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Ford iosis X: Trapezkünstler
16.10.1006
Konsequent setzt Ford seine Designoffensive "kinetic design" um. Das Portfolio der Marke überzeugt aktuell durch eine konsequente und lebendige Formensprache. S-Max und das neue Focus Coupé-Cabriolet sind dafür gelungene Beispiele. Der nächste Schritt soll bald folgen: In 18 Monaten wollen die Kölner ein neues SUV auf den Markt bringen. Der auf dem Pariser Salon 2006 gezeigte "iosis X" ist eine wichtige Marke auf dem Weg zum Serienprodukt, denn die Studie untersucht, wie der aktuelle Designkanon bei einem sportlichen Crossover funktioniert. Die Frontpartie des Allradlers interpretiert das Familiengesicht der europäischen Modelle von Ford auf eine robuste Art, um den besonderen Charakter des Fahrzeugs zu betonen. Dies zeigt sich besonders in den Trapezformen, die den unteren Bereich des Kühlergrills prägen. Die Wirkung der unteren Öffnungen wird durch die Reduzierung des darüber liegenden Lufteinlass, der von einem metallischen Steg in zwei Teile getrennt wird, verstärkt. Im Zentrum steht als auffälliger Akzent das groß dimensionierte blaue Oval des Ford-Logos. Die Trapezform findet sich auch bei den Scheinwerfern, die die Form der Front in die Seitengrafik überleiten. Eine ausgeprägte Keilform, eine hohe Schulterlinie sowie dramatisch gesetzte Sicken geben dem Profil im Zusammenwirken mit den kleinen Fensterflächen eine hermetische Dynamik. Verstärkt wird diese Wirkung durch den Schweller, der auf eine neue Weise in die Gestaltung einbezogen ist: Einerseits nimmt er die Entlüftungsöffnungen der Bremsen auf, andererseits schwingt sich von seiner Mitte aus eine keilförmige Fläche bis auf den hinteren Stoßfänger, die die spannungsvollen Linien der Seite nochmals verstärkt.
Außenliegende Scharniere weisen auf gegenläufig zur Fahrtrichtung angeschlagene Türen hin. Diese eigentlich nur bei Studien zu findende Lösung ermöglicht den Verzicht auf eine B-Säule und gestattet einen leichteren Zugang zum Innenraum und bietet für Designer besonders wichtig einen freien Blick auf die Gestaltung des Interieurs. Die schmalen Gehäuse der Außenspiegel sind sehr weit oberhalb der A-Säule angebracht und zusätzlich mit kleinen Lampen aufgewertet. Auffälligstes Gestaltungsmerkmal am Heck ist die Nebelschlussleuchte, die sich über die gesamte Breite des Fahrzeughecks erstreckt. Lackiert ist der iosis X in Weiß, das durch zwei silberne Zierstreifen, die sich über die gesamte Länge der Motorhaube erstrecken und im zweigeteilten Glasdach münden, kontrastiert wird. Während die Karosserie schon Züge einer Serienanmutung aufweist, ist der Innenraum futuristisch. Dominierendes Element im Passagierabteil ist eine großdimensionierte Mittelkonsole, die sich gestalterisch an ein Hubschrauber-Cockpit anlehnen will. Ausgehend vom Instrumentenbrett erstreckt sie sich durch den gesamten Innenraum. Dabei trennt sie jeweils die beiden vorderen und hinteren Sitzplätze voneinander, bevor sie in die Dachpartie übergeht. Dort hält sie anstelle klassischer Scharniere die einteilige Heckklappe und nimmt auch die Reserverad-Halterung auf.
Der Armaturenträger scheint frei im Raum zu schweben, die Form des Instrumentenbretts setzt sich nahtlos fort bis in die Türverkleidungen. Das Lenkrad weist orangefarbig abgesetzte Kunststoff-Einlagen aus, die in einem Kontrast zu weißen Applikationen mit glänzenden Oberflächen stehen. In der zentralen Bedienkonsole befindet sich der Schalthebel des elektronisch geregelten sequenziellen Getriebes, dessen Haptik die Steuerungseinheit von Computer-Spielkonsolen reflektiert. Hier sind auch die Schalter für die Einstellung der Federung oder auch der Traktionskontrolle untergebracht. Zwei Glasdacheinsätze flankieren die zentrale Dachkonsole. Sie korrespondieren mit einem Fahrzeugboden, der ebenfalls aus durchsichtigem Glas besteht und dem Fahrer sowie den Passagieren einen ungewohnten ästhetischen Reiz bietet. Die jüngste Studie von Ford stellt den Premiumanspruch der Marke in den Mittelpunkt, was sich in der Verarbeitung von Säumen, Nähten und den ausgewählten Materialkombinationen ausdrückt. Fließende Formen ergeben sich aus einer Kombination aus Piano-Weiß und orange durchschimmerndem Plexi-Kunststoff sowie Blau-Grau als Hintergrundfarbe. Ein Innenraum in dieser Form wird es bei einem Serienprodukt wohl nicht geben: Kein Nachteil angesichts des geschickten Mix aus Funktion, Ergonomie und Eleganz, der die aktuellen Serienmodelle auszeichnet. Anders die Außenhaut, die in geglätteter Form durchaus von den Bändern rollen könnte.
(Text: Rainer Roßbach)
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