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Lexus LS 460: Emanzipations-Prozeß
03.04.2006
Mit der vierten Generation der Luxuslimousine LS 460 sucht Lexus nach einer eigenständigen Position im Hochpreissegment. Wo früher der Wettbewerb ausführlich formal zitiert wurde, bleibt es jetzt beim BMW "Hofmeister-Knick". Der Neue, dessen Markteinführung für Ende 2006 vorgesehen ist, zeigt ansonsten einen eigenständigen Auftritt. Er folgt ganz der neuen Lexus-Designlinie „L-finesse“, die schon beim GS und IS die Form prägt. "Schlichtheit und Prägnanz" ist die Formel, die für Eleganz, Qualität und hohe Emotionalität stehen soll. Während formal Zurückhaltung angesagt ist, wird bei der Technik kräftig aufgerüstet. Das Flaggschiff der Toyota-Tochtermarke wird von einem komplett neu entwickelten 4,6-Liter-Aggregat angetrieben, das einige technologische Innovationen aufweist. Das Triebwerk arbeitet mit dem dualen Einspritzsystem D-4S und einer variablen, elektrisch betätigten Steuerung der Einlassventile. Diese Kombination soll hohe Leistung mit geringen Verbrauchs- sowie Emissionswerten verbinden. Das System weist zwei Einspritzventile je Zylinder auf. Eines spritzt in den Ansaugkanal ein, das andere unmittelbar in den Brennraum dadurch will man bei Lexus die Vorteile von Saugrohr- und Direkteinspritzung bündeln. Über den gesamten Drehzahlbereich soll so eine optimale Leistungs- und Drehmomententfaltung stattfinden. Unterstützend wirkt hier die über einen Elektromotor betätigte variable Ventilsteuerung, die schneller anspricht als konventionelle hydraulische Stellorgane und für eine gesteigerte Drehmomentausbeute bei besserer Wirtschaftlichkeit sorgt. Mit voraussichtlich 380 PS und einem Gesamtverbrauch von 10,8 Litern pro 100 Kilometer soll der V8-Benziner Bestwerte in Sachen Leistung und Verbrauch bieten. Damit das Leistungspotenzial optimal abgerufen werden kann, ist der Motor mit einer Achtstufen-Automatik kombiniert. Motor, Automatikgetriebe, das adaptive Dämpfungssystem, die by-wire-Technologie für Lenkung und Bremsanlage, das Stabilitätsprogramm und die elektronischen Hilfssysteme wie Mikrowellen-Radar und Stereokamera sind miteinander vernetzt. Systeme wie das der variablen Lenkübersetzung VGRS (Variable Gear Ratio Steering) und das Fahrdynamik-Management VDIM (Vehicle Dynamics Integrated Management) sollen eine nahtlose Verbindung zwischen aktiver Sicherheit durch das VDIM und präventiver Sicherheit durch das PreCrash-Sicherheitssystem herstellen.
VGRS arbeitet mit einem Aktuator, der im mittleren Bereich der Lenksäule angebracht ist und die Lenkübersetzung in Abhängigkeit der Fahrgeschwindigkeit variiert. Bei geringen Geschwindigkeiten ist die Lenkübersetzung am größten, um dem Fahrer ein leichtes und müheloses Einparken sowie Rangieren zu ermöglichen. Bei mittleren Geschwindigkeiten arbeitet die Lenkung mit einer komfortabel abgestimmten Übersetzung und liefert eine passende Rückmeldung bei Kurvenfahrt. Bei hohen Geschwindigkeiten generiert VGRS die kleinste Lenkübersetzung. VDIM faßt die aktiven Sicherheitssysteme wie ABS, die elektronische Bremskraftverteilung EBD (Electronic Brake-force Distribution), die Antriebsschlupfregelung TRC (Traction Control) und das Fahrzeugstabilitätsprogramm VSC (Vehicle Stability Control) zu einem integrierten Steuer- und Regelkreis zusammen und bindet auch die elektrische Servolenkung EPS (Electronic Power Steering) sowie die variable Lenkübersetzung VGRS ein. Dazu verarbeitet VDIM Sensor-Informationen, die überall im Fahrzeug abgerufen werden. Da das System proaktiv arbeitet, also bereits vor Erreichen des Grenzbereichs mit der Regelung beginnt, erfolgt der Eingriff in die verschiedenen Systemkomponenten besonders sanft. VDIM optimiert Traktion und Fahrstabilität des LS 460. Die Bremsanlage des LS 460, ein “by-wire” System, weist Vierkolben-Bremssättel vorn und Zweikolben-Sättel hinten auf. Damit die ungefederten Massen gering bleiben, sind die Bremszangen aus Leichtmetall gefertigt. Ein Pre-Crash Sicherheitssystem soll präventiv und selbsttätig auf unterschiedliche Unfallsituationen selbst bei Dunkelheit reagieren. Ausgerüstet mit Mikrowellen-Radar und Stereo-Kamera, ist das System zur Hinderniserkennung in der Lage, statische und bewegliche Hindernisse vor dem LS 460 zu erkennen, darunter auch Fußgänger. Besteht die Gefahr einer Kollision, alarmiert die Anlage den Fahrer. Erweist sich der Zusammenstoß als unvermeidbar, aktiviert das System die Gurtstraffer und leitet eine Gefahrenbremsung ein. Im Heckbereich verfügt der Lexus über einen Mikrowellen-Radarsensor im Stoßfänger, der Hindernisse erfasst und automatisch reagiert, um die Folgen eines möglichen Heckaufpralls abzumildern. Zusätzlich gibt es ein Warnhinweissystem für den Fahrer (Driver Monitoring System), das die Kopfbewegungen des Fahrers überwacht. Falls vor dem Fahrzeug ein Hindernis auftaucht, während der Fahrer zur Seite oder nach unten schaut, ertönt ein Alarmsignal.
Um die Insassen zu schützen, besitzt der LS 460 eine Sicherheitsstruktur, die einen Großteil der Aufprallenergie absorbiert. Neben Frontairbags, Seitenairbags und Kopfairbags verfügt der Lexus über Knieairbags für Fahrer und Beifahrer. Der Beifahrerairbag ist im Zweikammer-System aufgebaut: Beim Auslösen bildet sich in der Mitte des Luftkissens eine Vertiefung für Nase und Mund. Wie Citroëns C6 ist der LS 460 mit einem Spurhaltesystem ausgerüstet, der die weißen Fahrstreifen-Markierungen über eine Stereo-Kamera erfasst. Sobald das Fahrzeug von der entsprechenden Fahrspur abweicht, alarmiert der Spurhalteassistent den Fahrer und nimmt selbsttätig und kurzzeitig eine Lenkkorrektur vor, um den Lexus wieder auf Kurs zu bringen. Ist außerdem die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage ACC (Adaptive Cruise Control) aktiviert, erfolgen die Lenkkorrekturen stets so, dass der LS 460 mittig in der Spur bleibt. Formal ist die große Limousine geglückt und speziell bei der Sicherheit will der LS Maßstäbe setzen. Nach dem bescheidenen Erfolg des Vorgängers erhofft sich Lexus vom LS 460 ein größeres Stück vom deutschen Kuchen: Ob Zurückhaltung im Ausdruck und kräftige technische Aufrüstung der richtige Weg sind, muss der Käufer entscheiden.
(Text: Rainer Roßbach )
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