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Opel Typ 1,8 Liter 1931: Der Sechszylinder wird erschwinglich
11.07.2006
Das 1,8 Liter-Modell, das Anfang 1931 auf dem Markt erschien, war gemeinsam mit General Motors in den USA entwickelt worden und bot modernes Fahrzeugdesign in Verbindung mit Sechszylinder-Komfort zum Preis eines Vierzylinder-Wagens. Die Fahrzeugfamilie verfügte über Motoren mit einem guten Antriebskomfort, die zunächst bei 3200 U/min 32 PS mobilisierten, ab 1933 stieg die Leistung bei unveränderter Drehzahl auf 34 PS. Sechs Versionen standen zur Wahl, von der viertürigen Normal-Limousine über den „Moonlight“-Roadster bis zum eleganten Sport-Zweisitzer, mit dem das Unternehmen erfolgreich im Motorsport antrat. Bei der Langstreckenfahrt „2000 km durch Deutschland“ im Jahr 1933 trugen sich die 1,8 Liter Sport-Zweisitzer in die Siegerlisten ein. Das Aggregat verfügt über sechs Zylinder mit 1790 ccm Hubraum und leistet 32 PS bei 3200 U/min, womit der Wagen auf eine Spitze von 90 km/h beschleunigt. Motorblock, Zylinderkopf und Kolben sind aus Grauguss, die seitlich stehenden Ventile werden über eine stirnradgetriebene Nockenwelle betätigt. Vier Gummilager halten Vibrationen vom Fahrgestell fern, Chassis und Fahrwerk sind bewährte Konstruktionen. Die Karosserie sitzt auf einem soliden U-Profilrahmen, vorne wie hinten besitzt der 1,8 Liter Starrachsen an Blattfedern und hydraulischen Stoßdämpfern. Die moderne Form aus den Designstudios des amerikanischen Mutterkonzerns erinnert mit dem schlanken, verchromten Kühlergrill an die aktuellen Chevrolet-Modelle. Ab Januar 1931 laufen die ersten Einheiten des Mittelklassewagens mit der Typenbezeichnung 18 B in Rüsselsheim vom Band.
Die Erfahrungen der Amerikaner mit rationeller Großserienfertigung und die modernen Anlagen des größten deutschen Autoherstellers Opel erlauben es, die einzelnen Komponenten des neuen Modells so günstig zu fertigen, dass zum ersten Mal auf dem deutschen Markt ein Sechszylinder-Wagen annähernd zum Preis eines Vierzylinders angeboten werden kann. Sechs Versionen stehen zur Wahl. Die viertürige „Normal-Limousine“ kostet 3295 Mark, für den Aufpreis von 155 Mark erhält der Käufer die „Sonnenlimousine“, einen geschlossenen Viersitzer mit Kunstoff bezogenem Schiebedach. „Für elegante Menschen von kultiviertem Geschmack“ wird das „Sonnen-Coupé“ angeboten, das zum zum Preis von 3.495 Mark über ein großes Stahl-Schiebedach verfügt. 3.175 Mark kostet die zweisitzige, zweitürige Cabriolet-Version. Eine Lieferwagen-Variante mit Kastenaufbau und 350 Kilogramm Nutzlast ist für 2.950 Mark zu bestellen. Günstigstes Modell bleibt der viersitzige, offene „Touring“ für 2.700 Mark. Im Sommer 1932 wird die Baureihe durch weitere Versionen ergänzt. Ab Werk wird eine zweitürige Cabriolimousine mit vier Sitzplätzen und feststehenden Fensterrahmen geliefert. Eine Ausnahmestellung nehmen die beiden Sport-Zweisitzer auf 1,8 Liter-Basis in der Modellpalette ein, die von namhaften Karosseriebauern eingekleidet werden. Der bei Autenrieth in Darmstadt gebaute, 3.700 Mark teure Sport-Zweisitzer verfügt über eine zweisitzige Cabrio-Karosserie mit tief ausgeschnittenen Türen, ein am Wagenheck befestigtes Reserverad sowie ein wetterfestes Klappverdeck.
Das beim Kölner Karosseriebauer Deutsch geschneiderte Blechkleid des „Moonlight-Roadster“ ist noch knapper. Seinen Namen verdankt der niedrige Zweisitzer einer Fahrzeuggattung aus der Zeit der US-amerikanischen Prohibition. Alkoholschmuggler bauten sich für nächtliche Schmuggelfahrten sprintstarke und niedrige Roadster, die nachts unter den für Lastwagen konzipierten Zollschranken durchschlüpfen konnten. Der Moonlight-Roadster unterscheidet sich vom Sport-Zweisitzer durch die gepfeilte Windschutzscheibe und die Speichenfelgen anstelle der Stahlscheibenräder. Nur 51 Exemplare des 3.895 Mark teuren Roadsters entstehen. Unter der Bezeichnung „Regent“ wird im Juli 1932 eine repräsentative 1,8 Liter-Variante präsentiert. Der Regent besitzt eine moderne Karosserie mit geschwungenem Ganzstahldach sowie ein schräg abfallendes Heck, in welches das Ersatzrad eingelassen ist. Erstmals werden bei einem Opel-Modell Begriffe wie Stromlinienform und Aerodynamik betont. Wie bei der Serie 18 B gibt es auch vom Regent verschiedenen offene und geschlossene Karosserievarianten.
Zwei Jahre nach der Präsentation erfährt der Motor ein grundlegende Überarbeitung. Ab 1933 ersetzen bei allen Opel-Modellen Leichtmetallkolben die Vorgänger aus Grauguss, eine höhere Verdichtung, größere Einlassventile und ein verbesserter Vergaser steigern die Leistung des Reihensechszylinders auf 34 PS bei 3.200 Touren. Die moderne Auslegung als Kurzhuber prädestiniert den 1,8 Liter für den Motorsport, an dem sich Opel zum ersten Mal seit 1926 wieder beteiligt. Zuverlässigkeitsfahrten fordern den Einsatz seriennaher Technik, Höhepunkt der Saison ist die 2.000-Kilometer-Deutschlandfahrt. Zwölf serienmäßige Opel 1.0 und 1.8 Liter stellen sich der Aufgabe, elf erreichen das Ziel. Als bester Opel-Pilot schneidet Erwin Sander aus Berlin auf seinem 1.8 Liter Sport-Zweisitzer ab, der auch die Vorgebezeiten für stärkere Fahrzeuge unterbietet. Nach 26 Stunden und 23 Minuten erreicht Sander das Ziel, die Durchschnittsgeschwindigkeit beträgt 78,8 km/h. Nach weiteren Siegen verabschiedet sich die 1,8 Liter-Baureihe Ende 1933 von der Autobühne. Trotz wirtschaftlicher schwieriger Zeiten wurde das Fahrzeug ein großer Erfolg: bis November 1933 verkaufte Opel inklusive der Lieferwagen auf 1,8 Liter-Basis 33.805 Exemplare des Modells und begründete eine lange Reihe an leistungsstarken und bezahlbaren Mittelklasse-Automobilen mit Sechszylindermotor.
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