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Mini Concept Detroit: Dritter Aufguss
19.01.2006
So langsam hat es auch der Letzte begriffen: Das nächste Mitglied der Mini-Familie wird ein Kombi sein. Nach der Premiere bei der IAA und der zweiten Variante zum Salon in Tokyo zeigt BMW den langen Mini in Detroit nun der Jahreszeit entsprechend im Winter-Outfit. Viel hat sich nicht verändert seit seinem ersten Auftritt, das Grundthema wird immer wieder mit Änderungen an der Dachform, im Innenraum und natürlich mit anderen Farben variiert. Drei Versionen des gleichen Grundthemas lehnen sich an das klassische Vorbild der aktuellen Studie an. 1960 stellte man bei Austin-Morris eine Großraumversion des erfolgreichen Kleinwagens vor, die als Austin Seven Countryman mit einer Holzstruktur im Stil der "Woodies" und als Morris Traveller in klassischer Blechhülle angeboten worden. Die später nachgeschobene Clubman Estate-Variante unterschied sich vom Traveller durch eine modernisierte Nase. Dieses Trio war bis 1982 im Angebot, zudem wurde auf dieser Plattform noch eine Pickup-Variante angeboten, 400.000 Einheiten konnten verkauft werden.
Die drei bisher vorgestellen Studien unterscheiden sich da viel weniger voneinander, und das ist ein starkes Indiz dafür, daß die Form der Aussenhaut weitgehend feststeht. Formal folgen die Studien, wie schon die Mini-Limousine, konsequent den Vorgaben aus der Vergangenheit, ohne platte Plagiate im Retrostil zu sein. Auch die neue Interpretation der Idee "Mini mit Ladekapazität" kommt mit einem dezent verlängerten Radstand daher, der dem Platz auf den Rücksitzen zugute kommt. Ein deutlich verlängerter hinterer Überhang sorgt für ausreichend Stauraum. Historisch korrekt öffnen Splitdoors den Zugang zum Gepäckabteil und Schiebefenster sorgen für gute Entlüftung. Für Fahrer-, Beifahrer- und Hecktüren kommen Aufhängungen mit Parallelogramm-Kinematik zum Einsatz; sie schwenken in einer einzigen Bewegung gleichzeitig zur Seite und nach vorne und bieten so maximalen Zugang nach innen.
Das neueste Derivat unterstreicht den Lifestyle-Charakter des geplanten Kleintransporters deutlich. Nicht Malereimer, vielleicht nicht einmal Kinderwagen, sondern Sportequipement ist das bevorzugte Ladegut der anvisierten Kundschaft. Das Ausstellungstück wirkt schon recht seriennah. Die Front lehnt sich an die zu erwartenden Modellüberarbeitung des Mini an, bis zur A-Säule unterscheidet sich die Studie auf den ersten Blick nicht sehr von dem, was zur Zeit beim Händler steht. Durch den Entfall der B-Säule wird ein Designelement alter Hardtop-Coupés in das Design des kleinen Kombis eingeführt, in der Kombination des versenkbaren Fensters in der Tür mit den elektrisch verschiebbaren hinteren Fenstern öffnet sich eine pfostenlose große Fläche. Der Mini Concept Detroit ist straff und glattflächig, die herausgearbeiten Radläufe und der große Powerdome auf der Motorhaube unterstreichen die Sportlichkeit.
Wenn man von der Innenausstattung einmal absieht, die sicher viel konservativer und damit auch langweiliger sein wird, präsentiert sich die Winteredition ohne allzuviel Spielereien, die keine Chance auf Serienfertigung hätten. Kern des “Floating-Elements-Concept” in Innenraum sind die Sitze, die am Mitteltunnel “schwebend” aufgehängt wurden. Das frei schwebende Armaturenbrett mit dem “Center Speedo” als drehbares Zentralinstrument mit digitaler und analoger Anzeige unterstützt den Eindruck von Geräumigkeit. Vier Personen können im MINI Concept Detroit bequem Platz nehmen, das Einsteigen nach hinten wird durch Drehen der Vordersitze erleichtert. Nach dem Umklappen bilden die Rücksitzlehnen eine ebene Fläche mit dem Stauraumboden.
Selbst das variable Dach ist nichts weiter als eine geschickte
Kombination aus einem großen Schiebedach und einer Ladeluke,
die man schon von der Kastenversion des Renault R4 her kennt. Der
Laderaum des Mini Concept Detroit verfügt über eine flexible
Cargobox, deren Deckel sich nach hinten ausziehen lässt und dem
Benutzer als Einladehilfe entgegenfährt. Zudem lässt sich
die durchsichtige Abdeckung der Cargobox auch nach oben schwenken und
dient so als Trennwand zwischen Passagier- und Laderaum. Die
Sports Utility Box ist ein multifunktionales, zusätzliches
Wechsel-Staufach, das im geöffneten hinteren Seitenfenster
eingeklinkt wird. An ihr gibt es beidseitig Klappen, die das Be- und
Entladen der Box sowohl von außen als auch vom Fahrgastraum aus
erlauben, ebenso wie das praktische Durchreichen von Gegenständen.
Schöne Aussichten also, und man wundert sich, daß BMW noch weitere drei Jahre brauchen will, bis die Serienversion auf den Markt kommt. Sicher wird man die Zeit nutzen, um mit weiteren Varianten das Interesse hoch zu halten, für den Pickup und den Woodie gibt es ja schon historische Vorbilder.
(Text: Dieter Roßbach )
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