|
|
|
|
Lexus RX400h: Systemwechsel
04.02.2006
Beim ersten Losfahren mit dem Lexus reagiert man zunächst irritiert: Lautlos bewegt sich der RX400h vorwärts, weil beim Anfahren ausschließlich der elektrische Antrieb benutzt wird. Bei Tempo 50 wird der Verbrennungsmotor zugeschaltet und wer mag kann den Wechsel der Antriebe im zentralen Display verfolgen. Der 3.3l-V6-Benzinmotor, der mit zwei Elektroantrieben kombiniert ist, leistet alleine schon 211 PS. Dazu kommen die Elektroaggregate, von denen eines die Vorderachse antreibt und das zweite die Hinterachse. Insgesamt bringt es der RX400h auf eine Gesamt-Systemleistung von 272 PS. Damit erreicht das SUV in sportlichen 7,6 Sekunden Tempo 100, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei abgeriegelten 200 km/h. Der Kick liegt aber nicht im reinen Beschleunigungswert sondern im unglaublichen Antritt. Das Gesamtdrehmoment liegt bei üppigen 750 Newtonmeter, die fast aus dem Stand heraus zur Verfügung stehen. Von der exotischen Antriebstechnik merkt der Fahrer fast nichts - zwei Planetengetriebe verteilen die Antriebskraft variabel und absolut ruckfrei. Hier spielt die Hybridtechnik ihren Vorteil aus: Praktisch in allen Lebenslagen steht reichlich Kraft zur Verfügung und diese wird weder mit hohem Spritkonsum noch mit übergebührlichem Ausstoß an Klimagasen bezahlt. Auf 100 Kilometer verbraucht der mit einem Leergewicht von 2,2 Tonnen nicht zierlich geratene Lexus lediglich 9,1 Liter Super. Die regenerative Bremse kann neben ihrem primären Zweck elektrische Energie erzeugen und speichern. Die kinetische Energie des Fahrzeugs, die sonst in Form von Wärme verloren ginge, wird in der Batterie gespeichert. Das Bremssystem ist besonders leistungsfähig und zeichnet sich durch eine sehr hohe Rückgewinnungsquote selbst bei geringen Geschwindigkeiten oder im Stop-and-go-Verkehr aus.
Bauarttypisch ist der RX400h nicht für schnelle Slaloms auf kurvigen Landstraßen ausgelegt. Dennoch bietet das Fahrwerk mit McPherson-Einzelradaufhängungen vorn und einer Mehrlenkerkonstruktion an der Hinterachse genug Agilität, um Spaß zu machen. 18-Zoll-Leichtmetallräder, bestückt mit Reifen der Dimension 235/55 R 18, bringen die enorme Kraft sicher auf den Asphalt. Der Innenraum bietet viel Komfort. Schönes Material und eine gute Verarbeitung bieten Oberklasseniveau. Platz für Fünf plus 439 Liter Gepäck reichen für die Reise. Falls man mehr unterbringen muss stehen bei umgeklappter Rückbank 2000 Liter zur Verfügung. Die Instrumentierung des RX 400h umfasst neben dem Tachometer und den Anzeigeinstrumenten für Tankinhalt und Motortemperatur ein Multifunktions-Display, das unter anderem die Funktionsweise des Hybridsystems darstellt, sowie eine Leistungsanzeige, die den Drehzahlmesser eines konventionellen Fahrzeugs ersetzt. Sie gibt dem Fahrer die aktuelle Systemgesamtleistung in Kilowatt an. Zur Serienausstattung gehören eine Klimaautomatik, eine hochwertige Musikanlage und Xenonlicht.
Die Karosserielinie des Lexus ist eigenständig und wartet mit einem niedrigen cW-Wert von 0,33 auf. In der Frontansicht unterscheidet sich das Hybridmodell von seinem konventionell angetriebenen Serienpendant durch einen zusätzlichen Lufteinlass zur Kühlung der Hybrid-Komponenten. Außerdem sind die in den Stoßfänger integrierten Nebelscheinwerfer rund. Die Gürtellinie steigt leicht an und formt eine keilförmige, durchaus sportlich wirkende Silhouette. Dem Heck fehlt nach wie vor die Eleganz. Der große Spoiler an der Heckscheibenoberkante sowie die wenig nobel aussehenden Klarglasheckleuchten machen den Rücken zur schwachen Seite des Lexus. Dem stehen die Vorteile des japanischen Hybrid-SUV gegenüber: Der RX 400h ist sparsam, komfortabel ausgestattet und bietet den Reiz des avantgardistischen Antriebs, der durch problemlose Alltagstauglichkeit glänzt. Dafür muss man aber wenigstens 49.750 Euro auf den Tisch legen.
(Text: Rainer Roßbach )
Verwandte Themen:
|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||