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Seat Leon: Spanischer Flieger
04.09.2005
Der neue Leon ist ein wohlgeratenes Auto. Die Designer der spanischen Volkswagentochter haben den aktuellen Formenkanon der Marke mit den typischen "Luchsaugen", trapezförmigem Kühlergrill und "Dynamic Line" in eine Form gegossen, die einerseits typische Coupémerkmale aufweist, andererseits aber fünf vollwertige Sitze und fünf Türen bietet. Die Seitenlinie wird von der ausdrucksstarken Grafik sowie von den niedrigen, sich nach hinten verjüngenden Seitenfenstern geprägt, die geschickt kaschieren, dass das Dach erst nah am Heckabschluß abfällt und somit ausreichender Kopfraum für die Mitreisenden auf den hinteren Sitzen entsteht. Ein schönes Detail des Designs ist die Unterbringung der Öffner für die hinteren Türen: Wie beim Alfa Romeo 156 verstecken sich diese im hinteren Scheibenrahmen. Da sich beim Leon in der C-Säule noch ein kleines Fenster befindet, hat man dieses in Kunststoff ausgeführt und mit einer Griffmulde versehen. Das sieht gut aus und repräsentiert in intelligenter Weise das klassische Design-Prinzip "Form follows Function". Auch die Scheibenwischer mit vertikaler Ruhestellung sind ein ansprechendes Designelement. Anders als bei Altea und Toledo verbergen sich die Wischerarme nicht unter der Verkleidung der A-Säule, sondern bleiben parallel dazu sichtbar.
Der gelungene Spagat zwischen Nutzwert und Sportlichkeit begegnet einem auch im technischen Layout. Das Fahrwerk ist angenehm straff, die Seitenneigung gering und trotzdem rollt der Seat geschmeidig ab und behelligt die Insassen nicht mit zu vielen Informationen über den Straßenzustand. Der Geradeauslauf ist mustergültig, die Lenkung reagiert spontan und vermittelt einen guten Fahrbahnkontakt. Die zur Verfügung stehenden Fünf- und Sechsgang-Getrieben bieten kurze Wege und sind sportlich abgestuft. Insgesamt lassen sich die Gänge beider Getriebe gut einlegen, lediglich der höchste Gang des Sechsgang-Getriebes ist etwas hakelig. Aber für 1400 Euro Aufpreis gibt es das perfekte Sechs-Stufen-DSG-Getriebe, dass die Arbeit unvergleichlich komfortabel und schnell erledigt. Die Bremsanlage mit belüfteten Scheibenbremsen vorne und Scheibenbremsen hinten, die mit einem Dual-Rate-Bremskraftverstärker ausgestattet ist, bietet eine gute Dosierbarkeit und direktes Ansprechverhalten bei geringem Kraftaufwand. Zum Marktstart werden fünf verschiedene Motoren angeboten, drei Benziner und zwei Diesel: Der Einstiegsbenziner mit 1,6-Liter Hubraum mobilisiert 102 PS. Der nächststärkere ein 2,0-Liter-FSI-Motor offeriert 150 PS und der 2,0-Liter-Turbo FSI als Spitzenmotorisierung bietet stramme 185 PS. Bei den Dieseln handelt es sich um einen 1,9 TDI mit 105 PS und einen 2,0 TDI mit 150 Pferdestärken.
Die Zwei-Liter-Benziner beschleunigen in unter 10 Sekunden von 0 auf 100 km/h, der Zwei-Liter-Diesel benötigt 9,3 Sekunden und der TFSI, der für eine Spitzengeschwindigkeit von mehr als 220 km/h gut ist, erreicht die Marke in 7,8 Sekunden. Sparsamster Motor ist der 1,9 TDI mit knapp fünf Litern Diesel. Der Reiz der Dieselaggregate sind im wesentlichen die Sparsamkeit im Verbrauch sowie der gute Antritt aus niedrigen Drehzahlen. Im direkten Vergleich mit den lebendigen Benzinmotoren verlieren die Selbstzünder: Mit ihrer recht rauen Charakteristik lassen sie die Geschmeidigkeit und Leichtigkeit vermissen, mit denen die Benziner zu Werke gehen. Die dynamischen Talente des Leon und die muskulöse Form verlangen nach einem agilen Antrieb. Ab 150 PS ist man souverän und leichtfüssig unterwegs dass Fahren macht einfach Spaß. Daran hat auch der Arbeitsplatz des Fahrers seinen Anteil. Die Sitze bieten eine gute Seitenführung, im direkten Blickfeld befinden sich drei klassisch gezeichnete Rundinstrumente und das sportliche Lenkrad ist gut profiliert und angenehm im Griff. Über die rote Beleuchtung der Skalen kann man geteilter Meinung sein, lediglich die weit heruntergezogene vordere Dachkante, die ein bißchen wie eine Schirmmütze wirkt, und die teilweise spiegelnden Instrumente beeinträchtigen die stimmige Gestaltung des Innenraums etwas. Alles ist sauber verarbeitet, die verwendeten Materialien wirken hochwertig und die Ergonomie stimmt. Auch der Fußraum für die Hinterbänkler, sechs Zentimeter mehr als beim Vorgänger, ist so bemessen, das weite Strecken nicht zur Belastung werden. Drei Dreipunktgurte und drei Kopfstützen für die hinteren Plätze runden den positiven Eindruck ab. Die Rücksitzbank kann asymmetrisch umgeklappt werden, womit variable Stauflächen zwischen 341 Liter und 1.166 Liter zur Verfügung stehen.
Die Sicherheitheitsstandards sind zeitgemäß: die Passagierzelle ist steifer geworden, lediglich die hinteren Seitenairbags sind nicht in der Basisausstattung enthalten, ESP dagegen ist Serie. Seat hat das Ziel, nach der Einführung des Leon in Deutschland am 9. September, mittelfristig den Marktanteil von 1,8 Prozent zu steigern. Das Ziel ist ambitioniert aber realistisch, denn die Preise für den kompakten Spanier in den beiden Ausstattungsvarianten Reference und Stylance reichen vom günstigsten Leon Reference 1.6 für 13 525,86 Euro bis zu 19 818,97 für den 2.0 TDI mit DSG. Dafür bekommt man, getreu dem Markenimage "Auto Emoción" den schönsten VW Golf, der zur Zeit zu haben ist und das zu Preisen, die deutlich günstiger sind als beim Original.
(Text: Rainer Roßbach )
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