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Lancia Fulvia Coupé: Zurück auf Anfang
08.01.2006
2003 zeigte Lancia auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt eine berückend schöne Neuinterpretation des Lancia Fulvia Coupé, das 1965 seine Premiere auf dem Turiner Salon hatte. Das Publikum reagierte positiv auf die Studie und durch die Verwendung der Fiat Barchetta-Plattform stand das Auto auf einer technischen Basis, die eine Serienproduktion realistisch erscheinen ließ. Danach war das Coupé nochmal beim Concorso d'Eleganza der Villa D'Este im Frühjahr 2004 zu sehen und wurde auch hier freundlich aufgenommen. Kurze Zeit später folgte die Enttäuschung: Fiat erklärte kategorisch, dass für Nischenmodelle kein Geld in der Kasse sei und dass es für das Fulvia-Projekt keine Chance auf eine Realisierung gäbe. Das war schade für den Entwurf, der mit seiner klassischen Linie die schlichte Eleganz des Vorbilds in die Jetztzeit transportiert. Anfang 2006 wurden die Uhren aber wieder auf Null gestellt. Die Konzern-Kommunikation erklärte, dass es ab 2007 von Lancia ein kompaktes Coupé geben wird, dass sich in Form und Größe an der Fulvia-Studie orientiert.
Was ist von einer Serienversion zu erwarten? Die 2003er Studie bemühte sich um Authentizität: Die Dimensionen und das Stufenheckschema der Studie wurden vom Vorgänger übernommen, die Spurweite jedoch aus fahrdynamischen Gründen vergrößert. Schon die Fulvia der sechziger Jahre hatte den optischen Fahrzeugschwerpunkt auf der Vorderachse: Diese Betonung des Frontantriebs findet sich auch bei der Studie und ebenfalls der tropfenförmige Grundriss, die sehr breite Frontpartie sowie die nach hinten hin zulaufende Heckpartie. Auch die Silhouette mit ihrem Wechsel von konkaven und konvexen Flächen, der ausgeprägten Schulterpartie und dem prägnanten Fastback sind eine Hommage an den Vorgänger. Selbst die Rückleuchten variieren das historische Vorbild. Der Innenraum dagegen ist studientypisch mit Edelholz und Aluminium ausgestattet und lässt nur indirekte Rückschlüsse auf die endgültige Fassung zu. Vielleicht können sich die klassisch geformten Analoginstrumente und das Lederlenkrad mit drei Metallspeichen sowie die zentralen runden Lüftungsöffnungen in die Serie retten.
Neu definiert werden muß die technische Plattform, da die Produktion des Fiat Barchetta ausgelaufen ist. Angetrieben wird die Lancia Studie von dessen 140 PS starken 1,8 Liter großen 16V-Vierzylinder mit integriertem Phasenschieber. Dank einer nur 1.000 Kilogramm leichten Aluminium-Karosserie, die ein gutes Leistungsgewicht von 7 kg/PS zur Folge hat, erreicht der Sportwagen eine Höchstgeschwindigkeit von 213 km/h. Dem Sprint auf 100 km/h in 8,6 Sekunden steht ein Durchschnittsverbrauch von lediglich 7,3 Litern Kraftstoff auf 100 Kilometern gegenüber. Eine Alukarosserie ist für die Serie kaum zu erwarten und möglicherweise wird sich eine neue technische Basis auf das Design auswirken. Die gelungene Symbiose aus Eleganz und Sportlichkeit der ersten Lancia Fulvia wird aber in einer ähnlichen Form auch beim Nachfolger zu finden sein.
Das Lancia Fulvia Coupé der sechziger Jahre ist als Klassiker in Deutschland populärer, als es der Neuwagen jemals war. Die Liebe zu italienischem Design und eine besondere Affinität zur Lebensart spielen hier eine besondere Rolle. Welche Marktchancen könnte also eine Neuauflage hierzulande haben? Mit dem Alfa Romeo Brera haben die Italiener bewiesen, dass sie die Formen einer hochwertigen Studie auf einem beachtlichen Niveau in ein Serienmodell umsetzen können. Das könnte auch bei der Fulvia gelingen. Premiummarken vom Stiefel sind jedoch oft feingliedrig und subtil gestaltet, während in Deutschland eher das maskuline Design bevorzugt wird. Damit ist die filigrane und feminine Fulvia auf eine Außenseiterrolle festgelegt und wird für Lancia vor allem positiv auf das Image wirken können. Größere Stückzahlen werden sich sicher nicht absetzen lassen, in jedem Falle aber wird das Coupé das Strassenbild positiv beeinflussen.
(Text: Rainer Roßbach )
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