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BMW 750i/iL: Perfekte Synthese
01.04.2005
Selten ist ein BMW-Modell so kontrovers diskutiert worden wie der Siebener mit der Code-Nummer E65. Das hat sich auch fast vier Jahre nach seinem Debut nicht geändert. Trotzdem ist das aktuelle Modell das erfolgreichste aller Siebener. Auf allen Märkten wurden mehr von ihm verkauft als vom Vorgänger. Änderungen bei der Motorenpalette erforderten nun Anpassungen an der Frontgestaltung, ein willkommener Anlaß für Chris Bangles Team, den Wagen, der noch von seinem Vorgänger stammt, so zu überarbeiten, daß der Charakter des Autos erhalten bleibt, die meisten Kritiker aber trotzdem mit dem Topmodell der Marke wieder versöhnt. Bedingt durch die technischen Anforderungen, die neuen Motoren brauchen größere Lufteinlässe, sind die Änderungen nicht nur kosmetischer Natur. Dabei ist den Designern ein Kunststück gelungen: Die Grundstruktur des Autos blieb unangetastet, das Dach, die Türen und die hinteren Kotflügel sind unverändert, neu sind nur die Motorhaube, die Heckhaube, die Front- und Heckschürze und die Seitenschweller. Alleine mit diesen kostengünstigen Maßnahmen und einer um 7mm verbreiterten Spur verwandelt sich der Siebener zu einer dynamischen Sportlimousine. Besonders die Kurzversion reiht sich optisch viel deutlicher in die BMW-Linie ein. Die neu gestaltete Front wirkt nun glatter, statt optische Brüche ist Harmonie angesagt. Die Niere ist nun breiter und höher, wirkt aber, da sie nun tiefer in die Stoßstange integriert ist, nicht mehr so aufgesetzt wie beim alten Modell. Die nun bei allen Modellen serienmäßigen Xenon-Scheinwerfer mit weißen Blinkereinsätzen strecken die Front deutlich. Zwei Kanten verbinden die A-Säule mit der Niere, die dadurch gewonnene Höhe kommt dem Füßgängerschutz und den neuen Motoren zugute.
Den größten Eingriff erfuhr der Heckdeckel . Die neu gestaltete Abrisskante gibt dem Karosserieabschluss nicht nur mehr Schwung, sie reduziert den Auftrieb bei hohen Geschwindigkeiten um rund 50 Prozent. Durch diese Maßnahme stabilisiert sich der Siebener bei hohem Tempo auf der Autobahn deutlich, im normalen Alltagsverkehr merkt man von dieser Verbesserung natürlich wenig. An den bekannt guten Fahrqualitäten des Siebeners hat sich trotz leicht geänderter Achskinematik und breiterer Spur wenig geändert. Komfort bei verbindlichem Fahrverhalten ist die Stärke des Siebeners. Je nach Geschmack und Temperament stehen dem Käufer drei verschiedene Varianten zur Auswahl. Neben dem Serienfahrwerk kann er eine Sportabstimmung oder das Adaptive Drive-Paket wählen, mit dem auch die Testfahrzeuge ausgestattet waren. Die Langversion hat zudem eine Niveauregulierung in Form einer Luftfederung an der Hinterachse. Diese Fahrwerksautomatik arbeitet unauffällig und wirkungsvoll, alle manuellen Eingriffsmöglichkeiten dienen eher dazu, den Spieltrieb des Fahrers zu befriedigen, eine Verbesserung gegenüber dem Automatikbetrieb ist nicht zu erreichen. Läßt man die Elektronik regieren, so hat man immer besten Komfort und gleichzeitig optimale Fahreigenschaften bei sportlicher Fahrweise, zumindest, solange man von der Rennstrecke fern bleibt. Die um 14mm breitere Spur hat auch kosmetische Bedeutung. In Kombination mit der stärker eingezogenen Heckschürze, dem höheren Heckdeckel, den geänderten Rückleuchten und der Chromleiste wirkt die Rückansicht nun wie aus einem Guß und bringt das Leistungspotential des Autos auch optisch besser zur Geltung.
Auch der Innenraum wurde dezent aufgewertet. Funktionell zusammengehörende Bedienelemente wurden durch kontratierende Farben zwischen Taste und Drehknopf einerseits und der Blende andererseits optisch gruppiert, die Dekorflächen werden nun in "amerikanischem Nußbaum" geliefert. In Kombination mit der hellen Instrumentenverkleidung und dem hellen Dachhimmel wirkt der Siebener allerdings asiatisch/amerikanisch weichgespült. Nur in der dunklen Variante fühlt man sich als euröpäischer BMW-Fahrer wirklich zu Hause, die Innovationsfreude des Aussendesign sucht man allerdings vergeblich. Alle Materialien sind hochwertig und bestens verarbeitet. Das viel geschundene iDrive hat nach einer Überarbeitung an Übersichtlichkeit gewonnen. Wobei festzustellen ist, daß auch mit der alten Variante diejenigen, die mit Notebooks, PDAs, modernen Mobiltelefonen oder Spielkonsolen umgehen können, nie wirklich Probleme hatten. Die Vielzahl der Einstellmöglichkeiten moderner Luxusautos läßt sich nun einmal nicht auf konventionelle Schalter und Regler im Armaturenbrett abbilden. Daher ist der BMW-Ansatz, das Layout des Cockpits radikal zu entrümpeln und in eine computergestützte Schnittstelle zum Auto auszulagern, nur zu begrüßen. Die ganze Kritik an iDrive führt letztlich zu der Erkenntnis, daß der Käufer selbst bei komplexen Systemen nicht bereit ist, sich über ein Handbuch einzuarbeiten, sondern seinem Spieltrieb folgend probiert, über Versuch und Irrtum zum Ziel zu kommen. Was bei einem Videorekorder nicht funktioniert, kann einem Luxusauto mit all seinen Sonderfunktionen nicht als Manko angerechnet werden. Auch hier gilt: Lesen bildet.
Die Motorenpalette des Siebeners ist reichhaltig: 730d und 745d für die sparsamen Vielfahrer, der klassische BMW-Reihensechszylinder im 730i, die zwei V8 als 740i und 750i und der Zwölfzylinder 760i lassen keine Wünsche offen. Klarer Favorit weltweit war bisher der große V8 mit 4,4 Litern Hubraum, der nun durch eine 4,8-Liter-Varinate abgelöst wird. Über 50 Prozent aller Siebener wurden mit diesem Triebwerk geordert. Daher galt dieser Motorisierung bei der Modellaktualisierung auch ein besonderes Augenmerk. Der neue V8-Motor des 750i mit 4,8l Hubraum, 367PS und 490 Nm, bewegt die 2 Tonnen Leergewicht mit spielerischer Leichtigkeit. In der geschwindigkeitsbegrenzten Welt von heute kommt man im Alltag über eine erhöhte Leerlaufdrehzahl kaum hinaus, 130 km/h bedeuten nur gut 2000 1/min im obersten Gang. Dabei bleibt der V8 laufruhig und leise. Erst wenn man die volle Leistung abruft, bekennt sich der Motor zu seinen acht Zylindern und tönt wie ein US-musclecar, allerdings so geräuschgedämmt, daß man sich an der Tonlage freuen kann, ohne durch Lärm belästigt zu werden. Gerade die Kombination von hohem Drehmoment bei niedrigen Drehzahlen und einer besonderen Drehfreude zeichnen den Motor aus. Ein Testverbrauch von 11,6 l/100km ist, legt man die Listungsdaten und das Fahrzeuggewicht zu Grunde, in Ordnung. Mehr läßt sich leicht verbrauchen, wenn die Leistungreserven regelmäßig ausgereizt werden, weniger nur bei sehr zurückhaltender Fahrweise. Die Synthese aus Luxusfahrzeug und Sportlimousine gelingt BMW mit dem neuen großen V8 besonders gut, es bleiben kaum Wünsche offen. Bei einem Grundpreis von 75.800 Euro darf man das allerdings auch erwarten.
(Text: Dieter Roßbach )
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