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Aktualisiert am 31.12.2011
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Lexus GS 430: Auf dem Weg nach Europa

25.09.2005

pfeil  Technische Daten  

Lexus GS 430
Die coupé-artige Dachlinie verleiht dem Lexus GS 430 ein sportlich-elegantes Gesamtbild
Doppelpfeil

Lexus ist in Europa und ganz besonders in Deutschland immer noch ein Minderheitenprogramm. Trotz bester Qualität und hoher Kundenzufriedenheit blieben die Zulassungszahlen bescheiden – 2004 wurden nur 2593 Fahrzeuge neu zugelassen. Damit lag man noch unter den Zahlen von Lancia und MG-Rover.

Toyota kann mit dieser Bilanz nicht zufrieden sein. Um in einer Liga mit BMW und Mercedes-Benz zu spielen, reichen perfekte Verarbeitung, technische Qualität, Zuverlässigkeit und gute Ausstattung offensichtlich nicht aus. Das Design steht ganz weit vorne in der Bewertungsliste des europäischen Käufers. Gerade da hatte Lexus ein deutliches Defizit. Die Ausrichtung auf den konservativen Geschmack der US-Kundschaft führte zu langweilig verpackter Hochleistungstechnik. Nach einem ersten Schritt mit den alten IS hat Lexus sich dem Problem nun ernsthaft angenommen. Die Grundlinie des Vorgängers wurde beibehalten, aber konsequent entrümpelt und gestrafft. Zwei Klarglasscheinwerfer formen ein straffes Vieraugen-Gesicht, die um 15mm niedrigere Dachlinie und der leicht gestreckte Wagenkörper erzeugen mit der coupé-artigen Dachlinie ein sportlich-elegantes Gesamtbild. Man zitiert geschickt die Konkurrenz, ohne gleich ein Plagiat zu schaffen.

Nur der kleine Heckspoiler ist keine Anleihe bei den Mitbewerbern, sondern ein Stilelement, das schon aus der Mode zu sein schien. Aber vielleicht erforderten aerodynamische Defizite diesen formalen Bruch.

Im Innenraum glänzt der Lexus mit gediegener Eleganz und perfekter Verarbeitung. Das Leder auf den Sitzen, dem Armaturenbrett und den Seitenverkleidungen ist hochwertig. Die Gestaltung des Innenraums ist schnörkellos und orientiert optisch und in der Farbgestaltung an den Mitbewerbern. Alle Bedienungselemente sind ergonomisch angeordnet und klar beschriftet. Ganz stilsicher ist man bei Lexus allerdings noch nicht.

Lexus GS 430
Ein klassisches Cockpit, aber die Instrumente sind mit einer spiegelnden Metallfolie hinterlegt
Doppelpfeil

Die eigentlich klar gezeichneten Instrumente sind mit einer glänzenden Metallfolie hinterlegt. Sie wirkt billig und spiegelt. Die Edelholz-Abdeckung der Mittelarmlehne sieht nach Kunststoff aus und fühlt sich auch so an.

Über den großen berührungssensiven Bildschirm in der Mittelkonsole werden die Klimaanlage, das Navigationssystem und die Audioanlage gesteuert. Letzte liefert der renommierte US-Hersteller Mark Levinson.

Die optische und akustische Einparkhilfe projiziert mit einer Kamera ein Bild des Raums hinter dem Fahrzeug auf den zentralen Bildschirm. Hilfslinien helfen bei der Bewertung dieser Informationen. Die Bedienung ist einfach, aber um ein Studium des Handbuchs kommt man besonders bei der Einstellung der Navigation nicht herum.

Das Ladevolumen des Kofferraums ist einer großen Reiselimousine angemessen, die Zuladung allerdings nicht. Höchstens 390kg dürfen die Passagiere und das Gepäck wiegen und je nach Zusatzausstattung sogar noch 50kg weniger. Zudem wird die Beladung durch eine hohe Ladekante erschwert und durch die kleine Öffnung des Gepäckraums eingeschränkt.

Die Platzverhältnisse für die Passagiere sind großzügig, auch hinten kann ein Erwachsener gut sitzen. Selbst der Kopfraum ist für groß Gewachsene trotz der Coupélinie ausreichend. Der Einstieg auf den Fahrersitz wird dadurch erleichtert, daß sich das Lenkrad automatisch zurückzieht, wenn der Motor ausgeschaltet wird. Auch bei Lexus hat der klassische Zündschlüssel ausgedient. Ein Impulsgeber entriegelt die Türen und schaltet den Start-Knopf frei. Dabei kann er sogar in der Hosentasche bleiben oder in das Ablagefach der Mittelkonsole gelegt werden.

Lexus GS 430
Der kleine Heckflügel passt nicht zu den klaren Linien der Limousine
Doppelpfeil

Der große V8-Motor hat auch im neuen GS nichts von seinen Qualitäten verloren. Statt auf Höchstleistung und sportliche Akustik setzt Lexus auf Antriebskomfort. Sein herausragendes Merkmal ist die besondere Laufruhe, sein breites nutzbares Drehzahlband läßt vergessen, daß 283PS heute nur noch Durchschnitt sind. Trotzdem kann von Leistungsmangel nicht die Rede sein, 417nm bei 3500 1/min sind üppig. Die aufrufbare Kraft reicht immer aus, um auf alle Verkehrssituationen souverän reagieren zu können. Nur 6,1 Sekunden vergehen von 0 bis 100km/h und eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 250km/h wären möglich, würde der Wagen nicht elektronisch abgeriegelt. Der Normverbrauch von 11,4 l auf 100km ist guter Durchschnitt, je nach Leistungseinsatz können es aber auch gut 15 Liter werden..

Das sauber und weich schaltende 6-Gang-Automatikgetriebe harmoniert gut mit der Motorcharakteristik. Der Hinterradantrieb hält alle Antriebseinflüsse von der Lenkung fern. Sie ist aber etwas zu leichtgängig. Das Fahrwerk ist geprägt von dem Versuch, dem Auto etwas Sportlichkeit zu geben. Auf guten glatten Strassen ist der Fahrkomfort sehr gut, wird der Belag aber schlechter, läßt das Fahrwerk deutliche Stöße durch. Die sportliche Auslegung passt nicht zu dem laufruhigen Motor.

Das Stabilitätsprogramm VSC (Vehicle Stability Control), das bei allen Versionen des GS als Serienausstattung mitgeliefert wird, versucht, dem Fahrer bei kritischen Situationen zur Hand zu gehen. Sensoren registrieren Hindernisse, messen Tempo und Lenkradeinschlag. Je nach Fahrsituation wird die Geschwindigkeit automatisch reduziert oder der Lenkeinschlag korrigiert. Die adaptive Geschwindigkeitsregelung, bei Lexus ACC -Adaptive Cruise Control genannt, erlaubt dem Fahrer, den einzuhaltenden Abstand einzustellen. Kommt ein vorausfahrendes Fahrzeug zu nahe, nimmt der Lexus dann automatisch Gas weg, in Extremsituationen bremst er sogar selbsttätig ab und strafft gleichzeitig die Gurte.

Zur Befriedigung des Spieltriebes des Fahrers gibt es viele Möglichkeiten, die diversen elektronischen Helfer ein- und auszuschalten oder zu parametrisieren. So läßt sich das Getriebe auch in einem Steptronic-Modus manuell schalten und das Fahrwerk bietet verschiedene Einstellmöglichkeiten. Aber nachdem man sie eine Weile ausprobiert hat, erkennt man schnell, daß das Auto am besten ist, wenn man sich auf die Grundeinstellungen und den automatischen Betrieb beschränkt. Hektische handgeschaltete Gangwechsel passen nicht zum Charakter des GS und der Unterschied in den verschiedenen Fahrwerkmodi ist im Normalbetrieb kaum zu spüren. Mit dem GS ist Lexus in Europa angekommen, ab 55.600 Euro kostet die japanische Alternative zum deutschen Premiumangebot. Und für die auf der IAA vorgestellte Hybridvariante dürfte es dann sogar zu Lieferzeiten kommen.

(Text: Dieter Roßbach )
(Fotos: Dieter Roßbach, Lexus )

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