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24 h Nürburgring: Hausmannskost
26.06.2006
Man nehme: die anspruchsvollste Rennstrecke der Welt, hervorragendes Wetter, nahezu 200.000 Motorsportfans, das Starterfeld der BF-Goodrich-Langstreckenmeisterschaft und würze das Ganze mit zwei Maserati Gransport, mehreren BMW M3 und einigen namhaften Piloten wie Jacques Laffite, Klaus Ludwig, Hans Stuck oder Dieter Quester. Das war das Erfolgsrezept für das diesjährige 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring, dass mit einem Doppelsieg für Porsche endete. Mike Rockenfeller, Lucas Luhr, Timo Bernhard und Marcel Tiemann überquerten in ihrem Porsche 911 GT3 nach 151 Runden (3832 Km) als erste die Ziellinie und verwiesen das Porsche-Team von Uwe und Jürgen Alzen, Klaus Ludwig und Christian Abt in einem GT3 auf den zweiten Rang. Dritte wurde Hans-Peter Huppert-Nieder, Christopher Gerhard, Dirk Riebensahm und Werner Mohr auf einer von Zakspeed betreuten Dodge Viper GTS-R. Der Jubel im Manthey-Racing-Team war riesengroß, hatte doch Teamchef Olaf Manthey als Fahrer und als Teamchef bisher häufig Pech. „Auf der ganzen Welt konnte ich Rennsiege erzielen. Aber wie oft ist mir dieses Rennen durch die Finger geglitten! Diesen Sieg verdanke ich einer großartigen Mannschaft und einem tollen Fahrerteam wirklich alle sind dieses Projekt mit viel Herzblut angegangen. Das ist ein unglaublich gutes Gefühl.“
Zwar wechselte nach der ersten Boxenstopp-Phase noch mehrfach die Führung, aber der Manthey-Porsche lag bereits am Start vorne und gewann letztlich souverän. Hans-Joachim Stuck und Dieter Quester rechneten sich gemeinsam mit Arthur Deutgen und Werner Dirk mit ihrem BMW M 3 durchaus Chancen aus, hatten sie doch mit dem von Duller Motorsport präparierten Wagen das 24-Stunden-Rennen von Dubai gewonnen. Ein Unfall beendete die bis dahin zuverlässige Fahrt während der Nacht. Johannes Stuck hatte mehr Glück als sein Vater, teilte er sich doch das Cockpit mit Claudia Hürtgen, Marc Hennerici und Torsten Schubert. Klassensieg im BMW 120d und Rang fünf im Gesamtklassement waren ein tolles Ergebnis. Für das Team um den Kottenborner Johannes Scheid endete das Rennen frühzeitig in einem Fiasko. Oliver Kainz hatte den von den Fans liebevoll „Eifelblitz“ genannten BMW M3 gerade vom Startfahrer Christian Menzel übernommen, als er bei einer Überrundung mit einem langsameren Fahrzeug kollidierte. Mehrfach schlug er am Streckenabschnitt Flugplatz in die Leitplanken ein und zog sich dabei Prellungen und, wie sich erst später herausstellte einen Kreuzband- und einen Innenbandabriss zu. Der BMW aber blieb als Totalschaden auf der Strecke. Derzeit ist völlig offen, ob und wie die Saison für das beliebte Team weitergehen wird.
Das 24-Stunden-Rennen am Nürburgring ist die wohl größte Rennveranstaltung der Welt. Es wurde vom veranstaltenden ADAC Nordrhein hervorragend organisiert und war auch, endlich mal wieder, vom Wettergott begünstigt. Weil nur maximal 230 Teams zum Training zugelassen werden können, musste der ADAC bei mehr als 270 Anmeldungen erstmals Absagen erteilen. Nach den zwei Trainingsläufen gingen am Samstag 220 Fahrzeuge mit insgesamt 780 Fahrern aus 22 Nationen ins Rennen. Von der werkseitigen Unterstützung des Manthey-Teams, der Schubert-BMW und den beiden Maseratis abgesehen, wurde in diesem Jahr das Feld den privaten Teams überlassen, die das 24-Rennen seit seiner ersten Auflage tragen. Ihnen gönnt jeder den Triumph, besonders dann, wenn er gegen hochkarätige Werksteams errungen wurde. Noch vor zwei Jahren waren mit Audi, BMW und Opel gleich drei Werke am Start. 2006 hatte die Teilnehmerliste zwar so viele Nennungen wie noch nie, aber namhafte Hersteller fehlten leider. Bedingt durch die zahlreichen Ausfälle reduzierte sich das Feld bis zum Sonntag morgen auf einige wenige Favoriten und viele engagierte kleine Teams, die vor allen Dingen die Zielflagge sehen wollten. So fehlte am Ende etwas Salz in der Suppe des 24-Stunden-Rennens 2006, dass sich in der Schlussphase kaum mehr von einem Lauf zur BF-Goodrich-Langstreckenmeisterschaft unterschied.
(Text: Michael Behrndt/rr )
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