenverstellbar, eine einfache Klimaanlage und ein Radio mit CD-Laufwerk gibt es auch. Ansonsten ist die Serien-Ausstattung eher mager: Elektrische Fensterheber, eine fernbedienbare Zentralverriegelung und elektrisch verstellbare und beheizbare Aussenspiegel müssen genügen, der Rest steht in der Aufpreisliste.

Auch die Heckleuchten sind alte Bekannte
Auch die Heckleuchten sind alte Bekannte
Lupe

Große Ablagen in den Türen und in der Mittelkonsole nehmen den Kleinkram des täglichen Bedarfs auf, selbst das Handschuhfach nimmt mehr als die Betriebsanleitung auf. Große Instrumente, im Dunkeln traditionell blau beleuchtet, informieren über alles Wissenswerte rund um Auto und Motor. Die Chromumrandungen der Instrumente sehen zwar chic aus, stören aber bei Nachtfahrten in der Stadt. Die Straßenbeleuchtung spiegelt sich in ihnen und sorgt für einen rhythmisch umlaufenden Lichtreflex. Die Heizung und die Klimaanlage arbeiten schnell und effektiv, besonders die Kaltluft wird schnell im Auto verteilt. Der Kofferraum ist zwischen 350 und 1184 Liter groß und gut zu beladen. Selbst das Urlaubsgepäck einer Familie nimmt er problemlos auf. Die Rücksitzlehnen lassen sich asymmetrisch umklappen, die Sitzflächen bleiben allerdings am Platz, so dass die Ladefläche dann nicht ganz eben ist. Wenigstens an der Heckklappe findet sich etwas Stil: Zum Öffnen der Klappe wird das große Markenlogo betätigt, die Entriegelung erfolgt elektrisch und damit sehr leicht und die Heckklappe schwingt so weit auf, daß auch großgewachsene Menschen aufrecht unter ihr stehen können. Alles ist perfekt verarbeitet, funktioniert, passt und ist aus hochwertigem Material. Nichts wirkt billig. Nur richtig wohnlich ist der Golf V nicht, er hat den Charme einer mit viel Geld renovierten Amtsstube.

Das Fahrwerk ist für deutlich höhere Motorleistungen ausgelegt, mit der 4-Lenker-Hinterachse bietet Volkswagen mehr als die Konkurrenz. Ob dieser Aufwand allerdings notwendig war, um dem Golf gute Fahreigenschaften und Komfort zu geben? Immerhin liegen Astra, Megane und Focus ähnlich gut auf der Straße. Es hat jedenfalls nicht geschadet. Der Golf V ist zwar straff, aber nicht unkomfortabel. Besonders der Autobahnkomfort ist hoch, schlechter Fahrbahnbelag, in Deutschland ja keine Seltenheit mehr, quittiert er allerdings polternd. Schnell gefahrene Kurven umrundet der TDI 90 leicht untersteuernd, die Seitenneigung ist dabei deutlich geringer als beim Vorgänger. ABS, EPS, ASC und ein Bremsassistent schützen den Fahrer dabei, wenn er seine Künste überschätzt hat. Auch ohne diese Hilfen sind die Bremsen gut dosierbar. Wer Heckmotorfahrzeuge gewöhnt ist, wird den Golf etwas schwerfällig finden, aber die Lenkung ist präzise und direkt.

Der 90PS-TDI ist ein Diesel von altem Schrot und Korn. Er zieht kraftvoll aus niedrigen Drehzahlen ohne jedes Turboloch, wird aber über 2000 1/min recht laut. Überhaupt kann der Golf mit diesem Motor sein Verbrennungsprinzip nicht verleugnen, ein kerniges Dieselnageln ist immer präsent. Hohe Drehzahlen sind nicht seine Stärke, aber die braucht man auch nicht, solange man ruhig im Verkehr mitschwimmen will. Das Getriebe läßt sich leicht schalten, bietet aber nicht die Präzision mancher japanischen Räderwerke.

Die Leistungsdaten sind angemessen, das maximale Drehmoment von 210 Newtonmetern steht zwischen 1.800 und 2.500 1/min bereit, von 0 -100km/ beschleunigt der TDI 90 in 12,9 Sekunden, maximal sind 176 km/h möglich. Damit ist man dem Alltagsverkehr jederzeit gewachsen. Der Testverbrauch von 6.2 l /100km ist nicht gerade Weltrekord, aber gut genug, um den Golf zu den preiswert zu betreibenden Fahrzeugen rechnen zu können.

Funktional ist also wenig gegen den aktuellen Golf zu sagen. Leider fehlt dem Auto innen wie außen allerdings etwas Ambiente. Der Golf V ist ein perfektes Nutzfahrzeug, das keine Emotionen weckt. Als Transportmittel ist er bestens geeignet, und er ist der ideale Drittwagen, neben dem kapriziösen italienischen Sportwagen und dem Cabrio für die Sonnentage, aber er bietet nichts fürs Herz. Ein Auto, das man mag, weil man sich darauf verlassen kann, das man aber leichten Herzens abstösst, wenn es verbraucht ist.

(Text: Dieter Roßbach )
(Bild: Dieter Roßbach )

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