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Exotische Gaumenfreuden: Dresden
02.12.2005
Dresdens beste Adresse für außergewöhnliche kulinarische Erlebnisse liegt abseits der ausgetretenen Touristenpfade: Die nördlich der Elbe gelegene Neustadt verwandelt sich allabendlich in den ultimativen Treffpunkt für Studenten, Lebenskünstler, Hungrige und Durstige. Die Gegend um die Königstraße gibt sich dabei etwas eleganter und gestylter, während das Szeneviertel um die Görlitzer Straße und die Alaunstraße sich nachts in einen wahren Hexenkessel verwandelt: Dutzende schicker oder skurriler Bars, diverse türkische Kebab- und Dürüm-Outlets, russische, jüdische, marokkanische, afghanische und andere ausgefallene Restaurants locken das Nachtvolk an. Wir präsentieren eine Auswahl für den geruhsamen ebenso wie für den mutigeren Besucher.
Das von der Königsstraße abzweigende Wallgässchen hat mit einigen interessanten kulinarischen Adressen aufzuwarten. Bei Mama Africa kann man im rustikal-gemütlichen, mit afrikanischen Devotionalia ausgestatteten Innenraum, bei afrikanischen Temperaturen auch im großen Außenbereich sitzen. Auf der südafrikanisch inspirierten Speisekarte stehen nicht nur Lamm, Rind, Geflügel und Straußenfleisch – hierzulande fast schon zum Standard avanciert -, sondern auch Krokodil, Kudu, Oryxantilope und Zebra (um 12-18 Euro). Wer diese Tiere lieber im Zoo streichelt, kann auf wenige vegetarische Optionen wie z.B. Maisbrei mit Blattspinat ausweichen. Unter den dazu passenden experimentellen Getränken finden sich Kaktusfeigensaft, Mango-Bier und Kokos-Weizen. Die im Hausprospekt angepriesene "unübertroffene Gastfreundschaft" stößt allerdings bereits bei mittlerer Auslastung der Küche an ihre Grenzen, so dass man sich gelegentlich auf afrikanische Zeitrhythmen einstellen muss. Nicht weit von Pfunds Molkerei, einer der beliebtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt, liegt das Thai-Restaurant Pailin. In den dezent und gemütlich eingerichteten Räumen geht es in der Regel eher ruhig zu. Am Essen kann dies nicht liegen, denn hier beherrscht man die Kunst des Umgangs mit den verschiedenen Gewürzen und frischen Kräutern der Thai-Küche souverän. Die Karte dekliniert Huhn, Schwein, Rind, Ente, Fisch, Garnelen, Tintenfisch und Gemüse durch die verschiedenen Geschmacksvarianten, z.B. Tamarindensauce, Pfeffersauce, süß-sauer und rotes oder grünes Curry mit Kokosmilch. Die Preise für ein Hauptgericht bewegen sich zwischen 8 und 13 Euro (etwas mehr im Fall der Garnelengerichte), und dass man hier authentisch kocht, zeigt die Legende zu der Chilischote, die einige Gerichte auf der Karte dekoriert: "normal scharf".
Thailands Nachbar Vietnam präsentiert seine kulinarischen Errungenschaften im meist gut besuchten Hai An. Zu den Spezialitäten gehört hier Perch-Fisch, auf dem Teller als martialischer "Kampffisch" dekoriert. Fischliebhaber könnten sich auch für die Suppe mit Aal, vietnamesischem Rhabarber, Ananas, Tomate, Sellerie, Koriander, Basilikum, Tamarinde und Okra erwärmen, die für 10,50 € als vollständiges Hauptgericht durchgeht. Interessante Abwechslung bieten auch der Rindfleischspieß in wilden Betelblättern oder der Entensalat mt Lotusstielen für moderate 4,30 €. Auf jeden Fall richtig liegt man auch mit den vietnamesischen Reispapierrollen, eine leicht und frisch schmeckende - weil nicht frittierte - Köstlichkeit. Nur ein paar Meter weiter findet man das El Cubanito, das mit heißen Rumba-Rhythmen die richtige Einstimmung für den weiteren Abend bietet. Dabei helfen Suppen, Snacks oder Empanadas und natürlich diverse Cocktails - Daiquiri, Mojito, Caipirinha und Bahia sind für 4,10 bis 5,50 € zu haben. Für ein paar Cent mehr gibt es den "Barman Cocktail", der von eben diesem für jeden Gast individuell zusammengemischt wird. Cocktails (incl. der Überraschungsvariante) sind auch in nicht-alkoholischer Form zahlreich auf der Karte vertreten. Wer größeren Hunger hat, bestellt einen mit 9 € für zwei Personen geradezu lächerlich billigen Plato Criollo. Auf dieser gemischten Platte finden sich Fleisch mit Kartoffeln, Reis mit Bohnen, Maniok, Süßkartoffeln und andere karibische Gerichte - eine deftige Stärkung vor dem Absprung ins direkt vor der Cubanito-Tür brodelnde Dresdner Nachtleben. Mama Africa Pailin Hai An El Cubanito
(Text: Falko von Ameln )
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