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Zagato 575 GTZ: Alta Moda
08.05.2006
Vorbild für den 575 GTZ ist der Ferrari 250 GT LWB Berlinetta Zagato, der 1956 auf der Basis des 250 GT gebaut wurde. Diese Baureihe war die erste, die vier Sitze hatte und von Ferrari mit Scheibenbremsen ausgerüstet wurde. Der Dreiliter-V12-Motor leistete 240 PS: Damit konnte die nur 1050 Kilogramm wiegende Aluminiumkarosserie in 5,2 Sekunden auf 100 Stundenkilometer gewuchtet werden. Das sind Werte, die sich auch heute noch sehen lassen können. Der Alte ist durchaus zweispältig im Design: Der Wagenkörper ist konventionell. Zwei Rundscheinwerfer auf den Kotflügeln, ein horizontal liegender ovaler Grill das ist vorne der ganze Schmuck. Die Wirkung wird vor allem mit dem Dach und dem Heck erzielt. Die klassischen Zagato-"Double Bubble"-Wölbungen im Dach und der transparente Aufbau mit der C-Säule in Z-Form machen den 250er besonders. Interessant ist auch die Heckpartie, in der sich das negative Profil des Dachs als Positivform wiederholt.
Dach und Heck sind es, die den 1956er Zagato mit dem 575 GTZ verbinden. Der doppelte Höcker sowie die dramatisch geschwungene Heckscheibe nehmen Motive des 250 GTZ auf, und der Frontgrill ist selbstverständlich oval. Damit sind die Gemeinsamkeiten aber erschöpft. Der Neue ist fließender gezeichnet, die Fensterflächen sind niedriger, die hinteren Kotflügelschwünge sind dramatischer ausgeformt und die Lüftungsschlitze am vorderen Radlauf exakt kalkuliert. Und genau das macht den Unterschied: Der 250 GTZ wirkt spartanisch, hemdsärmelig und ein wenig improvisiert. Der 575 GTZ jedoch, obwohl reinstes Retrodesign, folgt einer genauen Dramaturgie, bei der jedes Detail auf seine Wirkung überprüft wurde. Hier liegt die Leistung des Designs. Der Ferarri 575 GTZ Zagato zeigt, dass die sinnlichen Formen klassischer italienischer Sportwagen aus den Fünfzigern und Sechzigern ins Heute übersetzt werden können.
Ferrari hat erfreulicherweise das Verdikt aufgehoben, dass ausschließlich die eigenen Serienfahrzeuge das springende Pferd auf der Haube tragen dürfen. Nach Vorlage und Prüfung des Konzepts durch die Modeneser dürfen ausgewählte Stücke den traditionsreichen Namen führen. Das ist die kleine Chance, die reiche Tradition von Spezialkarosserien und maßgeschneiderten Entwürfen, die wesentlich für die italienische Fahrzeugkultur der Fünfziger und Sechziger Jahre war, wieder zu beleben. Ähnlich wie die italienische Haute Couture, die "Alta Moda", erweiterten die italienischen Stilisten und Kleinhersteller das Auto damals mit Vergnügen und Eleganz. Der 575 GTZ, dessen Technik aus dem 575 Maranello stammt und der im Auftrag des japanischen Sammlers Yoshiyuki Hayashi gebaut wurde, ist neben dem Pininfarina PKA, der auf dem 612 Scalietti aufbaut, vielleicht Vorbote einer Renaissance.
(Text: Rainer Roßbach )
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