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Dschingis Khan: Das Weltreich der Mongolen
29.07.2005
Vor 800 Jahren einigte Dschingis Khan die mongolischen Stämme. In den riesigen Gebieten Inner- und Ostasiens, deren zentrales Territorium die heutige Mongolei ist, vermochten Reiternomaden über Jahrtausende hin immer wieder mächtige Reiche aufzubauen. Das Imperium Dschingis Khans stellt den machtpolitischen Höhepunkt innerhalb dieser langen Tradition von Staatsgründungen im eurasischen Steppengürtel dar. Das größte Reich der Geschichte erstreckte sich in seiner Blütezeit vom Pazifischen Ozean bis Mitteleuropa und wurde in seiner Entwicklung durch eine Vielzahl von Völkern und Kulturen nachhaltig geprägt. Der Urahn Dschingis Khans war ein vom hohen Himmel erzeugter, schicksalerkorener grauer Wolf, so beginnt die Geheime Geschichte der Mongolen. Temüjin (ca. 11621227), der spätere Dschingis Khan, durchlebte eine entbehrungsreiche, von Kämpfen geprägte Jugend. Dank seiner großen organisatorischen Fähigkeiten und seines Charismas gelang es ihm nach dem Prinzip Loyalität und Fürsorge die Stämme der Mongolen und Turkvölker zu einer Konföderation zu vereinigen. 1206 schuf er das Mongolische Großreich und wurde zum ozeangleichen Herrscher, Dschingis Khan, erhoben. In den folgenden Jahren ersetzte er die bisherige, an der Abstammung orientierte soziale Ordnung der einzelnen Stammesverbände durch eine allgemeingültige politisch-militärische Ordnung, die in Zehntausendschaften untergliedert war. Führungspositionen wurden allein nach Leistung vergeben. Diese neue Struktur ermöglichte die Eingliederung immer neuer Völker in das Weltreich. Für die Mongolen war und ist Dschingis Khan nicht nur der vom Himmel legitimierte Herrscher und Begründer eines Weltreiches, sondern auch Gesetzgeber, Kulturschöpfer und Weisheitslehrer. Mit seiner Gesetzesordnung, der Großen Jassa, schuf er die Grundlagen des mongolischen Rechts. Als Ahnherr der Herrscherfamilie garantierte er die Rechtmäßigkeit der Regierung und war der Maßstab für das Handeln seiner Nachfahren. Als Kulturschöpfer soll Dschingis Khan verschiedene Praktiken eingeführt haben, die z. B. für die Viehwirtschaft bis heute wichtig sind.
Dschingis Khan starb auf einem Feldzug im Jahre 1227, sein Grab ist bis heute nicht gefunden worden. Der Leichnam des Dschingis ist nach dem Glauben der Mongolen tabu, über ihm sollen Bäume und Gras wachsen. Seine Seele lebt jedoch für immer weiter. Die Mongolen waren nicht nur erfolgreiche Eroberer, sie vermochten es auch, ihr riesiges Herrschaftsgebiet souverän unter Kontrolle zu halten. Effektive Verwaltungsstrukturen, die Förderung des Handels, modernes Postwesen und Papiergeld, schließlich eine weitgehende religiöse und kulturelle Toleranz bildeten das Fundament der sogenannten Pax Mongolica: Bis ins 16. Jahrhundert hinein blühte der Austausch zwischen Europa und Asien mit noch nie da gewesener Intensität, über Handelswege gelangten nicht nur Waren, sondern auch Ideen und zivilisatorische Errungenschaften von einem Teil des Imperiums ins andere. Die Ausstellung zeigt das mongolische Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht. Ein weiterer Bereich der Ausstellung widmet sich den Nachfolgereichen des Dschingis Khan-Imperiums, wie sie bis ins 16. Jahrhundert in Asien und Europa bestanden haben. Gezeigt werden einmalige Zeugnisse kultureller Wechselwirkung zwischen den nomadischen Eroberern und den sesshaften Völkern: Die Goldene Horde in Russland, das Reich der Tschagatai in Zentralasien, die Ilkhanate in Persien und die Yuan-Dynastie in China und haben großartige Kunstwerke hervorgebracht, die in repräsentativer Auswahl in der Ausstellung gezeigt werden.
Als die Nachfolger Dschingis Khans vor der Notwendigkeit standen, ihrer Herrschaft durch die Einführung einer Hochreligion eine tragfähige ideologische Grundlage zu geben, entschieden sie sich für den Buddhismus. Der Hof des mongolischen Khans zeichnete sich durch eine große religiöse Toleranz aus: Neben Schamanen, nestorianischen Christen und katholischen Missionaren haben hier vor allem tibetische Buddhisten gewirkt. Die Ausstellung zeigt die wechselvolle Geschichte des Buddhismus im mongolischen Herrschaftsgebiet vom 13. bis zum 20. Jahrhundert und belegt diese durch prägnante künstlerische Zeugnisse. Insgesamt gibt es 400 Exponate zu bestaunen: Neueste archäologische Funde, Waffen und Rüstungen, kostbar illuminierte Manuskripte und historische Karten, Textilien, Keramik und sakrale Kunstwerke zeichnen ein Bild der reichen mongolischen Tradition. Kunst- und Ausstellungshalle Ausstellungsdauer 16.6.2005 25.9.2005
(Text: rr ) |
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