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Aktualisiert am 31.12.2011
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GP von Bahrain: Heißer Tanz zum Formel 1-Auftakt

09.03.2006

McLaren-Mercedes MP4-21
Der MP4-21 von McLaren-Mercedes präsentierte sich bei Tests zuletzt sehr stark

So heiß wie Fans und Fahrer den Saisonstart in Bahrain herbeisehnen, so heiß dürfte der erste Lauf zur Formel 1-Weltmeisterschaft 2006 werden: Die Strecke im Scheichtum – erstmals Schauplatz des WM-Auftaktes – ist bekannt für immense Asphalt- und Lufttemperaturen sowie unkalkulierbare Grip-Verhältnisse. Konstrukteurs-Weltmeister Renault F1 geht als Titelverteidiger in die Saison – mit einer klaren Zielsetzung: Die Franzosen wollen die Saison unbedingt mit dem erneuten Titelgewinn krönen. Die Ergebnisse der Wintertests und die überzeugende Leistung des Reifenpartners Michelin nähren die Hoffnung, dass der Grundstein dafür mit einem Sieg in der Wüste von Bahrain gelegt werden könnte.

Zum dritten Mal gastiert der Grand Prix-Tross auf der Arabischen Halbinsel – zum ersten Mal findet auf dem „Bahrain International Circuit“ bei Sakhir der Saisonauftakt statt. Interessantes Detail: Der Kurs in den Dünen 30 Kilometer vor der Hauptstadt Manama ist erst die 13. Strecke, der in 57 Jahren Formel 1 die besondere Ehre des ersten Rennens zuteil wird. 57 Runden à 5,412 km, insgesamt also 308,238 km, müssen die Piloten hinter sich bringen.

Die Grand Prix-Piste weist verschiedene interessante Herausforderungen auf: Die vier langen Geraden bieten Überholmöglichkeiten, und die schnellen Kurvenkombinationen an der Rückseite des Fahrerlagers stellen Balance und Set-up nachdrücklich auf die Probe. Die Herausforderung besteht darin, bei der Abstimmung einen Kompromiss zu finden zwischen stabiler Balance in schnellen Kurven und tendenziell „weicher“ Aufhängung in den langsamen Abschnitten, wo mechanischer Grip gefragt ist.

Wesentliches Kennzeichen des Wüstenrennens ist die große Hitze. Auf der Chassis-Seite begegnen die Teams dem Problem mit größeren Kühllufteinlässen. Die neuen V8-Triebwerke stellen wegen der geringeren Leistungsabgabe in dieser Hinsicht zwar theoretisch niedrigere Ansprüche als ein V10. Dafür liegt die durchschnittliche Drehzahl über eine Runde sowie der Volllastanteil signifikant höher.

BMW Sauber F1.06
Das Team BMW Sauber F1 vertraut auf Rennreifen von Michelin

In puncto Bremsen und Bremsverschleiß ist Bahrain neben Montreal der anspruchsvollste Kurs der Saison. Drei Mal pro Runde verzögern die Fahrer aus über 300 km/h bis in den ersten oder zweiten Gang. Überdies folgen zwischen den Kurven 4 und 13 die Richtungswechsel extrem schnell aufeinander, so dass die Bremsen kaum Zeit bekommen abzukühlen. Dies kann zur Oxidation der Bremsscheiben führen, was die Teams aber mit den größten Kühllufteinlässen der gesamten Saison zu verhindern suchen.

Zugleich fordert der „Bahrain International Circuit“ auch die Triebwerke überdurchschnittlich stark. Mit 70 Prozent Vollgasanteil gehört die Strecke bei Manama diesbezüglich zu den fünf anspruchsvollsten der Saison. Zusätzliche Herausforderung für die Motorentechniker: Mit höheren Temperaturen steigt das Drehzahlniveau, bei dem die Motoren ihre maximale Leistung entwickeln. Pro zehn Grad Celsius gehen die Techniker von einem Ansteigen des Leistungszenits um 300 Touren aus. Dieser Effekt wurde bislang weitgehend durch die variablen Ansaugkanäle ausgeglichen. Da die seit dieser Saison nicht mehr erlaubt sind, müssen die Teams die Außentemperaturen sehr viel akkurater vorhersagen und in die Auslegung der jeweiligen Ansaugtrakte mit einberechnen. Das in den Vorjahren oftmals befürchtete Ansaugen von Sandpartikeln – die sich verheerend auf Kolben, Kolbenringe und Ventile auswirken würden – haben die Teams durch Verwendung spezieller Luftfilter mittlerweile weitgehend im Griff.

Durch die Lage des Kurses inmitten der Sanddünen werden Sand und Staub auf die Strecke geweht. Der hiervon verursachte Mangel an Grip verschärft paradoxerweise den Reifenverschleiß. Denn wenn die Reifen weniger Haftung finden, beginnen sie zu rutschen. Dieser Schlupf zwischen Gummi und Asphalt trägt zur inneren Erwärmung der Reifen bei – weit stärker, als wenn sich der Pneu auf rauhem, griffigem Asphalt mit der Oberfläche verzahnt. Vermutlich werden etwa die Michelin Teams wie 2004 – als planmäßige Reifenwechsel erlaubt waren – im Rennen drei Mal stoppen, um frische Rillenslicks montieren zu lassen.

Der Große Preis von Bahrain am kommenden Wochenende markiert den Start zu einem langen Marathon, in dessen 226 Tagen Dauer die Formel 1-Teams an 18 Rennstrecken auf fünf Kontinenten gastieren. Mit dem Wechsel von V10- auf V8-Motoren, dem neuen Qualifying-Format und natürlich der Rückkehr zu Reifenwechseln im Rennen wartet die Formel 1 mit einer ganzen Reihe wesentlicher Neuerungen auf.

Renault Team
In Bahrain beginnt für Renault das Unternehmen Titelverteidigung

Pat Symonds, Chefingenieur Renault F1: „Bahrain gehört aus Reifensicht nicht zu den schwierigen Kursen, aber die Strecke bietet trotzdem einige Herausforderungen. Wegen der wenigen schnellen Kurven liegt der Betrag der so genannten Reifenenergie – die Menge an Energie, die ein Reifen während einer Runde aufnimmt – relativ niedrig. Das gilt erst recht verglichen mit dem zweiten Saisonrennen in Malaysia. Dafür kommen in Bahrain ausnehmend viele ,Traction Events‘ vor – also das Herausbeschleunigen aus langsamen Kurven. Und dies unterzieht die Reifen einer ständigen Belastung, so dass wir vor allem auf die Hinterreifen achtgeben müssen. Für Renault F1 ist Bahrain insofern interessant, da wir während der Tests nie bei solch hohen Temperaturen gefahren sind. Aber Michelin hat intensiv bei diesen Bedingungen getestet und wird uns die passenden Reifen zur Verfügung stellen. Ich bin fest überzeugt, dass wir gemeinsam an unser hohes Niveau vom Saisonende 2005 anknüpfen können.“

Nach erfolgreichen Wintertests reist der amtierende Weltmeister Renault F1 mit großen Erwartungen nach Bahrain: „Wir nehmen unseren Schwung vom Gewinn der Weltmeisterschaft mit in diese Saison und wollen 2006 ein noch höheres Leistungsniveau erreichen als zuletzt”, gibt sich Bob Bell, Technischer Direktor Chassis, kämpferisch.

Honda RA106
Von Honda erwarten viele Experten 2006 Siege

McLaren-Mercedes meldete sich rechtzeitig im Kreis der Favoriten zurück, übt sich vor dem Auftakt aber in Zurückhaltung: „Im Wettbewerb können wir erst wirklich sehen, wie gut die verschiedenen Autos sind“, erklärt Kimi Räikkönen. Selbst Testfahrer Pedro de la Rosa kann angesichts der zuletzt guten Testergebnisse das „erste Rennen kaum noch erwarten“.

Eine gute Rolle dürfte auch das Honda Racing F1 Team spielen, das kurz vor Saisonstart bereits in Bahrain testete: „Wir haben in dieser Woche sehr viel über den Wagen und die Reifen gelernt, um uns optimal auf das erste Rennen 2006 vorbereiten zu können," berichtete Chefingenieur Mark Ellis. Entsprechend zuversichtlich zeigt sich Pilot Jenson Button: „Wir sind weiter als wir es in allen vergangenen Jahren waren, deshalb wollen wir in Bahrain um einen Sieg kämpfen. Wir wären sehr enttäuscht, wenn das nicht der Fall sein sollte."

Das neu formierte BMW Sauber F1 Team erwartet laut Dr. Mario Theissen keine Wunder, ist aber zuversichtlich. „Nach einem intensiven Wintertestprogramm stellen unsere Fahrer dem Auto ein gutes Zeugnis aus. Auch die Ingenieure sind überzeugt, gegenüber dem Vorjahr einen großen Sprung geschafft zu haben.“

(Text: rr/Michelin )
(Fotos: Michelin )

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