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Smart Roadster: Hornisse mit Unterhaltungswert
07.06.2005
Der Countdown läuft. Ende des Jahres wird der Smart Roadster eingestellt. Kaum ist das Ende der Produktion in Sicht, steigt seine Präsenz auf den Strassen. Das liegt möglicherweise daran, daß nun alle, die schon immer mit dem kleinen Sportwagen geliebäugelt haben, noch schnell eines der letzten Modelle kaufen. Während die Fortwo-Modelle mit ihrer kurzen und hochbeinigen Karosserie nur sehr wenig Dynamik ausstrahlen, wirkt der kleine Roadster sehr sportlich. Retro-Fahrzeuge sind groß in Mode, aber außer Lotus mit der Elise und dessen Derivat Opel Speedster hat niemand die Idee eines reduzierten Sportwagens so umgesetzt wie Smart. Der flache Vorderbau mit den muskulösen Kotflügeln, das kantige hohe Heck und die kurzen Überhänge sind klassische Sortwagen-Attribute. Die Proportionen stimmen. Das Smart-Konzept mit der sichtbaren Sicherheitszelle und ein kleiner Dreizylinder-Turbomotor im Heck bietet für dieses Format einige Vorteile. Sowohl die Optik als auch die Raumausnutzung und die Fahrdynamik profitieren davon. Der Heckmotor ermoglicht eine flache Fronthaube, und sorgt für eine gute Traktion. Ein Konzept, das für den Porsche 911 gut ist, kann bei einem Smart nicht schlecht sein. Trotz der knappen Maße ist der Smart Roadster durchaus praktisch, der vordere Gepäckraum reicht sogar für den Transport einer Mineralwasserkiste oder um das Gepäck für einen Urlaub zu zweit unterzubringen, wenn sich die Freundin auf das nötigste beschränkt. Für Umzüge ist er allerdings nicht geeignet. Der hintere Gepäckraum ist eher ein größeres Handschuhfach, mehr als ein flacher Aktenkoffer läßt sich dort nicht verstauen, der aber immerhin trotz Motornähe kühl bleibt. Ablagen im Passagierraum sucht man vergebens, die kleinen Seitentaschen haben eher Alibifunktion, und die Gepäcktasche im Beifahrerfußraum vor dem Sitz ist unpraktisch. Selbst die Box mit der Betriebsanleitung ist mangels anderer Verstaumöglichkeiten mit Klettband hinter dem Beifahrersitz befestigt. Für den Autoatlas bleibt nur der Fußraum des Beifahrers. Die Ausstattung des Grundmodells ist ausreichend, nur verwöhnte Limousinenfahrer werden sie spartanisch nennen. Alles, was man so zum Fahren braucht ist an Bord, ja es gibt sogar etwas Luxus wie eine einfache Klimaanlage, elektrische Fensterheber und eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung. Die Spiegel lassen sich von innen verstellen, manuell natürlich, aber das reicht vollkommen.
Die verwendenden Materialien sind akzeptabel, das Layout ist frisch, die Instrumente sind gut ablesbar und die Verarbeitung ist gut, auch wenn teilweise offensichtlich billige Lösungen gewählt wurden. Die Sportsitze sind bequem, straff und geben den Seitenhalt, den man zur Ausnutzung der Fahrdynamik des kleinen Renners braucht. Das Stoffdach öffnet elektrisch und reduziert dann den ohnehin schon knappen Stauraum im Heck deutlich. Die Dachholme können mit wenigen Griffen demontiert und unter der vorderen Haube verstaut werden. So geöffnet, kommt trotz des Überrollbügels und der starren Heckscheibe Wind ins Auto. Das Stoffdach öffnet und schließt sehr schnell, es kann auch während der Fahrt bedient werden und ist geschlossen dicht. Windgeräusche sind nicht zu vermeiden, gehören aber zum Charakter des Autos einfach dazu. Die optionale Abdeckung mit zwei festen Dachhälften hat mehr Nachteile. Demontiert man sie, bleibt hinten kein nutzbarer Gepäckraum mehr übrig und öffnen und schließen läßt sie sich nur im Stand. Einzig das Geräuschniveau im geschlossenen Zustand ist niedriger. Nicht die Motorleistung und die Optik machen den besonderen Reiz des Roadsters aus, es sind das Fahrverhalten und die Leistungsabgabe, die nostalgische Gefühle aufkommen lassen. Nach einer Fahrt mit dem kleinen Sportwagen weiss man erst wieder, was man in den neuen übergewichtigen und elektronisch eingebremsten Zweisitzern vermisst. Auch mit abgeschaltetem ESP verhält sich der Smart klar und verbindlich, Überraschungen bleiben aus - wenn man mit NSU TT, Simca Rallye oder Renault R8 Gordini aufgewachsen ist. Zu viel Leistungseinsatz und ein rutschiger Untergrund bringen Leben ins Heck. Der Frontantriebs- und Fahrhilfen-Generation von heute ist allerdings ein Fahrertraining zu empfehlen, wenn sie den vollen Spaß mit dem Smart Roadster genießen möchten. Das Fahrzeugkonzept macht den Smart Roadster aber auch mit eingeschaltetem ESP ausgesprochen kurvengierig. Unterstützt wird das alles durch eine Lenkung, die sehr direkt und präzise arbeitet. Auch die Servolenkung unterstützt nur so weit, wie es dem Fahrspass und der Präzision nicht abträglich ist.
Der 60kW-Motor ist ein Rauhbein. Die drei Zylinder lärmen unüberhörbar im Heck, wenn man die Gänge bis zum Drehzahllimit ausdreht, das Überdruckventil zwitschert beim Gaswegnehmen und der Abgasturbolader pfeift sein Lied. Man hört, daß der Wagen von einem aufgeladenen Verbrennungsmotor angetrieben wird. Mit einer gewissen Abhärtung sind aber auch lange Autobahnstrecken mit hohen Schnitten zu ertragen, obwohl der Wagen da an seine Grenzen stößt. Viel wohler fühlen sich Auto und Fahrer auf den kurvigen und hügeligen Strassen der Eifel. Will man flott vorankommen, muss der Motor gedreht werden. Das geht ihm leicht von der Hand. Nach einer gewissen Anfahrtschwäche stürmt der keine Roadster vehement nach vorne, nur von den etwas zu langen Schaltpausen des semiautomatischen Getriebes unterbrochen. Dafür passen aber die Gangabstufungen sehr gut und es macht Freude, per manuellem Gangwechsel den Motor auf höheren Drehzahlen zu halten. Der Benzinverbrauch ist überraschend niedrig, gut 5 Liter sind bei verhaltener Fahrweise möglich und selbst bei langen Autobahnetappen nahe der Höchstgeschwindigkeit wird die 8-Liter-Grenze nur knapp überschritten. Da wo doch Elektronik verbaut wurde, entwickelt sie manchmal ein überraschendes Eigenleben: Anlassen erfordert manchmal, den Wagen per Funkfernbedienung erneut zu ver- und entriegeln. Ab und zu sucht das Getriebe beim Start nach dem Gang 0, den es natürlich nicht gibt, man steht, schaltet zwischen N und D hin und her, bis dann doch der erste Gang endlich eingelegt wird. Das passiert vorzugsweise natürlich vor Publikum. In der Grundausstattung sind leider keine Schaltpaddel am Lenkrad enthalten, sie kosten zusammen mit breiteren Leichtmetallrädern im Paket 1000 Euro mehr und sind eine sinnvolle Investition. Leider bekommt die Euphorie für dieses kleine Spassauto einen gehörigen Dämpfer, wenn man in die Preis- und Optionsliste schaut. Hier liegt der Grund für die schlechten Verkaufszahlen. Der 60kW-Roadster kostet laut Liste mindestens 18.620 Euro. Für den Preis eines Smart Roadster bekommt man auch einen gut erhaltenen 320 SL der R129er-Reihe. Trotzdem sollten alle, die von einem rustikalen Roadster mit Kart-Genen träumen, den offenen Smart in Betracht ziehen, es wird nicht mehr viele neue geben. Wer den Neuwagenkauf scheut, der sollte sich spätestens ab Ende kommenden Jahres nach gepflegten Gebrauchtwagen umsehen, die kurze Produktionszeit und der Fahrspass sind gute Voraussetzungen für ein erfolgreiches Weiterleben als Jung-Klassiker.
(Text: Dieter Roßbach )
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