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Dresden: Refugien im Baulärm
14.07.2005
Dresden bereitet sich auf sein Jubiläum im kommenden Jahr vor. Bis dahin ist die Stadt im Ausnahmezustand: Beim Spaziergang durch die Altstadt wird man nicht von barocker Pracht beeindruckt, sondern von Bauzäunen, Absperrungen, Umleitungen, Lärm und Dreck genervt. Eines der wenigen Refugien der Ruhe im ansonsten recht aufreibenden Zentrum ist der Zwinger. Der barocke Prachtbau wurde zu Beginn des 18. Jahrhunderts von August dem Starken erbaut. Er sollte als kultureller Mittelpunkt des höfischen Lebens fungieren, und auch heute noch ist der Zwinger nicht nur eine touristische Attraktion, sondern vor allem ein Anziehungspunkt für Kulturinteressierte. Die Mauern des Zwingers beherbergen vier Museen, darunter eine historische Porzellansammlung und die alte Rüstkammer. Im mathematisch-physikalischen Salon kann man wissenschaftliche Instrumente bestaunen, einen arabischen Himmelsglobus aus dem 13. Jahrhundert und zahlreiche antike Uhren, darunter eine Planetenlaufuhr, die den Stand der Planeten in Relation zur Erde anzeigt. Ein besonderer Höhepunkt ist Dresdens historische Gemäldesammlung, die zu den bedeutensten Europas gehört. Kasse, Garderoben, Gepäckfächer, Toiletten und ein kleiner Buchladen befinden sich im Untergeschoss. Nimmt man die Treppen oder den Lift rechts von den Schließfächern, kann man den Rundgang im zweiten Obergeschoss beginnen. In den Räumen 216 bis 211 wird ein kunterbunter Querschnitt deutscher, schweizer, böhmischer, österreichischer und niederländischer Gemälde aus dem 17. und 18. Jh. ausgestellt. Besonders eindrucksvoll sind hier die Räume 210 bis 208 mit spanischen Werken aus dem 16. und 17. Jh., u.a. von El Grecco und Velázquez, bevor es mit italienischen Malern des 18. Jahrhunderts weiter geht. Das erste Geschoss präsentiert eine eindrucksvolle Kollektion flämischer und holländischer Meister, von Vermeer über Rubens bis hin zu Rembrandt. Nicht übersehen sollte man den kleinen Seitenflügel (Raum 108) mit schönen Gemälden und Altären, u.a. von Cranach, Dürer und Holbein van Eyck. Der gegenüberliegende Trakt des Obergeschosses ist der italienischen Malerei gewidmet. Neben Werken von Botticelli und Tizian ist hier einer der Höhepunkte der Ausstellung zu sehen: Raffaels "Sixtinische Madonna" in Raum 117. Zum Ausklang kann man im Erdgeschoss noch einige niederländische Bildteppiche und Dresdner Malerei aus dem 18. Jh. anschauen, bevor ein Durchgang in das Freiluft-Café mit Blick auf die Altstadt führt. Hier werden nachmittags Getränke, Eisbecher und kleine Speisen angeboten - ab 18 Uhr wird eine umfangreichere Abendkarte angeboten.
Für alle, die nach den Augen auch die Ohren verwöhnen wollen, bietet sich nach dem Besuch der Gemäldegalerie ein besonderer Start in den Sommerabend. Im Innenhof des Zwingers führen Orchester und Ballett der Landesbühne Sachsen allabendlich wechselnde Konzerte auf. Auf dem Programm steht Unterhaltsam-Publikumswirksames mit durchaus hohem künstlerischen Anspruch. So werden beim "Heiteren Sommerkonzert" Operettenmelodien und Musicalsongs geboten, die "Tänzerischen Serenaden" kombinieren Auszüge aus Opern und Ballettwerken mit einem Querschnitt durch die Musikgeschichte. Sergej Prokofjews Ballett "Romeo und Julia" eröffnet das Programm der "Tänzerischen Serenade I", mit sechs Tänzer(inne)n und einem zehnköpfigen Bläserensemble vor der barocken Kulisse des Wallpavillons effektvoll inszeniert. Im Mittelteil des etwa 1,5stündigen Programms wechseln sich Bacarolen von Mendelssohn mit einem wiederkehrenden Brahms-Walzer ab, bevor der Abend mit "What a wonderful world", "Tea for Two" und anderer leichter Kost abschließt. Die "Tänzerische Serenade II" ist ähnlich aufgebaut - hier steht nicht "Romeo und Julia", sondern Auszüge aus "Carmen" im Mittelpunkt des Programms. Neben den Tänzen sind vor allem die anspruchsvollen Arrangements für das ungewöhnlich instrumentierte Ensemble interessant - ein ruhiger und im guten Sinne unterhaltsamer Abend inmitten der ansonsten so ruhelosen Großbaustelle Dresden. Gemäldegalerie Alte Meister + Rüstkammer Zwingerkonzerte
(Text: Falko von Ameln ) |
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