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Aktualisiert am 03.09.2010
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Mini Cooper-S: Heldensage

15.02.2006

Mini Cooper
Sieger der Rallye Monte Carlo 1964: Hopkirk/Liddon auf Mini Cooper S

Bereits gut sechs Monate nach seinem Debüt starteten sechs Mini-Werkswagen bei der Rallye Monte Carlo 1960. Sechs weitere wurden von Privatfahrern gemeldet. Allerdings erwies sich der kleine Engländer als noch nicht besonders wettbewerbsfähig: Die beste Platzierung erreichten Riley/Jones mit dem 23. Rang. Auch im Jahr danach waren die Kleinwagen aus England nicht so recht erfolgreich: Keiner der drei gestarteten Werkswagen erreichte das Ziel.

Ganz anders 1962: In diesem Jahr fuhr erstmals der Finne Rauno Aaltonen auf einem Mini Cooper die Monte und es wäre beinahe auch seine letzte gewesen: Bei einem Unfall überschlug sich sein Auto, landete auf dem Dach fing Feuer und brannte komplett aus.

Damit blieben nur noch zwei weitere Werks-Minis im Rennen, die die Rallye als 26. und 77. beendeten. In den Teilnehmerlisten tauchten jedoch noch zwei weitere Namen auf, die später für Schlagzeilen sorgen sollten: Timo Mäkinen startete als Privatfahrer auf einem Mini Cooper und der Sunbeam Rapier, der den dritten Platz im Gesamtklassement belegte, wurde von einem Iren namens Patrick Hopkirk bewegt.

1963: Erster Klassensieg für den Mini Cooper

Ein Jahr später saß Hopkirk schon am Steuer eines Mini Coopers. 1963 gingen vier Werkswagen an den Start. Erfolgreichster Pilot war Rauno Aaltonen, der den Klassensieg und den dritten Platz im Gesamtklassement einfuhr. Paddy Hopkirk folgte auf Platz zwei in seiner Klasse und Platz sechs in der Gesamtwertung. Die beiden anderen Mini Cooper erreichten die Plätze 28 und 44.

30 Punkte für den Sieg: Paddy Hopkirk gewinnt die 1964 Monte

1964 meldet BMC sechs Werkswagen für die Rallye Monte Carlo, 24 weitere werden von Privatfahrern gesteuert. Patrick Hopkirk und Henry Liddon starten im weißrussischen Minsk, während Rauno Aaltonen und Tony Ambrose von Oslo aus Südfrankreich ansteuern. Die drei anderen Minis nehmen die Strecke von Paris aus unter die Räder.

Während das bisherige Auto ein Serien-Mini mit 56 PS aus 997 Kubikzentimetern Hubraum war, das eine Höchstgeschwindigkeit von 140 km/h erreichte, kam 1964 die neue Cooper S-Version zum Einsatz. Dessen Motor mobilisierte aus 1071ccm 70 PS. Nicht nur die Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h verspricht mehr Wettbewerbsfähigkeit, sondern vor allem auch die bessere Beschleunigung. Statt bisher in 19 Sekunden erreicht der Cooper-S aus dem Stand Tempo 100 in 13 Sekunden.

Mini Cooper
Fürstlicher Empfang: Hopkirk/Liddon bei der Siegerehrung, Rallye Monte Carlo 1964

Während die Verbindungsetappen nur taktisches Geplänkel brachten, fiel die Entscheidung in der "Nacht der langen Messer". Für die anspruchsvollste Prüfung wappnen sich die Teams mit allem, was ihnen zur Verfügung steht: Eisspione fahren möglichst kurz vor dem Start voraus, um die Fahrer vor den kritischen Stellen zu warnen. Gepokert wird vor allem mit den Reifen: Manche setzen auf Spikes, andere auf speziell für die Witterung angefertigte Mischungen. Sogenannte Super Low Section-Reifen mit asymmetrischem Profil sollen für optimale Traktion sorgen, oder Pneus in Halbgürtelbauweise; zudem tauchen die ersten Dunlop Niederquerschnitts-Rennreifen auf.

Bo Ljungfeldts auf Ford Falcon ist der härteste Konkurrent der Minis und liegt vor dem Start um 65 Sekunden vorn. Doch der großvolumige Motor erweist sich als Nachteil. Denn die Regeln besagen, dass je mehr Hubraum ein Auto bei der Rallye Monte Carlo hat, desto schneller muss es fahren, um sich keine Strafpunkte einzuhandeln.

Ljungfeldt wuchtet seinen Wagen durch die Serpentinen zum 1607 Meter hohen Col de Turini, aber Gewicht, Größe und der Hinterradantrieb erweisen sich im tiefen Schnee als Nachteil. Die kleinen Mini Cooper gleichen das Leistungsmanko durch ihre Kurvenwilligkeit und den Frontantrieb mehr als aus. Als der Ford Falcon-Pilot am Ziel ankommt, hat er gerade mal 17 Sekunden Vorsprung auf Hopkirk herausgefahren.

Nach der Handicapformel führt der Ire deshalb mit 2 152,1 Strafpunkten. Auf den zweiten Platz hat sich Saab-Fahrer Carlsson mit 2 183,2 Zählern vorgearbeitet. Timo Mäkinen hat einen Platz gut gemacht und liegt mit 2 216 Punkten um Haaresbreite vor Ljungfeldt mit zwei Zehntelpunkten mehr.

Bo Ljungfeldts hat noch die Chance auf den Sieg. Zum letzten Mal wird in diesem Jahr ein abschließendes Rundstreckenrennen auf dem Grand Prix Stadtkurs von Monaco ausgetragen: Der Schwede holt aus dem Falcon raus, was die Maschine hergibt. Aber auch Paddy Hopkirk lässt den Mini Cooper laufen. Er ist nur eine halbe Minute langsamer als Ljungfeldt und sichert sich so den Gesamtsieg der Rallye Monte Carlo 1964. Ljungfeldt ist am Ende Zweiter mit 2 566,7 Zählern und Carlsson mit 2 573,7 Punkten Dritter. Den BMC-Triumph komplett machen Mäkinen mit 2 593,8 Punkten auf Platz vier und Rauno Aaltonen mit 2 619,5 Zählern auf Platz sieben.

Mini Cooper
Wiederholungstäter: Der Mini Cooper S gewinnt 1965 zum zweiten Mal die Rallye Monte Carlo, diesmal mit Mäkinen/Easter

1965: Nur 35 von 237 Autos erreichen das Ziel

1965 brachte BMC die Mini Cooper zum erstenmal mit einer tartanroten Lackierung und mit einem weißen Dach an den Start.

Neben der Rallye Monte Carlo des Jahres 1952, als das Wetter in den Seealpen nur Schnee und Eis zu bieten hatte, galt die des Jahres 1965 als die bis dahin schwierigste. Statt eines abschließenden Rundstreckenrennens auf dem Formel-1-Kurs von Monaco mussten die Teams erneut in die Berge starten. In einer zweiten mörderischen Nachtfahrt von über 610 Kilometern, die von Saint-Claude nach Monte Carlo führte, jagten die Rallyeautos ein weiteres Mal unter schwierigsten Bedingungen durch die Seealpen. Im dichten Schneetreiben lag die Sicht fast bei Null, das von Schnee und Eis reflektierte Halogenlicht blendete die Fahrer, so dass zum Schluss nur noch 35 von einst 237 gestarteten Teams die Zielflagge sahen.

Timo Mäkinen gewann mit seinem Co-Piloten Paul Easter souverän die Gesamtwertung. Er war der einzige Fahrer im gesamten Feld, der ohne einen Strafpunkt das Ziel erreichte, und das bei sehr schwierigen Schnee-Verhältnissen in den französischen Alpen. Immerhin war der Finne auf dieser schwierigen Etappe in drei von fünf Sonderprüfungen die schnellste Zeit gefahren. In die letzte Nachtfahrt startete er mit acht Minuten Vorsprung: In fünf von sechs Sonderprüfungen markierte er die Bestzeit.

Mini Cooper
Aus zweifelhaften Gründen disqualifiziert: Mini Cooper S von Mäkinen/Easter nach der Rallye Monte Carlo 1966

Mäkinen, der gemeinsam mit Paddy Hopkirk in Stockholm gestartet war, fuhr erstmals einen Mini Cooper mit der neuen 1275ccm-Maschine. Zwei weitere Autos kamen aus Minsk und je eines aus Paris und Athen. Hopkirk beendete die Rallye auf Platz 26, auf dem nächsten Rang folgte mit den Brüdern Eric und Donald Morley ein weiteres Werksteam.

1966: Gewonnen – und disqualifiziert

1966 waren die vier Cooper-Teams hohe Favoriten. Das Werksteam dominierte die Rallye von Anfang an: Mäkinen, Aaltonen und Hopkirk fuhren dem Feld auf und davon. Am Ende der Rallye belegten sie die ersten drei Plätze. Doch dann folgte der Schock: In einer achtstündigen technischen Abnahme nach Ende der Rallye stellten die Kommissare schließlich fest, dass die vier Zusatzscheinwerfer vor dem Kühlergrill der Mini Cooper nicht exakt den französischen Zulassungsbestimmungen entsprachen. Nur auf Grund dieses umstrittenen Urteils erkannte die Jury den drei Erstplatzierten ihren Sieg ab. Auch der an vierter Stelle rangierende Lotus Cortina wurde mit derselben Begründung disqualifiziert. Am Ende stand der Citroën-Fahrer Toivonen als Sieger auf der obersten Treppenstufe.

Mini Cooper
Fall/Wood auf Mini Cooper S, Rallye Monte Carlo 1968 (4. Platz)

Ungeachtet dieser bitteren Entscheidung starteten die Mini Cooper auch 1967 bei der Monte. Die drei Stammpiloten Aaltonen, Hopkirk und Mäkinen wurden ergänzt von Simo Lampinen und Tony Fall. Der "fliegende Finne" Rauno Aaltonen war zwölf Sekunden schneller als der zweitplatzierte Lancia und gewann die Gesamtwertung,. Alle anderen Mini Cooper sahen ebenfalls die Zielflagge, Hopkirk wurde Sechster, Fall kam als zehnter ins Ziel, fünfzehnter wurde Lampinen und Mäkinen landete auf Platz 41.

1968: Schwanengesang

1968 starteten die Werks-Mini zum letzten Mal mit dem Ziel Monaco. Aaltonen belegte mit seinem Mini Cooper S den dritten Platz, Fall den vierten und Hopkirk den fünften, während Mäkinen auf Platz 55 die Rallye Monte Carlo beendete.

Auch wenn die Ergebnisse noch mal hervorragend waren, stand fest: Der Mini Cooper S hatte als Rallyeauto seinen Zenith überschritten. Die Ära endete – aber die Legende hat überlebt.

(Text: pt / rr )
(Fotos: BMW )

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