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Aktualisiert am 31.12.2011
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Mercedes-Benz E420 CDI: Die Grenzen des Wachstums

08.07.2005

pfeil  Technische Daten  

Mercedes-Benz E420 CDI
Bestes Understatement: Höchstleistung, unspektakulär verpackt.
Lupe

Die Zeiten erinnern an die Area der Muscle Cars in den USA. Jede neue Motorgeneration schiebt die Höchstwerte für Leistung und Drehmoment immer weiter nach oben. Nur, daß das Wettrüsten im 21. Jahrhundert politisch korrekt abläuft: Man nimmt die Dieseltechnik, und nutzt Piezoelemente, Doppelturbolader, verstellbare Nockenwellen und Hochdrucktechnik, um die Grenzen der Getriebetechnik auszuloten und gleichzeitig den Benzinverbrauch der fast 2 Tonnen schweren Autos an der 10-Liter-Grenze zu halten.

Jüngster, und damit natürlich stärkster Vertreter dieser Hochleistungsdiesel ist der Mercedes-Benz E420 CDI. Mal wieder wird ein Weltrekord aufgestellt: 231 kW/312PS und 730Nm Drehmoment stellen die aktuelle Leistungsspitze bei PKW-Dieselmotoren dar.

Die Messwerte geben das Fahrerlebnis nicht wieder, 6,1 Sekunden von 0-100km/h und die auf 250 km/h begrenzte Spitzengeschwindigkeit erreichen auch einige Konkurrenten. Es ist die Art, wie diese Daten bereitgestellt werden, die beeindruckt.

Zu keiner Zeit wirkt der CDI angestrengt. Schon bei gefühlvollem Tritt auf das Gaspedal stellt der Motor mehr Leistung bereit, als man gemeinhin braucht, um im Verkehr sehr zügig mitzuschwimmen. Bleibt man innerhalb der legalen Grenzen und überläßt der Siebengangautomatik das Schalten, dann bewegt man sich sowohl in der Stadt, als auch auf dem Land und der auf der Autobahn eher in den höheren Gängen und in gehobenen Leerlaufdrehzahlen. Das ist Antriebskomfort vom Feinsten. Nur wenn man die volle Leistung per Kickdown abruft, deutet der Motor mit dezentem Knurren sein Verbrennungsverfahren an.

Das Beschleunigungserlebnis ist eindrucksvoll, aber nicht so fulminant, wie etwa in einem Sportwagen. Nach einigen Millisekunden Bedenkzeit, die die zwei Turbolader brauchen, um zur vollen Wirkung zu kommen, wird man mit deutlichem Druck nach vorne geschoben. Das über ein breites Drehzahlband bereitstehende hohe Drehmoment und die fast ruckfrei schaltenden Automatik tragen dazu bei, daß die "gefühlte" Beschleunigung jedenfalls deutlich geringer ist als der reale Geschwindigkeitszuwachs. Ohne merklichen Verlust an Vortrieb geht es voran bis zur Abregelungsgrenze. Einzig in den unteren Gängen merkt man, daß hier rohe Kräfte walten: Die Hinterräder arbeiten hart an der Traktionsgrenze, die Antischlupfregelung ist permanent beschäftigt. Hier wird Beschleunigungszeit verschenkt – aber wer wird das bei den erreichbaren Werten als Manko ansehen. Allerdings zeigt es auch, dass mit dieser Motorleistung zumindest für die aktuelle E-Klasse Grenzen überschritten wurden, weniger hätte wohl auch genügt, um die Fahrleistungen zu erzielen.

Mercedes-Benz E420 CDI
Da braucht man in der Fertigung einen großen Schuhlöffel, der Motor nimmt allen Raum im Vorderwagen ein. Lupe

Auch das Fahrwerk leistet seinen Beitrag zum unspektakulären Verhalten des Kraftpakets. Die serienmäßige Luftfederung filtert alle Antriebseinflüsse und Unzulänglichkeiten der Straße erfolgreich weg. Nur, wenn die volle Leistung abgerufen wird werden auch ihre Grenzen deutlich, der Wagen hebt die Nase wie ein alter Mopar-Hemi und zeigt seiner Umwelt, daß nun Beschleunigen angesagt ist. Die 250kg Gewicht, der der Motor der Vorderachse zumutet, tragen zudem dazu bei, daß man von einer all zu sportlichen Fahrweise Abstand nimmt. Wenn es schnell um die Kurve gehen soll, ist nachdrückliches Untersteuern angesagt. Da Gelassenheit viel besser zum Charakter der großen Diesel-Limousine passt, werden sie nur selten die Nase in den Himmel recken. Auch ohne diesen Kraftakt kann man schneller sein als die Mehrzahl der anderen Verkehrsteilnehmer.

Ansonsten ist der E420 CDI ein typischer Vertreter der E-Klasse. Eine gediegene Zurückhaltung prägt den Innenraum, die Bedienung ist eindeutig und natürlich ist die Verarbeitung auf Mercedes-Niveau. Und der Normverbrauch von 9,3 l Diesel auf 100 km erlaubt bei 80 Liter Tankinhalt eine Distanz von über 800 km ohne Pause.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach)

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