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Peugeot 402 Andreau: Luftnummer
08.07.2006
In Deutschland war die aerodynamische Weiterentwicklung des Automobils in den Dreissiger Jahren des letzten Jahrhunderts ein grosses Thema. Edmund Rumpler, der seinen Tropfenwagen schon 1921 vorstellte, und besonders Wunibald Kamm, ab 1930 Ordinarius an der Technischen Hochschule Stuttgart, beeinflußten die Entwicklung. Der K-Wagen aus den Jahren 1938 bis 1940, der auf einem Mercedes 170 V aufbaut und der das berühmte Kamm-Heck trägt, beeinflußte die Entwicklung. In den USA bot Chrysler den avantgardistischen und aerodynamisch gestalteten Airflow schon seit 1934 seinen Kunden an. Auch in Frankreich fand das Thema Aufmerksamkeit: Als Antwort auf den Citroën Traction Avant stellte Peugeot 1935 den 402 vor, erkennbar an den Scheinwerfern, die sich hinter dem Kühlergrill verbergen. Schon von Haus aus war diese Baureihe, zu der auch das wundervolle Eclipse-Cabrio mit dem versenkbaren Metalldach gehört, mit einer aerodynamisch optimierten Karosserie versehen.
Und die Forschungen gingen weiter. Die Firma aus Sochaux beauftragte Mitte der Dreissiger Jahre den Aerodynamiker Jean Andreau, die gängigen Theorien auf dem Fahrgestell des 402 umzusetzen. Aus seinem Entwurf entstand 1936 ein Prototyp. Der 402 "Andreau", vorgestellt auf der Pariser Automobilausstellung im Oktober des gleichen Jahres, entstand auf dem Chassis eines serienmäßigen 402. Er besaß einen 1991 cm3 großen Reihenvierzylindermotor sowie ein Cotal-Getriebe mit elektromagnetischer Kupplung. Ziel der Entwicklung war ein Automobil, dass nicht nur den Komfortansprüchen der Fahrzeuginsassen nachkommt, sondern durch seine flüssigen Linien zugleich den Gesetzen des geringsten Fahrwiderstands entspricht. Die Karosserie sollte wissenschaftlich fundiert sein. Im Mittelpunkt der Forschung standen Abtrieb und Richtungsstabilität. Sie wurde erreicht, so der zeitgenössische Originalton, "indem der Mittelpunkt der seitlich angreifenden Kräfte nach hinten gerückt wird".
Dieser 402 ist wohl der prägnanteste und gleichzeitig extremste Vertreter der erfolgreichen Vorkriegsbaureihe. Mit seinem charakteristischen stehenden Heckleitblech erscheint er wie ein an Land geratenes U-Boot. Aber nicht nur die Form ist avantgardistisch. Im Vergleich zur Serienkarosserie der Limousine erreicht der "Andreau" bei gleicher Leistung eine Verbrauchsersparnis von etwa 30 Prozent. Mit einem tiefergelegten, aber ansonsten serienmäßigen Fahrwerk lag die Höchstgeschwindigkeit 40 Prozent über der des geschlossenen Serienviersitzers. Trotz dieser deutlichen Verbesserungen schaffte es die Andreau-Karosserie nie in die Serienfertigung. Lediglich fünf Prototypen wurden gebaut, von denen sich einer im Musée de l’Aventure Peugeot in Sochaux befindet.
(Text: Rainer Roßbach ) |
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