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Ford Focus ST: Fünf Richtige
03.12.2005
Mit dem neuen Focus ST ersetzt Ford gleich zwei Vorgängermodelle, den alten ST mit 170 PS und die RS-Variante, die 215 PS leistete. Damit entfällt auch die Aufteilung in eine reisetaugliche Kompaktlimousine und ein aggressives Sportmodell der neue ST soll beiden Ansprüchen gleichzeitig gereicht werden. Gleichzeitig muss auch den Mitbewerbern Paroli geboten werden, die in den letzten Monaten mit Leistungsdaten jenseits der 200 PS schon die Messlatte recht hoch gelegt haben. Der Auftritt des neuen ST ist dezent-sportlich. Aufgesetzte Aggressivität hat man bei Ford vermieden. Die neue Front und Heckschütze mit verbesserter Abtriebswirkung sowie die neu gestalteten Schweller nehmen den Grundentwurf des Focus geschickt auf, unterstreichen seine Ecken und Kanten und geben ihm ein sportlicheres Profil. Nur der Dachspoiler und die verchromten Blenden der Doppelroh-Abgasanlage sagen: ich bin das Sportmodell. Die größeren Lufteinlässe signalisieren: hier muss tiefer eingeatmet und mehr gekühlt werden. Die serienmäßigen 18-Zoll-Räder füllen die Radhäuser gut aus und lassen vermuten, daß die Leistung sicher auf die Straße gebracht werden kann. Auch im Innenraum ist der Versuch der Symbiose aus Grand-Tourismo und Sportler gelungen. Schwarz ist die dominierende Farbe, vom Dach bis zur Auslegeware. Vorne geben zwei Recaro-Sportsitze Halt, sie sind straff, aber trotzdem bequem genug, um einige hundert Kilometer am Stück ohne Rückenschmerzen zu überstehen. Die Rücksitze bieten die aus den zivileren Versionen bekannte Qualität und Beinfreiheit auch der ST in ein vollwertiger Viersitzer geblieben. Gleiches gilt für das Ladevolumen, wenigstens 385 Liter können verstaut werden. Das ist guter Klassendurchschnitt und für den Alltagsbetrieb ausreichend, bis 485kg dürfen geladen werden.
Drei zentral auf der Mittelkonsole unter einer gemeinsamen Abdeckung untergebrachte Zusatzinstrumente zeigen die Öltemperatur, den Ladedruck und den Öldruck an mehr als man in Zeiten, wo Premiumhersteller schon auf die Wassertemperaturanzeige verzichten, erwarten kann. Die Lederummantelung des ST-Lenkrad ist weich und griffig, die gelochte Alu-Pedalerie ein optischer Gag. Leichtmetall ziert die Luftausströmer und die Türöffner. Mit den Aluminium-Einstiegsleisten ergibt das alles ein angenehmes Ambiente mit einer sportlichen Grundlinie. Die Qualität der verbauten Materialien ist gut und entspricht der der Mitbewerber. Die Basisaustattung ist recht vollständig: Klimaanlage, beheizbare Außenspiegel, ein automatisch abblendender Innenspiegel und eine Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung sind im Grundpaket enthalten. Man fühlt sich wohl im Focus ST, und das bleibt auch im Fahrbetrieb so. Es sei denn, man steht auf geräuchlose Fortbewegung. Dann ist der ST die falsche Wahl. Im Gegensatz zu seinen Mitbewerbern, die von Vierzylindermotoren angetrieben werden. tritt der Ford mit einem Fünfzylinder-Motor an. Die Erinnerung an alte Audi-Zeiten wird wach, sobald der Motor zum gestartet wird. Das Geräuschbild des Motors, dessen Grundkonzept aus dem Volvo S40 T5 und V50 T5 stammt, ist unverwechselbar. Bei Ford hat man das als Chance begriffen und bei der Abstimmung der Abgasanlage gleich noch eins drauf gelegt: der Heckschalldämpfer wurde zusätzlich perforiert und über eine Kunststoffmembran sowie ein Schallrohr wird das Ansauggeräusch zum Innenraum geführt. Das klingt nach Krawall, aber tatsächlich erfreut der Focus ST mit einer heute selten gewordenen sportlichen Akustik, die immer präsent ist, ohne aufdringlich zu werden. Statt Weichspüler gibt es Charakterstärke.
Der 2,5L-Reihenfünfzylinder wird durch einen Turbolader zwangsbeatmet und liefert 225 PS/166 kW bei 6000 1/min ab. Bis 7000 1/min darf gedreht werden, und das maximale Drehmoment von 320 Nm steht zwischen 1600 und 4000 1/min bereit. Leistungsmangel kennt der ST nicht. Jeder Tritt auf das Gaspedal wird sofort in Vortrieb umgesetzt, die Ausgangsdrehzahl spielt dabei keine Rolle. Den Spurt von 0 bis 100 km/h bringt der ST in 6,8 Sekunden hinter sich, 241 km/h werden maximal erreicht. Der im Vergleich zu den Mitbewerber große Hubraum und die milde Aufladung von 0,65 bar helfen, daß der Motor auch bei niedrigen Drehzahlen gut zu fahren ist, er fühlt sich in der Stadt genauso wohl wie auf der Autobahn. Sein Antritt und die prächtige Akustik verleiten allerdings dazu, das Drehvermögen immer wieder auszunutzen, und das treibt dann den Benzinverbrauch in die Höhe. Der Normverbrauch liegt bei 9,3 Liter auf 100 km, unter sieben Liter kommt man nur bei sehr verhaltener Fahrweise auf der Landstraße. Auf der Autobahn und innerorts können auch mehr als 14 Liter erreicht werden. Der Tank faßt nur 55 Liter, bei regelmäßiger Nutzung der Leistungsreserven ist das zu wenig. Die Abstufung des Sechsgang-Getriebes passt gut zur Motorcharakteristik. Durch das breite nutzbare Drehzahlband stehen immer mindestens zwei passende Gänge zur Verfügung und der sechste Gang kann auch für ruhiges Dahingleiten auf der Autobahn genutzt werden, dem Benzinverbrauch zuliebe. Letztlich ist ein Sportwagen immer nur so gut wie sein Fahrwerk. In Zeiten ohne ESP wären 225 PS und 320 Nm mit Frontantrieb kaum beherrschbar gewesen. Aber die elektronischen Fahrhilfen und die 18-Zoll-Räder sorgen dafür, daß der ST auch hier eine gute Figur macht. Selbst ungeübte Fahrer erreichen hohe Kurvengeschwindigkeiten, der ESP-Eingriff erfolgt sanft und präzise. Auch ohne ESP bleibt der Focus ST dank einiger gezielter Modifikation gut beherrschbar. Eine zusätzliche Querstrebe zwischen den Domen verbessert die Verwindungssteifigkeit des Vorderwagens. Die Fahrzeughöhe wurde im Vergleich zu den Standardmodellen um 50 Millimeter reduziert. Die vorderen und hinteren Federn erhielten eine um 30 Prozent straffere Kennung, die dazugehörigen Stoßdämpfer wurden entsprechend angepasst. Der Durchmesser des Hinterachs-Querstabilisators nahm um fünf Prozent zu. Zusammen mit dem um 50 Millimeter abgesenkten Schwerpunkt des Fahrzeugs führen diese Maßnahmen zu einem überzeugenden Ergebnis. Dabei ist das Fahrwerk nicht zu hart, neben präzisen Rückmeldungen über den Strassenzustand bietet es auch noch guten Langstreckenkomfort. Allerdings ist es doch deutlich verbindlicher als eine Luxuslimousine sanftes Dahingleiten stand nicht im Lastenheft. Der Focus ST ist eine gelungene Synthese aus schnellem Reisefahrzeug und aggressiver Sportlimousine. Selbst der Grundpreis kann sich sehen lassen: 24.200 Euro berechnet Ford für den Dreitürer.
(Text: Dieter Roßbach )
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