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Mille Miglia 1931: Rudolf Caracciola gewinnt
20.10.2006 Das erste Automobilrennen auf der Strecke Brescia Cremona Mantua Brescia findet am 10. September 1899 statt. Doch die eigentliche Geburtsstunde der Mille Miglia ist das Jahr 1927. Anfangs treten eine Handvoll begeisterter Automobilisten im Großraum Brescia in Langstreckenrennen gegeneinander an. Schließlich beschließen sie, die Strecke zu verlängern und das Rennen mit immer längeren Teilstrecken auf drei Etappen anzulegen; Wendepunkt soll Rom sein, die Gesamtstrecke 1000 Meilen betragen. Der Name Mercedes-Benz ist seit 1930 untrennbar mit diesem berühmten Langstreckenrennen verbunden: In jenem Jahr belegt Rudolf Caracciola am Steuer seines SSK den 6. Platz. Der Fahrer Rudolf Caracciola wird am 30. Januar 1901 in Remagen geboren. Beide Eltern sind begeisterte Motorsportler und bereits im Alter von 15 Jahren darf er mit Sondererlaubnis den Führerschein machen. Seine mehr als 30 Jahre währende Rennkarriere beginnt auf dem Motorrad. Mit 21 Jahren gewinnt er 1922 das Rennen „Rund um Köln“, worauf ihn die Fafnir-Automobilwerke als Werksfahrer zum AVUS-Rennen nach Berlin schicken.
Nach einem respektablen 4. Platz und einem bald darauf folgenden Sieg auf einem Ego-Kleinwagen im Berliner Grunewald-Stadion bewirbt sich Caracciola bei Daimler-Benz und steigt zur Ära der Kompressor-Fahrzeuge als Rennfahrer ein. 1923 fährt er als Werksfahrer auf dem Mercedes Tourensportwagen 6/25/40 PS in Baden-Baden sein erstes Rennen und erzielt noch im gleichen Jahr elf weitere Siege. Insgesamt liest sich seine Erfolgsbilanz über die Jahre eindrucksvoll: Sieg reiht sich an Sieg, es gibt kaum ein Rennen, das er nicht gewonnen hätte. Seine Fähigkeit, auch bei schlechtem Wetter schnell und sicher unterwegs zu sein, bringt ihm die Bewunderung seiner Rennfahrerkollegen und den heimlichen Titel „Regenmeister“ ein. Die Zeitläufe ermöglichen es, dass Caracciola zwei Rennepochen miterlebt: Vor dem Zweiten Weltkrieg die Zeit der Kompressor-Motorboliden mit ihrer schieren Kraft und danach den Siegeszug der deutlich feiner konstruierten Fahrzeuge, die immer mehr zu einem sehr eng aufeinander abgestimmten Gesamtsystem werden. Caracciola fährt beide Arten virtuos bis ein Unfall seine Rennkarriere beendet: Beim Großen Preis von Bern 1952 blockiert in der 13. Runde das linke Hinterrad seines Mercedes-Benz 300 SL, und er schleudert gegen einen Baum. Sein linkes Bein wird zertrümmert, und er ist lange auf Rollstuhl und Krücken angewiesen. 1956 erhält er von Daimler-Benz die Aufgabe, das Haus zu repräsentieren und den Verkauf von Fahrzeugen an die in Europa stationierten Amerikaner und Engländer zu leiten. Am 28. September 1959 stirbt Rudolf Caracciola im Alter von 58 Jahren in Kassel.
Das Auto Die Kompressorfahrzeuge der Marke Mercedes nehmen erstmals Anfang der 1920er Jahre in den Konstruktionsbüros der Daimler-Motoren-Gesellschaft (DMG) also noch vor der Fusion mit Benz & Cie. ernsthaft Gestalt an. Gottlieb Daimlers Sohn Paul, seit Wilhelm Maybachs Austritt aus der DMG 1907 technischer Direktor und nun auch Vorstandsmitglied, treibt deren Entwicklung voran. Erfahrungen mit der mechanischen Aufladung gibt es reichlich, Flugmotoren und U-Boot-Aggregate bekommen bereits mit Hilfe von Kompressoren eine höhere Leistung. Der erste Rennwagen mit 1,5-Liter-Kompressormotor ist der Typ 6/40/65 PS, der 1922 bei der Targa Florio in Sizilien zum Einsatz kommt und, pilotiert von Werksfahrer Paul Scheef, einen achtbaren 3. Platz belegt. In der Serienklasse fährt Max Sailer beim gleichen Rennen den ersten Sieg auf einem Mercedes 28/95 PS heraus, dessen Motor für dieses Rennen mit einem Kompressor ausgerüstet ist und 140 PS leistet. Im Jahr 1924 kommen die ersten Mercedes-Rennwagen mit 2,0-Liter-Achtzylinder-Kompressormotor, entwickelt von Ferdinand Porsche, der von Austro Daimler als technischer Direktor zur DMG gekommen ist. Doch erst zwei Jahre später gelingt den Boliden ein Sieg bei einer renommierten Veranstaltung: Der damals 25jährige Rudolf Caracciola gewinnt mit seinem Beifahrer Eugen Salzer das AVUS-Rennen, mit der bisher für schier unmöglich gehaltenen Durchschnittsgeschwindigkeit von 135 km/h.
Die nächste Generation der Mercedes-Benz Sportwagen sind die Typen K, S, SS, SSK und SSKL. Im Gegensatz zu den vorher eingesetzten reinrassigen Rennwagen sind diese neuen Autos als sportliche Straßenfahrzeuge konzipiert. Zwischen 1926 und 1933 sind die im Volksmund „Weiße Elefanten“ genannten und mit einem aufgeladenen Sechszylinder-Motor ausgestatteten Wagen sowohl auf normalen Straßen als auch auf den Rennpisten der Welt das Maß der Dinge. Wohlhabende Herrenfahrer finden in diesen Automobilen die idealen Werkzeuge für das Kräftemessen bei Rennveranstaltungen jeglicher Art, die seinerzeit noch mehr als heute gesellschaftlich von höchster Bedeutung sind. Die Entwicklung gipfelt schließlich im Typ SSKL, den auch Caracciola im April 1931 bei der Mille Miglia fährt. Er basiert auf dem SSK, der einen kurzen Radstand hat und damit sehr leicht und wendig ist. Der SSKL ist noch einmal leichter dafür steht das „L“ in der Typenbezeichnung , er wiegt rund 1350 Kilogramm. Das ist nicht viel Masse für den Kompressor-Sechszylinder mit 7065 Kubikzentimeter Hubraum und einer Leistung von 300 PS: Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei beachtlichen 235 km/h. Die letzte Evolutionsstufe des Respekt einflößenden SSKL geht beim Berliner AVUS-Rennen 1932 an den Start. Privatfahrer Manfred von Brauchitsch lässt den Rennwagen in Eigenregie mit einer Stromlinien-Karosserie versehen und siegt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 194,2 km/h.
(Text: rr/pt)
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