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Lexus IS 250 / IS 220d:
05.12.2005
Die zweite Generation des IS möchte weder der bessere BMW noch der schönere Audi sein. Toyotas Premiummarke hat zu ihren Wurzeln gefunden: Durch Besinnung auf die große Tradition japanischer Handwerkskunst und ihren hohen Qualitätsbegriff sollen die Produkte von Lexus authentisch wirken. Nicht mehr die Interpretation europäischer Vorbilder, sondern eine eigene Formensprache, hochwertiges Finish und die Erschließung eines Käuferkreises, der sich diesen Werten verbunden fühlt, ist das Ziel. Die Japaner haben beim IS gute Arbeit geleistet. Die Formen der Karosserie sind sparsam im Gestus und genau im Detail. Klare Linien, präzise Formen und die exakt kalkulierte Wirkung der Flächen lassen eine subtile Botschaft entstehen, die sich bei jeder neuen Betrachtung verstärkt. Als Beispiel kann der Kühlergrill dienen: Innerhalb der mit einem feingliedrigen Chromrand umgebenen Fläche fächern sich vertikale Linien auf und geben der straff gespannten Motorhaube einen wirkungsvollen Startpunkt. Die dadurch entstehende Spannung wird durch den trapezförmigen unteren Lufteinlass, die schlitzförmigen Scheinwerfer und die ansteigende Schulterlinie verstärkt. Ein coupéhaft auslaufendes Dach und klare Fensterflächen lassen das Profil gleichzeitig dynamisch und konzentriert wirken. Schöne, sparsame Details gibt es auch im Heck: Dreidimensionalität und Fläche der Heckleuchten verbinden sich mit der Kennzeichenaufnahme zu einem eleganten Bogen. Hinter diesen Bemühungen um Qualität und Schönheit steht die Designphilosophie „L-finesse“, wobei „Design“ nicht nur auf die Gestaltung, sondern auch das Produkt- und Produktionskonzept mit einbezieht. Und dann gibt es noch "Kaizen" das Bemühen um kleinste Details und die Verpflichtung aller an der Produktion Beteiligten zum „Streben nach Vollendung“ um den nötigen Feinschliff in das Endprodukt zu bringen.
Der 4.575 Millimeter lange, 1.800 Millimeter breite und 1.425 Millimeter hohe IS überzeugt deshalb in seinen konstruktiven Details. Geringe und gleichmäßige Spaltmaße sowie die glattflächige Verkleidung des Unterbodens tragen zu dem guten cW-Wert von 0,27 bei. Um die in den Innenraum gelangenden Geräusche zu reduzieren, ist der IS mit geräuschabsorbierenden Materialen wie hochfesten und besonders leichten Dämm-Matten ausgekleidet. Die hochsteife, lasergeschweißte Karosseriestruktur und die Motorhaube aus Leichtmetall halten das Gewicht etwa 1700 kg je nach Ausstattung relativ gering. Trotzdem verfügt der IS über eine stabile Sicherheitskarosserie mit Crashboxen und einem wirkungsvollen Seitenaufprallschutz. Was beim Exterieur gelingt - mit Augenmaß und Zurückhaltung eine eigene Linie zu finden - ist beim Interieur weniger deutlich ausgeprägt. Der Stil ist konservativ, aber gediegen. Luxuriöse Materialien mit angenehmer Haptik und eine gute Ergonomie bieten ein angenehmes Ambiente. Funktionen wie der Bordcomputer, Tempomat, Telefonanlage und Audiosystem werden vom Lenkrad aus gesteuert. Direkt im Blickfeld des Fahrers liegen gut ablesbare, hintergrundbeleuchtete Optitron-Instrumente mit Zifferblättern in Metalloptik. Eine 30prozentige Tönung des Deckglases gewährleistet, dass die Uhren unabhängig von den Umgebungs-Lichtverhältnissen einwandfrei abzulesen sind. Ein Multi-Informationsdisplay im oberen Teil des Kombiinstruments gibt Informationen zu Durchschnittsverbrauch und -geschwindigkeit, Momentanverbrauch, Außentemperatur, Reichweite und der aktuellen Fahrstufe des Automatikgetriebes. Die Sitze des IS sind komfortabel, gut konturiert und bieten einen angenehmen Langstreckenkomfort. In den Ausstattungslinien Luxury Line, hier mit Lederbezug, und Sport Line sind sie elektrisch einstellbar. Dazu gibt es eine Memoryfunktion für die elektrische Verstellung sowie die automatische Justage der Außenspiegel und des Lenkrads. Die Sport Line wird mit einer Sitzheizung und die Luxury Line zudem mit einer Sitzbelüftung ausgestattet. In allen Versionen enthalten ist eine vollautomatische Zweizonen-Klimatisierungsautomatik. Diese Anlage verfügt nicht nur über eine Filterfunktion für Pollen, sondern aktiviert bei schlechten Außenluftverhältnissen je nach Ausstattungsstufe automatisch ihren Umluftmodus.
Der Lexus IS ist dank aufwändiger Kapselung der mechanischen Antriebskomponenten sehr leise. Der gute Klang des serienmäßigen Audiosystems mit RDS-Radio, Sechsfach-CD-Wechsler und 13 Lautsprechern kann somit ungetrübt genossen werden. Beeindruckender ist die als Zusatzausstattung erhältliche Mark Levinson Surroundanlage mit 6fach-DVD-Wechsler und 14 Lautsprechern, die glasklaren Klang und hohe Dynamik bietet. Sie gehört mit zum Besten, was zur Zeit auf dem Markt zu haben ist. Genau wie das optionale, sprachgestützte DVD-Navigationssystem werden die HiFi-Komponenten über den Sieben-Zoll-Touchscreen-Farbbildschirm in der Mittelkonsole bedient, der 34.000 Farben darstellen kann und damit filmtauglich ist. Bluetooth gibt es nur im Paket mit dem Navigationssystem, für das ein Aufpreis von 3900 Euro fällig ist. Mit der akustischen Einparkhilfe Park Assist oder dem Parking Guide mit einer Heckkamera findet der Fahrer einen einfachen Weg in die Parklücke. Geöffnet wird der IS über das schlüssellose Smart Entry & Start, das die Fahrzeugtüren und den Kofferraum je nach Bedarf vollautomatisch ver- und entriegelt. Der Motor wird mit einer Starttaste aktiviert und kann nur zum Leben erweckt werden wenn man bei Automatikfahrzeugen die Bremse gedrückt hält und bei Schaltern das Kupplungspedal. Der neukonstruierte V6-Vierventil-Benzinmotor mit 2.500 ccm Hubraum und vier obenliegenden Nockenwellen bietet zwar nicht die jubelnde Sportlichkeit des Sechszylinder-Zweiliter-Reihenaggregats des Vorgängermodells, überzeugt aber mit weichem Lauf und Leistungsbereitschaft. Neben dem Direkteinspritzungssystem zeichnet sich der Motor durch das variable Einlass- und Auslassventilsteuersystem Dual VVT-i aus. Die 208 PS Leistung liegen bei 6.400 U/min an, das maximale Drehmoment beträgt 252 Nm bei 4.800 1/min.
Damit kann man in 8,1 Sekunden (Automatik: 8,4) von 0 auf 100 km/h beschleunigen und eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h erzielen. Der Kraftstoffverbrauch des 2,5-Liter-Aggregats liegt bei passablen 9,8 Litern auf 100 km (Automatik: 9,1). Selbstverständlich erreicht die Maschine die Emissionsnorm Euro 4. Der Diesel, der erste Selbstzünder in einem Lexus, stammt aus dem Toyota Avensis 2.2 D4-D D-CAT. Der 2.231 ccm große Vierzylinder-Direkteinspritzer verfügt über vier Ventile pro Brennraum und bietet eine Leistung von 177 PS bei 3.600 1/min sowie ein nominelles Drehmoment von 400 Nm zwischen 2.000 und 2.600 1/min. Damit soll der Spurt von 0 auf 100 Stundenkilometern in 8,9 Sekunden erfolgen und der Vortrieb erst bei 215 Stundenkilometern enden. Im Fahrbetrieb entpuppt sich der auf dem Papier mit sportlichen Werten glänzende Motor als braver Geselle. Auch wenn man keinen wirklichen Leistungsmangel verspürt, fehlt ihm doch der nachdrückliche Antritt aus dem Drehzahlkeller, wie er bei manchen Konkurrenzprodukten zu finden ist. Dafür lässt sich der IS 220d unangestrengt und schaltfaul bewegen. Die Stärke des Diesel-Lexus ist das flüssige Gleiten über lange Strecken, was auch der sehr guten Geräuschdämmung zu verdanken ist, die nur ein leises, sonores Brummen in das Passagierabteil dringen lässt. Piezo-Injektoren im Einspritzsystem, eine auf 15,8:1 reduzierte Verdichtung und Keramikglühkerzen sorgen motorseitig für die gute Laufruhe.
Versprochen wird ein Verbrauch von durchschnittlich 6,3 Litern Kraftstoff (Sport Line: 7,2 l) auf 100 Kilometer. Der Bordcomputer unseres Testfahrzeugs meldete jedoch einen Treibstoffbedarf von 9,5 Litern auf 100 Kilometer. Das ist für einen modernen Diesel zuviel, auch wenn die Grenzwerte der Abgasnorm Euro 4 bei den NOx-Emissionen um 50 und bei den Rußpartikeln sogar um 80 Prozent unterschritten werden. Die guten Umweltwerte resultieren aus dem Einsatz des Verbrennungsverfahrens LTC, das mit Hilfe der flüssigkeitsgekühlten Abgasrückführung die Verbrennungstemperatur steuert, eines fünften Einspritzventils (EPI), das je nach Bedarf Kraftstoff in den Auslasstrakt einspritzt, sowie eines DPNR-Speicherkatalysators zur Konvertierung von NOx und Rußpartikeln. Der IS 220d wird nur mit einem manuellen Sechsganggetriebe angeboten, das sich präzise schalten lässt und eine gute Führung aufweist. Über das gesamte Drehzahlband bietet das Getriebe gute Anschlüsse und lässt auch Bummeln im hohen Gang zu. Für den IS 250 wird zur Zeit nur ein Sechsgang-Automat angeboten, der aber gut zum Charakter einer Reiselimousine passt. Egal ob man im Normal- oder Power-Modus unterwegs ist die Übergänge sind harmonisch und ruckfrei. Wer es sportlicher mag kann den Gangwechsel auch über Wippen am Lenkrad vornehmen. Auch das neu entwickelte Fahrwerk mit Doppelquerlenker-Vorder- und Mehrlenker-Hinterachse, bietet ein gutes Maß an Agilität, ohne den Komfort aus dem Blick zu verlieren. Der Lexus rollt geschmeidig ab und belästigt seine Passagiere nicht mit ungebührlichen Stößen. Erst bei wirklich schlechten Straßen gerät der Wagenkörper etwas in Bewegung, ohne unangenehm zu werden. Wer auf einen engeren Fahrbahnkontakt nicht verzichten will, kann auf die Sport Line-Ausstattung mit einem straffer abgestimmtem, um 10 Millimeter tiefer gelegten Fahrwerk und 18 Zoll Rädern umsteigen.
Gelenkt werden alle IS über die elektrische Servolenkung EPS, die ganz ohne Servopumpe auskommt. Mit diesem System lässt sich der Lexus präzise und gefühlvoll durch die Kurven dirigieren. Auch die Bremsanlage überzeugt: Vier groß dimensionierte Bremsscheiben, ein Antiblockiersystem und die elektronisch geregelte Bremskraftverteilung EBD (Electronic Brakeforce Distribution) bieten ausreichende Reserven. Das System lässt sich gefühlvoll dosieren und bietet einen genauen Druckpunkt im Pedal. In gefährlichen Situationen unterstützt ein Brems-Assistent (BA) bei Bedarf den Druck über den Bremskraftverstärker. Mittels Eingriff in die Bremsanlage und über die elektronisch gesteuerte Drosselklappe verhindert die Antriebsschlupfregelung TRC (Traction Control) ein Durchdrehen der Räder. Zusätzlich beugt das elektronische Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC (Vehicle Stability Control) durch gezielte Verzögerungen an Vorder- oder Hinterachse dem Ausbrechen des Fahrzeugs vor. Als Zusatzausstattung offerieren die Japaner das Fahrdynamik-Management VDIM, bei dem alle Fahrdynamiksysteme zu einem intelligenten Netzwerk verbunden werden. Das System koordiniert auf der Basis der Daten, die von Sensoren geliefert werden, alle aktiven Sicherheitssysteme und greift ein, um das Fahrzeug jederzeit sicher auf Kurs zu halten. Auch die Sicherheitsausstattung ist umfangreich. Ein ABS, die elektronisch geregelte Bremskraftverteilung EBD (Electronic Brakeforce Distribution), der Brems-Assistent BA (Brake Assist), die Antriebsschlupfregelung TRC (Traction Control) und das Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC (Vehicle Stability Control) sind Standard. Adaptives Kurvenlicht und das integrierte Fahrdynamik-Management VDIM (Vehicle Dynamics Integrated Management) können als Option bestellt werden. Dazu kann man wahlweise noch das adaptive Geschwindigkeitsregelsystem ACC (Adaptive Cruise Control) mit einem Mikrowellen-Radarsensor ordern, der automatisch Abstand zum Vorausfahrenden einhält. Zusätzlich gibt es PCS (Pre Collision Safety System), das bei Unfallgefahr automatisch für maximalen Bremsdruck, einen Bremsnickausgleich und die Aktivierung der Gurtstraffer sorgt.
Zweistufig auslösende Front-Airbags, Seiten- und Knieairbags für Fahrer und Beifahrer sowie Kopfairbags vorn und hinten und der innovative Zweikammer-Airbag auf der Beifahrerseite bieten den Insassen einen guten Schutz. Auf allen Sitzplätzen gibt es einstellbare Kopfstützen und Dreipunkt-Automatiksicherheitsgurte, von denen die vorderen über Gurtstraffer und Gurtkraftbegrenzer verfügen. Isofix Kindersitzbefestigungen und das Schleudertraumaschutzsystem WIL (Whiplash Injury Lessening) gehören auch zum Basispaket. Eine Garantie über drei Jahre oder bis zu einer Laufleistung von 100.000 Kilometern, drei Jahre auf die Lackierung sowie zwölf Jahre gegen Durchrostung der Karosserie sichern die Investition. Diese Preise beginnen beim IS 220d ab 29.600 Euro und für den IS 250 sind mindestens 31.000 Euro fällig. Für die Ausstattungslinie "Luxury Line" werden zusätzlich 6200 Euro verlangt und die "Sport Line" kostet, je nach Grundmodell, ab 4850 Euro. Das sind, im Vergleich zum direkten Wettbewerb, konkurrenzfähige Preise. Dafür erhält man eine intelligent und solide gebaut Reiselimousine, die mit durch ihren eigenen Stil überzeugt. Mit dem neuen IS ist der japanischen Marke ein guter Wurf gelungen. Trotzdem bleiben die Absatzerwartungen zurückhaltend. Für das Jahr 2006 will man 2200 Einheiten absetzen, davon 1500 mit Diesel. Angesichts des guten Gesamtpakets sollte mehr möglich sein.
(Text: Rainer Roßbach )
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